Kein Kaffee, kein Brot, kein Salat, kein Fleisch, kein Alkohol, keine Zigaretten – nur literweise dünne Gemüsebrühe, Fruchtsaft und Wasser, ab und zu einen Zitronenschnitz aussaugen. Und das sieben Tage lang. Das ist Fasten. Ein Frühlingsputz des Körpers, ein Reinigen von Körper und Geist.

«Ich möchte mich gerade kopfüber in ein frisches Brot bohren», sagt Yvonne Zeller und lacht. Sie ist eine von zwölf Teilnehmern der Fastengruppe der Pfarrei Peter und Paul. Drei von ihnen haben sich bereit erklärt, über das Fasten, die Beweggründe, die Auswirkungen und die grössten Gelüste zu reden.

Gelüste, wie das unglaubliche Verlangen nach etwas Simplem wie Brot. «Oder nach einem Milchkaffee», sagt Zeller und die anderen beiden nicken. Frank Krause sagt, er denke seit einem Spaziergang ständig an eine Servela, obwohl er die eigentlich nicht einmal gern hat.

Mit Verzicht sich etwas Gutes tun

Obwohl Fasten in erster Linie Verzicht ist, stellen die drei von Beginn weg klar, dass sie sich das Fasten nicht etwa antun, sondern sich damit etwas Gutes tun. «Antun ist falsch. Es ist kein Nahrungsentzug, sondern ein Verzicht.

Fasten hat eine eigene Qualität, die nur entdeckt werden kann, wenn man es ausprobiert und gute Erlebnisse macht», sagt die Dritte im Bunde. Sie möchte nicht namentlich genannt werden, will vermeiden, dass jedermann davon weiss und sie darauf anspricht. Nennen wir sie deshalb Verena.

Sie ist eine alte Fasten-Häsin, macht das schon zum siebten Mal. Sie fastet noch bewusster, arbeitet in dieser Woche nicht und nimmt sich Zeit für sicht. «Die Psyche faltet sich in dieser Zeit nach innen, es passieren Sachen, für die sonst keine Zeit wäre», sagt sie. Fehlt ihr nichts? Verena lacht. «Das ist, als ob man jemanden im Sommer fragen würde, ob ihm das Skifahren nicht fehle.» Essen gehöre in dieser Zeit halt einfach nicht dazu.

Ein anderes Beispiel

Frank Krause geht es da etwas anders. Er bezeichnet sich selber als Genussmenschen, isst gerne, trinkt gerne, raucht nach Feierabend. Die Fastenzeit bezeichnet er als Geschenk für seinen Körper. Und es sei noch nicht einmal in erster Linie das Essen, sondern das Kochen, das ihm fehle, das Einkaufen, das stundenlange in der Küche stehen. «Jetzt kaufe ich halt Tee und Schuhcrème und koche Gemüsebrühe, Ingwer und Süssholz.» Umso mehr freue er sich auf die Zeit danach.

Ist die Versuchung auch noch so gross – aufgeben kommt für alle drei überhaupt nicht infrage. «Man ist danach unglaublich stolz auf sich, fühlt sich körperlich und geistig gereinigt», sagt Verena. Und nicht nur das; die Augen seien wieder weisser, die Haut schöner und der Bauch flacher. «Mich selber so kontrollieren zu können, gibt mir ein erhabenes Gefühl», sagt Yvonne Zeller. Und wird es mal kritisch, gibt die Fastengruppe Sicherheit, das Gemeinsame Auftrieb.

Am Samstag ist Fastenbrechen. Dann gibt es für alle in der Gruppe gekochte Apfelschnitze. Frank Krause freut sich: «Dieser Apfelschnitz wird eine Delikatesse sein.»