Aarau

Sicherungsarbeiten verzögern den Abbruch des Kettenbrücke-Mitteltrakts

Eigentlich hätten die Bagger im Dezember auffahren sollen, doch der Mitteltrakt der Liegenschaft Kettenbrücke in Aarau steht noch immer. Vor den Abbrucharbeiten müssen die zu erhaltenden Bauten zusätzlich stabilisiert werden.

In einer Pfütze liegt ein letztes rosafarbenes Garderobenkärtchen. Der Glanz der letzten Partynacht schimmert knapp durch den staubigen Abdruck einer Schuhsohle.

Der Holzboden, auf den die Partygäste vor ein paar Monaten noch eine flotte Sohle legten, ist weiss vor Staub und Dreck. Und wo das Regenwasser durch die Einschnitte im Dach tropft, haben sich glitschige Flächen gebildet.

Der Blick in die Baustelle Kettenbrücke ist ein exklusiver, aber trostloser. In den letzten Wochen haben Arbeiter im Zuge der Altlastensanierung die belasteten Bereiche herausgerissen und abgeschlagen, das Material nach Art und Entsorgungsweise sortiert, das Dach des Mitteltraktes abgedeckt und durch Schnitte von den Kopfbauten gelöst.

Diese laut Denkmalschutz erhaltenswerten - nicht aber denkmalgeschützten - Bauten bleiben stehen, während der Zwischentrakt mitsamt Tanzsaal und Lagerräumen bis hinunter auf das Niveau der Parkplätze der Mühlemattstrasse abgerissen wird.

Sicherungsarbeiten verzögern Plan

Eigentlich hätten die Abbrucharbeiten nach Zeitplan im Dezember beginnen sollen. Weil aber umfassendere Sicherungsarbeiten nötig wurden, haben sich die Arbeiten verzögert.

Ein Problem ist hauptsächlich der Kopfbau Süd, der zur Altstadt hin liegt. Dieser ist mit dem Zwischentrakt statisch verbunden. «Deshalb müssen wir die Kopfbaute vor dem Abbruch mit zusätzlichen Stahlprofilen sichern», sagt Architektin Katharina Galuska von Frei Architekten in Aarau.

Diese Sicherungsarbeiten sind anspruchsvoll, zumal der Bau durch lokale Absenkungen im Untergrund und starke Rissbildung grundsätzlich schon instabiler ist.

Zusätzlich zu den Stahlprofilen werden Teilbereiche der Kopfbaute Süd inwendig mit Beton verstärkt und die östlichen Fensteröffnungen wieder zugemauert, um die Stabilität während der Abbruchphase zu verbessern. Galuska schätzt, dass die Abbrucharbeiten noch bis Anfang März dauern werden.

Gebäude mit 100 Pfählen stützen

Die Kopfbauten werden komplett ausgehöhlt, die Holzböden durch Betonböden ersetzt, das Dach abgebaut und wieder mit der grösstenteils ursprünglichen Substanz erstellt. Durch die neuen Betondecken wird das Gebäude schwerer und muss durch rund hundert Pfähle abgestützt werden.

«Bisher war das Gebäude auf deutlich geringere Belastung ausgelegt, als dies künftig der Fall sein wird», sagt Galuska. Die Pfähle werden in den Boden bis auf felsigen Untergrund gebohrt und mit Beton ausgespritzt.

Als weiterer erschwerender Faktor kam die Fernwärmebaustelle an der Mühlemattstrasse dazu. Rein verkehrstechnisch war es nur schwer möglich, beide Arbeiten aneinander vorbei zu bringen. «Das hat uns im Zeitplan ein bisschen zurückgeworfen», sagt Galuska.

Trotzdem hofft sie, dass im Frühling mit den Bauarbeiten für den Rohbau des Vierstern-Hotels begonnen werden kann. Die Eröffnung ist im Herbst 2015 geplant.

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