Olten/Dulliken
Serbe bestreitet Beteiligung am Dulliker Mord

1993 sorgte ein brutales Verbrechen für Aufsehen. Viele Jahre blieben die Ermittlungen erfolglos. Jetzt steht einer der Verdächtigen vor Gericht.

Adriana Gubler
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Prozess Mordfall Dulliken Demir H.

Prozess Mordfall Dulliken Demir H.

Tele M1

«Nichts davon stimmt.» Die Antwort des Mannes im schwarzen Anzug, der gestern mit Fussfesseln auf der Anklagebank des Amtsgerichts Olten-Gösgen Platz nehmen musste, kam prompt, als Präsidentin Barbara Hunkeler ihn mit den Mordvorwürfen konfrontierte. Ihm wird die Mittäterschaft an der äusserst brutalen Tötung eines 80-jährigen Rentners 1993 in Dulliken vorgeworfen.

Das skrupellose Verbrechen hatte damals für grosses Aufsehen gesorgt. Trotz aller Bemühungen blieben die Ermittlungen erfolglos. 2008 wurden sie wieder aufgenommen. Die Auswertung von DNA-Spuren hätte zur Fortsetzung geführt, erklärte die Staatsanwaltschaft vor dem Prozess. Im November 2012 wurde der jetzt Angeklagte inhaftiert, zusammen mit einem 62-jährigen Landsmann, gegen den das Verfahren noch läuft.

Keine 50 000 Franken im Versteck

Vor Gericht erzählte der im Aargau wohnhafte Angeklagte seine Version der Tat: Er habe von einem Landsmann den Tipp bekommen, dass sich in der Küche der Wohnung an der Aegertenstrasse 1 in Dulliken 50 000 Franken befinden sollen. Gemeinsam mit dem Neffen des Tippgebers stieg der Angeklagte in der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August 1993 in besagte Wohnung ein. Als sie bemerkten, dass der Rentner aufgewacht war, eilte der Begleiter ins Schlafzimmer, um den Mann ruhigzustellen.

Der Angeklagte fand zwar das vermeintliche Versteck, darin war aber kein Geld. Dann habe er das Schlafzimmer aufgesucht, um seinen Begleiter zum Gehen aufzufordern.

Er sei von diesem, wohl versehentlich, niedergeschlagen worden. «Ich bin aufs Bett gefallen. Etwa 15 Sekunden blieb ich liegen, danach bin ich sofort aus der Wohnung gerannt.» Einen Augenblick später sei ihm sein Begleiter gefolgt. «Ich war geschockt», sagte der Angeklagte. «Ich bin überzeugt, dass nach uns noch eine andere Person in der Wohnung gewesen sein muss, die den Mann umgebracht hat. In der kurzen Zeit, in der wir in der Wohnung waren, kann man einen Mann gar nicht auf diese Weise, wie es in der Anklageschrift steht, umgebracht haben.»

Der Mann wurde schwer misshandelt und erstickt. Die Schilderungen des Rechtsmediziners vor dem Amtsgericht bestätigten den äusserst brutalen Tathergang. Der Angeklagte schien davon unberührt. Erst als über Videozuschaltung zwei verdeckte Ermittler befragt wurden, wirkte er zusehends nervös.

Dem einen der beiden Ermittler hatte er sich anvertraut. «Nachdem er zuerst lange herumgedruckst hatte, erzählte er mir von einer alten Geschichte, einem Raubüberfall. Immer wieder sagte er, dass er grosse Scheisse gebaut habe», berichtete der Ermittler.

Der Prozess wird heute Dienstag fortgeführt. Nach einer weiteren Zeugeneinvernahme stehen die Plädoyers an. Der Verteidiger wird dabei nach eigenen Angaben einen Freispruch für seinen Mandanten fordern. Das Amtsgericht Olten-Gösgen wird sein Urteil voraussichtlich Anfang kommender Woche verkünden.

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