Aarau
Selfmade-Instrumente: Ein Sieg für die instrumentale Steinzeit

Ein Schwyzerörgeli ist unter 3000 Franken kaum zu haben. Billiger sind selber gebastelte Instrumente. Den Wettbewerb dazu, «Hausgemachte Volksmusik», gewannen die «Steichlopfer».

Ueli Wild
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Die «Steichlopfer» hatten beim urteilenden Publikum durchschlagenden Erfolg.

Die «Steichlopfer» hatten beim urteilenden Publikum durchschlagenden Erfolg.

Ueli Wild

Steine, Hölzer, Blechdosen – beim Wettbewerb «Hausgemachte Volksmusik» dominierten die Schlaginstrumente. Das Gartenschlauch-Orchester und das Dachrinnen-Alphorn-Trio bildeten beim von fünf Formationen bestrittenen Finale gestern Abend im Zelt am Graben die Bläserfraktion.

«Musikinstrument basteln, musizieren und filmen» – so einfach klang die Aufgabe in der Ausschreibung. Die Organisatoren rechneten offensichtlich mit einer Videoschwemme: Die besten zehn Gruppen, planten sie, sollten am Finale teilnehmen. Fünf sollten per Publikumsvoting auf der Musikfest-Plattform erkoren und weitere fünf von der Jury ausgewählt werden.

Nur: Es gingen bloss sieben Beiträge ein. Beim genaueren Hinsehen zeigte sich erst noch, dass die beiden Trios «Dosenfutter» und «Holzklang im Keller» vollends und die beiden Bläserformationen um Peter Roschi zumindest teilweise miteinander identisch waren.

Sieger wurden freilich die «Steichlopfer» der vierten Klasse Uerkheim, die schon beim Online-Voting am meisten Verwandte und Bekannte hatten mobilisieren können. Den Ausschlag gaben beim Finale die Dezibel beim jeweiligen Applaus.

Die 13 kleinen «Steichlopfer» hatten eigentlich gar keine Instrumente gebastelt, sondern führten, mit je einem Stein ausgerüstet, eine perkussive Performance auf. Instrumentaler Minimalismus aus der Steinzeit? Der Applaus fiel gehörschädigend aus.

Und beim Hinausgehen sagte eine Frau: «Die hätten irgendwas machen können und hätten gewonnen.» Ausgeschrieben gewesen war der Wettbewerb ursprünglich für «Personen mit Wohnsitz in der Schweiz, welche älter als 18 Jahre sind.»

Für alle Finalisten gibt es eine Entschädigung von 50 Franken pro Gruppe plus 50 Franken pro Kopf – im Maximum 500 Franken. Die drei erstplatzierten Gruppen erhalten zudem eine Prämie von 1000, 500 respektive 300 Franken. Zweite wurden die Schlagwerker von «Holzklang im Keller», im dritten Rang folgte die Turmbläser-Dépendance «Gartenschlauch-Orchester».