Aarau
Seniorin verstirbt – und Pflegeheim darf Taxe noch fünf Wochen lang verrechnen

Wenn in einem der beiden Aarauer Altersheime Golatti und Herosé ein Senior stirbt, darf ihm die Stadt noch fünf Wochen lang die Hotellerie-Taxe verrechnen. In umliegenden Gemeinden sind zwei Wochen üblich. Jetzt will Aarau diese Frist verkürzen.

Pascal Meier
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Nach einem Todesfall verrechnen Altersheime die Hotellerie-Taxe weiterhin. In den Heimen der Stadt Aarau ist dies fünf Wochen lang möglich.

Nach einem Todesfall verrechnen Altersheime die Hotellerie-Taxe weiterhin. In den Heimen der Stadt Aarau ist dies fünf Wochen lang möglich.

Schweiz am Sonntag

Sterben ist teuer. Das wusste Felix von Däniken aus Hildisrieden LU, als seine Mutter am 22. Oktober 2013 nach 14 Jahren im Aarauer Alters- und Pflegeheim Herosé verstarb. Die Rechnung, die Mitte Dezember im Briefkasten landete, verschlug ihm aber die Sprache. Das städtische Altersheim forderte rund 2000 Franken für die Hotellerie-Taxe vom 1. bis 20. November.

«Ich verstehe, dass wir das Zimmer nach dem Tod meiner Mutter noch einige Zeit bezahlen müssen», sagt Felix von Däniken. «Vier Wochen sind aber völlig überrissen.» Er habe erwartet, dass nach der Rechnung für den ganzen Oktober nur noch wenige Tage im November verrechnet würden. Doch es kam anders. «Das ist eine Abzockerei der Hinterbliebenen», so von Däniken – auch wenn die Hotellerie-Taxe von 105 Franken nach dem Tod seiner Mutter um 20 Franken reduziert wurde.

Üblich sind zwei Wochen

Ein Blick in die Statuten der beiden städtischen Altersheime Herosé und Golatti zeigt: Nach einem Todesfall können die Hotellerie-Kosten abzüglich 20 Franken noch maximal fünf Wochen lang verrechnet werden. Im Vergleich zu anderen Alters- und Pflegeheimen in der Region ist diese Frist lange. Üblich sind zwei Wochen, so etwa im Alterszentrum Suhrhard in Buchs (15 Tage), im Alterszentrum Mühlefeld in Erlinsbach SO oder im Küttiger Seniorenzentrum Wasserflue (beide 14 Tage).

Die über doppelt so lange Frist in den Aarauer Altersheimen sei deshalb fragwürdig, kritisiert Felix von Däniken. «Es gibt so überhaupt keinen Anreiz, die Zimmer schnell neu zu vermieten. Und der Verdacht einer Doppelbelegung liegt nahe.»

Zimmer werden nicht doppelt verrechnet

Bei der städtischen Abteilung Alter weist man das zurück. «Wir verrechnen kein Zimmer doppelt», stellt Leiter Markus Fontana klar. «Fünf Wochen sind eine Maximaldauer. Wenn ein Zimmer früher belegt wird, endet der Vertrag.» Diese Regelung sei transparent und werde Bewohnern und Angehörigen beim Eintritt mitgeteilt. Markus Fontana hält weiter fest: «Wir erheben dafür keine Eintritts- und Austrittspauschalen.»

In anderen Häusern sind solche Pauschalen üblich. Im Buchser Alterszentrum etwa beträgt die Todesfallpauschale 450 Franken. Im Alterszentrum Mühlefeld Erlinsbach ist eine Austrittspauschale von 200 Franken sowie eine Todesfall-Pauschale von 500 Franken fällig.

Und dennoch: Markus Fontana ist bewusst, dass fünf Wochen zu lange sind. «Unsere Taxordnung aus dem Jahr 1999 ist nicht mehr zeitgemäss und wird derzeit überarbeitet. Dabei soll die Frist für die Verrechnung der Hotellerie-Taxe nach dem Tod verkürzt werden.

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