Der Tisch, an dem die vierköpfige Familie Barthel isst, hat grad noch knapp Platz. Im Übrigen aber machen sich in der Stube elf Steeldrums breit. Natürlich, Cornelia Barthel ist vom Calypso-Virus infiziert, doch elf Instrumente braucht sie deswegen nicht. Nein, sie sind für die Band bestimmt, welche die Auensteinerin mit Menschen mit Handicap gründen will.

Die Idee dazu hatte sie im Mai dieses Jahres, als die Steelband «?extrem normal – normal extrem!» sie in ihren Bann zog. Dies ist die schweizweit einzige Steelband für Menschen mit Behinderung. «Dass das so ist, fand ich sehr schade», sagt Cornelia Barthel. Der Gedanke, selber eine zweite Steelband für handicapierte Menschen zu gründen, liess sie nicht mehr los.

Mitgliedersuche war schwierig

Die Idee in die Tat umzusetzen, erwies sich als schwierig. Doch schliesslich fand sie grosszügige Sponsoren, unter ihnen der Kanton, zückten das Portemonnaie. Die Wettinger Steelband «Fassbodechlopfer» erneuerte ihr Instrumentarium und gab die alten Instrumente zu einem akzeptablen Preis ab, Schlagzeuglehrer Peter Bryner ist bereit, seinen Proberaum an der Mühlemattstrasse in Aarau zur Verfügung zustellen. Was jedoch bislang fehlt, sind die Musiker. Cornelia Barthel rührte zwar die Werbetrommel, doch sie erreichte die Ohren potenzieller Bandmitglieder (noch) nicht.

Cornelia Barthel spielt Klavier, hat als begeisterte Stepptänzerin den Rhythmus im Blut und übt nun unter Anleitung von Matthias G. Kauer, der die Steelband-Szene der Schweiz prägt, Rhythmen und Melodien aus Trinidad. Sie wolle die Band selber leiten, erklärt sie. Dieter Flury aus Egliswil unterstützt sie dabei.

Wenn sich denn bald Menschen mit Handicap für die Idee begeistern lassen, will sie mit den Proben beginnen. «Bis 20 Leute könnte ich aufnehmen, die dann in zwei Gruppen hintereinander üben würden», sagt sie.

Projekt der Stiftung Rainbow Events

Aus dem Nichts ist die Idee, Menschen mit Behinderung eine Freizeitmöglichkeit zu schaffen, nicht entstanden. Das Projekt ist eingebettet in die Aktivitäten der «Rainbow Events Schweiz», einer Stiftung, die Cornelia Barthel zusammen mit ihrem Mann Ralf Barthel und einem Freund, Stefan Gebauer, vor zwei Jahren ins Leben gerufen hat. «Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen mit Behinderung Gelegenheit bekommen, sich kulturell auszudrücken», zitiert Barthel den Stiftungszweck.

Cornelia Barthel, Ingenieurin für Biotechnologie, hatte ihre Ambitionen als Wissenschafterin abgebrochen, als sie eine Familie gründete. Die beiden Töchter sind 10 und 12 Jahre alt. «Wenn es denn nicht die Wissenschaft sein sollte, was sonst?», habe sie sich gefragt. Und so setzte sich in ihrem Kopf die Gründung der Stiftung fest.

Ballons sind die Geldquelle

Mit 2000 Franken startete die Stiftung. Zu wenig. Und die Suche nach Sponsoren erwies sich als schwierig. Das finanzielle Fundament sollte deshalb mit dem Verkauf eigener Produkte gelegt werden. Doch die Keramikvogelpfeifen aus Peru waren nicht der Renner. Erst die mit Helium zu bunten Tieren und lustigen Figuren aufgeblasenen Folienballons erwiesen sich als einigermassen ergiebige Geldquelle, zumal Ikea der Stiftung in fünf ihrer Filialen gratis Standmöglichkeiten zur Verfügung stellt. Diverse Organisationen und Projekte sind in den vergangenen zwei Jahren von Rainbow Events unterstützt worden, «Pfadi trotz allem», einige Ableger von Insieme oder Kinderheime.

Und wie steht es mit Ferien in Trinidad, um das absolute Calypso-Feeling zu erspüren? Cornelia Bartel winkt ab: «Karl May war auch nie im Wilden Westen.»

Informationen für Interessierte: Cornelia Barthel, 0628973609, c. barthel@rainbow-events.ch, www.rainbow-events.ch