Wer kann sich nicht an sie erinnern? Die Zahnputzfrau, die regelmässig in der Schule vorbeikam. Vielleicht blieb die Person nicht so deutlich in Erinnerung. Aber dafür dieses furchtbare Fluor-Gel, mit dem man sich im Klassenverband die Zähne bis zum Brechreiz putzen musste. Silvia Studer war elf Jahre in den Schulen Biberstein, Küttigen, Rombach, Schönenwerd und in Eiken als Instruktorin für Zahnpflege tätig. Nun gibt sie die Zahnbürste ab. Nicht, weil es ihr nicht mehr gefallen würde.

Die gelernte Dentalhygienikerin erzählt freudig aus ihrem Alltag als Zahnputzfrau. Diese Bezeichnung sei übrigens völlig in Ordnung, betont sie. Sie kennt auch weniger nette Namen wie «Schlee-Chueh» oder «Schlee-Häx», aber mit diesen sei sie nie konfrontiert worden. Zu der warmherzigen 41-Jährigen passt der Name «Zahnfee» auch besser. Einmal sei sie von einem kleinen Mädchen – der Zahnputzunterricht beginnt bereits im kleinen Kindergarten – gefragt worden, wo sie denn ihre Flügel versteckt habe.

Silvia Studer ist Mutter von zwei Kindern und hat auch schon als Briefträgerin oder Securitas gearbeitet. Ab dieser Saison ist sie neu Badmeisterin in Schinznach-Bad. So gern sie als Zahnfee unterwegs war, ist es für sie dennoch eine Erleichterung, nicht mehr vier bis sechs Einsätze pro Klasse und Jahr an fünf verschiedenen Schulen koordinieren zu müssen.

Man muss abgehärtet sein

Das unbeliebte Fluor-Gel konnte auch Silvia Studer den Kindern nicht abnehmen. «Es ist sehr wichtig für den Aufbau der Zähne», sagt Studer. Das Gel härtet den Zahnschmelz. Idealerweise sollten Kinder einmal pro Woche damit die Zähne putzen, aber auch schon die Besuche der Zahnputzfrau in der Schule haben einen positiven Effekt.

Studer versteht, dass es für die Kinder eine spezielle Situation ist, wenn sie im Klassenzimmer die Zähne putzen müssen. «Man muss abgehärtet sein», sagt sie lachend und meint auch sich selber. «Das Klassenzimmer ist ein ungewöhnlicher Ort zum Zähneputzen und dann choderet neben einem noch lautstark jemand ins Becherli ...» Aber in ihren elf Jahren habe nie jemand erbrechen müssen, auch wenn sie ein paar Mal gedacht habe, jetzt sei es dann gleich so weit.

In Sorge wegen Energy Drinks

Bei den Kleinsten muss Studer ganz von vorne anfangen. «Am Anfang ist das Zähneputzen schon rein motorisch eine Herausforderung, besonders die Innenseite des Gebisses.» Beim Schrubben hat die Forschung übrigens auch immer wieder neue Erkenntnisse. Während frühere Generationen die Aussenseite der Backenzähne noch kreisend geputzt haben, gilt heute wieder rauf-runter. Neben der Motorik vermittelt Silvia Studer auch viel Theorie.

Vom Aufbau bis zur Ernährung bringt sie ihren Schülerinnen und Schülern bei, wie sie ihre Zähne pflegen und schützen können. Den Trend der Energy Drinks beobachtet sie mit grosser Sorge. «Die Säure ist sehr schlecht für die Zähne.» Sie weicht den Zahnschmelz auf. Wer nach einem Energy Drink die Zähne putzt, radiert sie quasi weg. Und weil die Drinks aus der Dose getrunken und durch die Zähne gesogen werden, werden die Zähne besonders stark geschädigt.

«Ich werde die Kinder vermissen», sagt Silvia Studer. Sie freut sich, wenn sie in Zukunft etwa als Schwimmlehrerin wieder mit Kindern arbeiten kann. Die Arbeit als Zahnputzfrau habe ihr viel gegeben. Dass sie vor eine Klasse hinstehen und diese zum Teil allein führen musste, könne sie im neuen Job gut gebrauchen. Silvia Studer war eine liebe Zahnputzfrau und die Kinder hätten sich gefreut, sie zu sehen. «Druck aufbauen nützt nichts», sagt sie.

Sie habe es auf eine lockere Art versucht. Wenn ein Kind anfangs nicht wollte, habe es halt beim nächsten Mal mitgemacht. Bei ihr durften die Geschmacksorten der Fluor-Gels auch gemischt werden. Erdbeere, Himbeere, Pfefferminze und den Elmex-Gel, die Krönung des schlechten Geschmacks, habe sie den Kindern als Apfel verkauft.