Frau Werder, Ihre «Drogerie im Telli» ist nach dem Ende der Ära Baranzini in der «Drogerie Suter» an der Igelweid noch die einzige inhabergeführte Drogerie in Aarau.

Susanne Werder: Wir sind überhaupt die einzige Drogerie, die es in der Stadt noch gibt. Sanovit im Manor und die Drogerie Bützberger haben schon vorher aufgehört. Noch eine einzige Drogerie in Aarau – das bedeutet ein Stück weit einen Mangel an Nähe und den Verlust der Vielfalt. Aber die Mieten in der Stadt sind viel zu hoch.

Ist die Situation im Raum Aarau ungewöhnlich, oder lässt sich diese Ausdünnung auch in einem grösseren Raum feststellen?

In der Stadt Zürich gibt es noch eine einzige Drogerie, in Bern hat jetzt eine junge, innovative Frau wieder eine eröffnet.

Die «Drogerie im Telli» ist ein unabhängiges Geschäft. Wie äussert sich dieser Umstand für die Kundschaft?

Ein unternehmungsgeführtes Geschäft ist näher an den Kunden. Es bietet an, was die Leute wollen. Die Beratungsleistung ist intensiver. Wir engagieren uns auch in der Lehrlingsausbildung. Wir übernehmen auch den Lernenden der «Drogerie Suter». In Zukunft werden bei uns sieben Personen arbeiten, drei gestandene Drogistinnen und vier Lernende. Da musste auch das Berufsbildungsamt mitmachen.

Wie hat sich aus Ihrer Sicht das Drogerie-Geschäft in den letzten Jahren generell entwickelt?

Es gibt weniger Drogerien als früher, dafür hat sich der Umsatz erhöht, die Qualität hat zugenommen, zum Teil wurden auch Apotheken integriert.

Zugleich sind die Anforderungen gestiegen, weil die Kunden unser Wissen viel intensiver fordern. Vielfach kommen diese mit viel Vorwissen zu uns, weil sie sich schon im Internet aufdatiert haben.

Das Sortiment hat sich, wie mir scheint, ebenfalls gewandelt. Früher ging man beispielsweise zur Drogerie, um Alkoholika zu kaufen.

Das ist so: Der Drogist hat sich immer wieder neu erfunden. Ich habe eine Zeit lang das Marketing des Drogistenverbandes geleitet. Als ich vor neuneinhalb Jahren wieder einstieg, stellte ich fest, wie sehr sich in der Zwischenzeit das Sortiment gewandelt hatte. In den letzten Jahren sind die Bereiche Gesundheit und Schönheit immer mehr in den Fokus gerückt. Die Drogerie ist die erste Ansprechstation für alle gesundheitlichen Sorgen. Alkohol ist heute kein Thema mehr. Textilpflegemittel dagegen haben wir wieder ins Sortiment aufgenommen – eine ausgesprochene Randdienstleistung. Eine Rolle spielt heute auch das Drum und Dran. Deshalb haben wir ein Teestübli eingerichtet. Der Drogist ist ein Generalist, der die Fähigkeit hat, sich zu spezialisieren. Und wenn die Grossen merken, dass etwas rentiert, integrieren sie das gerne in ihr Sortiment.

Gibt es innerhalb des Boom-Bereichs Gesundheit eigentliche Trends?

Die Erfahrungsmedizin trifft sich heute mit der Schulmedizin. Man arbeitet mehr konzeptionell. Heute ist es auch ein Thema, verschiedene Naturheilmittel miteinander zu verknüpfen – Schüssler Salze, Produkte von Dr. Vogel etc.

Herrschen im Einkaufszentrum in der Telli spezielle Bedingungen?

Spannend ist, dass man bei uns alle Kundengruppen findet. Schön ist, dass die Leute treu sind und die persönliche Beziehung schätzen. Hier pflegen wir – das gilt fürs ganze Center – das Miteinander.

Sie sind ja Präsidentin der Einkaufszentrums-Mietervereinigung – welche Auswirkungen erwarten Sie davon, dass Coop nun das Zentrum gekauft hat?

Ich halte es für ein sehr gutes Zeichen, dass Coop das Ganze – und damit auch eine Verpflichtung – übernimmt. Das Telli-Center besteht seit 45 Jahren. Es besteht baulicher Handlungsbedarf.

Coop will eine gute Atmosphäre bieten und entsprechende Massnahmen ergreifen. Natürlich muss man sich immer wieder an den Markt anpassen. Und die Öffnungszeiten werden immer wieder ein Thema sein. Aber im Moment wird sich nichts ändern.