Buchs

Selbst Beni Thurnheer macht mit bei «Rollator online»

Traude (Claudia von Felten) ist mit Rollator samt Hupe und GPS unterwegs.

Traude (Claudia von Felten) ist mit Rollator samt Hupe und GPS unterwegs.

«Theatervirus» Buchs zeigt eine Uraufführung, die in einem Altersheim spielt – eine witzige und berührende Komödie mit kriminalistischer Wendung.

«Für uns ist es eine Ehre, das Stück unseres Regisseurs Peter Locher als erste Theatergruppe aufführen zu dürfen», sagt deren Präsident Toni Niedermann. Zumal der erfahrene Autor während des Schreibens «immer wieder Spielerinnen und Spieler des Theatervirus Buchs» vor Augen hatte.

Auf die Bühne kommen eher beiläufig die bekannten Themen wie Stress fürs Personal wegen Zeitnot und Personalmangel. Die alten Menschen sind nicht pflegebedürftige, auch nicht an Demenz leidende, sondern Leute mit Interessen. Das Internet weckt sie aus drohender Lethargie, wenn sie, auf der Suche nach der Enkelin einer vereinsamten Mitbewohnerin, eine «digitale Schnitzeljagd» veranstalten. «Ihr blüht ja richtig auf!», staunt die Pflegefachfrau (Katja Stocker).

Mit einem Zeitungsartikel fing alles an

Ein Zeitungsartikel mit dem Titel «Facebook hält in Altersheimen Einzug» war die Initialzündung für Peter Locher. Es folgten Recherchen, Gespräche, und «nach und nach formten sich ein dramaturgischer Aufbau, Charaktere und mögliche Beziehungen». Er schrieb Biografien der Personen, erste Dialoge, baute aus, verwarf.

Entstanden ist ein witziges Stück in drei Akten mit unterschiedlichen Charakteren. Da ist der zwielichtige, unbeliebte Heimleiter (Thomas Fricker), der seine Fische hätschelt, einen teuren Wagen fährt und sich nicht duzen lässt. Und ein Bewohner (Toni Niedermann) hat ein Auge auf die neue Bewohnerin (Eveline Gerber) geworfen. Traude (Claudia von Felten) ihrerseits ist eine freiheitsliebende Person mit Rollator samt Hupe und GPS. Sie legt sich ab und zu mit der Polizei (Marianne Saputo) an, so, wenn sie im Laden Bananen schält, weil sie die Verpackung nicht braucht.

Peter Locher lässt Typen auftreten: die herzliche Pflegefachfrau, den Leiter des Hausdienstes (Renato Stocker), der Zaubertricks zeigt, oder die Heimbewohnerin mit Internet-Affinität (Sonja Moeri), der technische Kopf der «Internet-Panther». Eine leicht überdrehte Feng-Shui-Beraterin (Sonja Vogel) schliesslich redet bei der Gestaltung der Lounge mit, derweil der Enkel des Panther-Kopfs (Simon Fricker) mit steigender Lust sein Wissen einbringt.

Noch bleibt Zeit für die Feinjustierung. Auf welche Seite ist der Abgang? Wo steht das Aquarium? Frisuren, Perücken, Haarreif? Peter Locher kommt an der Probe ins Element. «Anschlüsse, Anschlüsse, Anschlüsse», sagt er. Im Zweifelsfall zu früh auftreten. «Ihr könnt nur zu spät kommen», sagt er und ermutigt sein Ensemble.

Eine kleine Rolle hat auch Beni Thurnheer. «Er hat seine Stimme zur Verfügung gestellt für ein Telefonat mit einer Bewohnerin», sagt Peter Locher. Es war deren Traum. Aufgenommen wurde die Stimme von Peter Locher in Winterthur.

Premiere am 30. August

Fast beiläufig scheinen Lebensgeschichten auf. Wortwitz lässt lachen. Rhythmisierung, «damit auch Pausen zum Tragen kommen»: Das gehört zur Feinstjustierung, damit der «Rollator online» mit seiner überraschenden (aber plausiblen) Schlusskurve an der Premiere vom 30. August in der Alten Turnhalle Buchs ganz analog einfährt.

Weitere Aufführungen: 31. August, 1., 7. und 8. September. Tickets auf www.theatervirus-buchs.ch oder bei Computer Repair oder telefonisch unter 062 822 85 77, Mo. und Do. 19 bis 20 Uhr.

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