Früher oder später führte der Weg meistens an den Maienzug-Fotos vorbei. Sie hingen in den Schaufenstern der Fotogeschäfte oder klebten auf Plakatwänden davor. Jedes Kind war irgendwo abgebildet: Mit etwas Glück vorne in die Kamera winkend oder dann halt hinten, hinter den Kameraden noch knapp erkennbar. Abzüge der Fotos konnte man mit den entsprechenden Nummern der Fotos in den Geschäften bestellen.

In den 70er-Jahren machten sechs Foto-Geschäfte inklusive des Coops solche Umzugsfotos vom Maienzug. Doch diese Epoche ist vorbei. Heute ist das Fotogeschäft Schatzmann an der Bahnhofstrasse das letzte, das mit einem Team von drei Fotografen noch versucht, jedes Blumenkränzlein und jeden Zylinder zu erfassen.

Rentieren tut das im Zeitalter von Handy-Kameras nicht mehr. «Nur hin und wieder kommt nach dem Maienzug jemand ins Geschäft und bestellt ein Foto», sagt Kurt Schatzmann. Warum macht er es dann trotzdem noch? «Es ist für uns eine Tradition, die wollen wir aufrechterhalten», sagt er. Denn es war 1931 Schatzmanns Vater Albert, der in Aarau die Maienzug-Fotos erfand. Solche Schnappschüsse von der Strasse wurden damals möglich, als die ersten mobilen Kameras, die ohne Stativ bedient werden konnten, auf den Markt kamen.

«Wir waren die Ersten, jetzt sind wir die Letzten», sagt Schatzmann. Er sieht die Stellwände mit den Fotos auch als Werbung oder zumindest als Anziehungspunkte, weil doch viele schnell stehen bleiben und sich selbst oder bekannte Gesichter im Meer aus Weiss und Blumen suchen.