Aarau

Seldwylerei: Vor der Keba parkieren jetzt neun Felsbrocken

Parkplatz-Knatsch bei Kunsteisbahn im Brügglifeld nimmt kein Ende

Parkplatz-Knatsch bei Kunsteisbahn im Brügglifeld nimmt kein Ende

Das sogenannte Keba-Debakel geht in die nächste Runde. Ein besonders findiger Anwohner bemerkte, dass es zu viele Parkplätze auf dem Keba-Areal hat. Die Konsequenz: Nun stehen Zentner schwere Steinbrocken auf den überschüssigen Plätzen. Ob es noch eine Lösung zwischen der Keba und den Anwohnern gibt?

Unter der neuesten Entwicklung des Bewilligungsstreits leiden auch FCA-Fans, die das Stadion Brügglifeld besuchen.

Sie wurden letzte Woche platziert: die neun Granitbrocken. Für sie gilt keine Parkzeitbeschränkung (für Automobilisten sonst tagsüber drei Stunden). Und sie haben den Platz bis auf weiteres auf sicher.

Denn ihre Funktion besteht darin, Parkplätze, die es seit Jahrzehnten gab, aus dem Verkehr zu ziehen. Weil auch da, wie an so vielen Orten in und um die Kunsteisbahn Aarau (Keba), die Realität nicht mit dem übereinstimmte, was bewilligt worden ist.

Das hat ein Anwohner herausgefunden. Ein Anwohner, der sich mit der Keba wegen der Lüftung gestritten, aber vor Gericht verloren hat.

Die Neukonzeption des Parkplatzes nicht zu Ende geführt

Wie immer im Dauerstreit um die für 20,7 Millionen Franken totalsanierte Keba ist die Sache komplex. Und wie meistens hat sie mit dem eigentlichen Eislauf (Halle seit Sonntag, Aussenfeld ab 27. Oktober offen) eigentlich nichts zu tun – auch wenn viele Schlittschuhläufer und Hockeyspieler mit dem Auto kommen.

Die Fahrzeuge werden dabei auf dem Parkplatz abgestellt, den es so schon seit Jahrzehnten gibt. Der der aber im Rahmen der Totalsanierung auch leicht umgestaltet worden ist. Die Anpassungen wurden aber nie zu Ende geführt, was jetzt – drei Jahre nach der Wiedereröffnung – die aktuelle Seldwylerei ermöglichte.

Der Parkplatz befindet sich im Eigentum der Stadt Aarau. Er liegt wie die ganze Keba auf Gemeindegebiet von Suhr. Darum ist der Suhrer Gemeinderat für Bewilligungen zuständig. Wie viele Plätze er ursprünglich hatte, ist schwer zu rekonstruieren.

In der Einwohnerratsbotschaft aus dem Jahr 2011 ist von 170 die Rede. Der Gemeinderat Suhr hat schon 2010 ein Baugesuch mit 145 Plätzen bewilligt. 2013 gab es ein neues Baugesuch. Die Ein- und Ausfahrt wurde auf die Nordwestecke (vom Brügglifeldweg her) konzentriert.

Alle seit Jahrzehnten bestehenden Durchgänge zum Weiherweg (führt auf der Westseite entlang des Brügglifeld-Stadions) wurden geschlossen. Es war die Rede davon, den Platz nicht nur mit Parkscheiben, sondern allenfalls mittels einer Schrankenanlage zu bewirtschaften. Und er sollte neu geteert werden.

Viele reservierte Parkplätze für Personal und Strom-Autos

Die Neugestaltung ist – aus was für Gründen auch immer – auf halbem Weg stecken geblieben. Und das ist jetzt einem Anwohner, der sich schon länger über das nicht immer lupenreine Bewilligungsgebaren der Keba nervte, aufgefallen – auch weil im neuen Lärmgutachten die korrekte Zahl 145 steht. Der Anwohner hat die Plätze, so heisst es im Keba-Umfeld, auf einem Drohnenfoto gezählt.

Die Keba-Betreiber hatten schon vorher Parklatzsorgen. Sie mussten dem Personal verbieten, seine Fahrzeuge auf dem ehemaligen Aussenfeld abzustellen. Darum hat es seit einiger Zeit auf dem Platz gelb markierte «Personal Keba»-Plätze (aktuell acht).

Zudem vier ebenfalls gelbe Behinderten-Parkplätze. Einige reservierte Plätze (fünf) gibt es zudem für die Curler. Und neuerdings hat es vier grüne Plätze mit Ladestationen für Stromautos.

Die frei verfügbaren Plätze sind also gegenüber der Vergangenheit bereits stark reduziert. Aber das Total entsprach nicht den effektiv bewilligten 145. Darum mussten jetzt neun Plätze mittels Steinen blockiert werden.

Diese Plätze können ab sofort auch nicht mehr von den Fussballfans benutzt werden, die auf dem Brügglifeld einen Match besuchen. Es wird also zu einer zusätzlichen Belastung in den Quartierstrassen kommen.

Keba kämpft zudem mit finanziellen Problemen

Der Parkplatzärger wurde praktisch zeitgleich mit den finanziellen Sorgen der Betreibergesellschaft «Keba Region Aarau AG» bekannt (AZ vom Samstag). Sie ist ein finanzieller Sanierungsfall und wegen des strukturellen Defizits auf höhere Gemeindebeiträge angewiesen.

Schlimmer noch: Es ist Nothilfe nötig. Die Rede ist von «kurzfristigen Massnahmen zur Sicherstellung der Liquidität». Ende Oktober will der Verwaltungsrat über weitere Schritte beraten.

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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