Aarau
Sexismus am Bachfischet? Studentenverbindung wehrt sich gegen Vorwürfe

Schon über 200 Personen fordern eine Verbannung der Farben tragenden Studenten. Diese wehren sich gegen die Sexismus-Vorwürfe.

Urs Helbling
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Impressionen vom Aarauer Bachfischet 2017
16 Bilder
Die Feuer speienden Pfader der Abteilung St. Georg
Originelle Bachfischet-Technologie 2017: grasgrün-grelle Insekten
Sorgfältig verzierte Laternen verdienten ein genaueres Hinsehen.
Der Tatzelwurm wälzt sich durch die Rathausgasse.
Impressionen vom Aarauer Bachfischet 2017
Impressionen vom Aarauer Bachfischet 2017
Impressionen vom Aarauer Bachfischet 2017
Impressionen vom Aarauer Bachfischet 2017
Impressionen vom Aarauer Bachfischet 2017
Impressionen vom Aarauer Bachfischet 2017
Impressionen vom Aarauer Bachfischet 2017
Impressionen vom Aarauer Bachfischet 2017
Impressionen vom Aarauer Bachfischet 2017
Impressionen vom Aarauer Bachfischet 2017
Impressionen vom Aarauer Bachfischet 2017

Impressionen vom Aarauer Bachfischet 2017

Severin Bigler

Am letzten Freitag fand in Aarau der Bachfischet statt. Mit dabei: die Studentenverbindungen, unter anderem die Commercia Aarau. Dank der Kreativität der Schüler beim Lampenbasteln und dem angenehmen Wetter war der Traditionsanlass ein schönes Fest.

Trotzdem hat er ein Nachspiel. In den Sozialen Medien wird der Auftritt der Farben tragenden Studenten kritisiert. Und auf Petitio.ch hat Anaïs Keller eine Petition lanciert, die bisher sehr erfolgreich war. Das Quorum von 200 Unterstützern wurde innerhalb von fünf Tagen erreicht. Bis gestern Abend schlossen sich 211 Personen dem Anliegen an.

«Frauen verachtet»

Unter dem Titel «Gegen Sexismus am Maienzug und Bachfischet» schreibt die Initiantin: «Schon immer hat es mich gestört, wenn die sogenannten Studentenverbindungen an den schönen, traditionellen Kinderfesten mitdefiliert sind, weil sie einfach nicht ins Bild passen. Es ist unverständlich, dass diese alte Tradition der Verbindungen in Aarau immer noch Unterstützung findet, da sie auf offensichtliche Weise höchstsexistisch agieren und zum Beispiel Frauen und Mädchen als ‹Bäse› oder Besen bezeichnen. Das darf nicht mehr toleriert werden in der heutigen Zeit. Am Bachfischet haben sie überlaut ‹de Bach esch do, de Bach esch do, sind alle meine Fotzen do› gesungen und direkt dahinter waren kleine Kinder. Das darf nicht sein, dass diese Studentenverbindungen unseren Kindern zeigen, dass es normal ist, Frauen auf diese Weise zu verachten an einem traditionellen Stadtfest und sich niemand dagegen wehrt.» Die Petitionärin fordert: «Die Studentenverbindungen sollten ein Verbot für den Maienzug- und Bachfischet-Umzug bekommen.»

«Erklärbar Sinnestäuschung»

Damit sind die Verbindungen gar nicht einverstanden. Sie glauben eh, die Petitionärin habe sich verhört. Für die direkt betroffenen Commercia Aarau nimmt Beat Krättli, der Präsident des Altherrenverbandes, Stellung. Er erklärt: «‹De Bach esch do, de Bach esch do, sind mini Fuxe alli do?›, skandiert der Cantusmagister, oder im aktuellen Fall der Vorsprecher während dem Cortège am Bachfischet in Anlehnung an den beliebten Schülervers. Die Corona, die restlichen Farbentragenden, quittieren den Aufruf mit den Worten: ‹jo-jo-jo!› – dann wechselt der Appell des Vorsprechers von den ‹Fuxen› zu den ‹Burschen›. Dieser harmlose Vers wurde von den Aktiv-Mitgliedern der Commercia Aarau am Bachfischet gerufen. Nicht mehr und nicht weniger. Für die traditionsbewussten Aarauerinnen und Aarauer absolut nichts Ungewöhnliches, geschweige denn Sexistisches.»

Als «Fuxen» (Füchse) werden laut Krättli in Studentenverbindungen die Neumitglieder bezeichnet, bevor sie nach zwei bis drei Semestern in den Burschenstand erhoben werden: «Unter Berücksichtigung der lokalen Dialekteinflüsse (‹Fuxe› wird hierzulande umgangssprachlich ‹Fogs› ausgesprochen), wird schnell klar, dass es sich um eine erklärbare Sinnestäuschung und nicht um einen Sexismus-Skandal handelt. Was die Petitionärin Anaïs Keller gehört haben will, hat mit der Realität somit nicht den geringsten Bezug.»

«Unhaltbarer Vorwurf»

Umso bedauerlicher sei es, dass Anaïs Keller auch nach erfolgter Klärung durch Beat Krättli an ihren Vorwürfen festgehalten und damit die Polemik auf den sozialen Medien beflügelt habe. «Und was der unhaltbare Vorwurf der Fäkalsprache mit dem Maienzug, dem schönsten Tag aller Aarauer Farbentragenden zu tun haben soll, bleibt ebenfalls verborgen», meint Krättli. «Vielleicht missfallen der Petitionärin Studentenverbindungen ganz allgemein.» Das sei ihr gutes Recht. «Aber bitte nicht mit konstruierten, absurden und letztlich ehrverletzenden Vorwürfen», so der Commercia-Vertreter.