Aarau

Sektennaher Händler am veganen Food-Festival

Am 25. Juni findet die erste Veganmania statt. Am Food-Festival in Aarau nimmt auch ein umstrittener Aussteller teil. (Symbolbild)

Am 25. Juni findet die erste Veganmania statt. Am Food-Festival in Aarau nimmt auch ein umstrittener Aussteller teil. (Symbolbild)

Am 25. Juni geht in Aarau zum ersten Mal das vegane Food-Festival über die Bühne. An der sogenannten Veganmania nimmt auch ein umstrittener Händler teil. Denn dieser gilt als verlängerter Arm der totalitären Sekte «Universelles Leben».

Die Veganmania wird einen Tag lang das kulinarische Angebot in Aarau bereichern. Zahlreiche Stände mit Essen, veganen Produkten und fair produzierten Kleidern erfreuen am 25. Juni die Besucher. Allerdings: In Winterthur, wo die «Veganmania» die letzten vier Jahre stattfand, gab es 2015 von verschiedenen Seiten Kritik wegen zwei der damals 60 Aussteller:

Der Verein gegen Tierfabriken (VgT) sowie der «Bliib gsund»-Versand. Dieses Jahr ist der VgT an der Veganmania nicht präsent. In Aarau vor Ort sein wird aber «Bliib gsund».

Der Versandhandel bietet auch am «Biomarché» in Zofingen kommendes Wochenende seine Apfelchips, Pestos, vegane Aufstriche, Streuwürzen, Süssgebäck, Früchte- und Sauerteigbrote feil. Was die Kunden nicht wissen: Hinter «Bliib gsund» steckt das deutsche Mutterhaus «Lebe gesund» – und dieses gilt als der verlängerte Arm der totalitären Sekte «Universelles Leben» (UL), die an einem «Urchristenstaat» arbeitet.

Sich vor dem Weltuntergang retten

Gründerin und geistiges Oberhaupt ist Gabriele Wittek, die sich selbst als «grösste Prophetin seit Jesus von Nazareth» bezeichnet. Im Prinzip geht es bei UL darum, dass sich nur jene vor dem Weltuntergang retten können, die der Sektenlehre uneingeschränkt folgen.

Der «Lebe gesund»-Versand und der Schweizer Ableger «Bliib gsund» wurden laut Sektenexperte Georg Otto Schmid früher als Christusbetriebe bezeichnet. «Das sind Firmen, die mit der umstrittenen Gemeinschaft Universelles Leben verbunden sind und diese finanziell unterstützen.» Auch die Produktionsstätte vieler Artikel, die «Güter Neu Jerusalem» in der Gegend um den Spessart (D), würden von UL-Anhängern betrieben.

Heisst das also, wer Produkte von «Bliib gsund» kauft, unterstützt damit indirekt «Universelles Leben»? Georg Otto Schmid hält das für wahrscheinlich. Allerdings verneint der «Lebe gesund»-Versand stets eine Verbindung zur UL, die Sekte selber beteuert, sie finanziere sich ausschliesslich über Spenden – und geht gerichtlich gegen Kritiker vor, die etwas anderes behaupten. Gegenüber der az äusserte sich der Versandhandel nicht.

«Gefährlichste Sekte Deuschlands»

Der «Stern» hatte «Universelles Leben» vor einigen Jahren als «Die gefährlichste Sekte Deutschlands» bezeichnet. Sektenexperte Schmid relativiert: «Aus Sicht der Journalisten war die äusserst prozessfreudige Gruppierung sicherlich gefährlich, für Sektenexperten stand sie jedoch nicht an der Spitze.» Zudem habe sich die Brisanz ein Stück weit gelegt: «Erstens ist die Gruppierung, die in den 90er-Jahren einen sehr grossen Aufschwung erlebte, in letzter Zeit deutlich geschrumpft.» Zweitens habe sich UL auf seine Mitglieder nicht so problematisch ausgewirkt wie manch andere Organisationen.

Bei den Kunden von «Bliib gsund» wird nicht direkt für «Universelles Leben» geworben. Broschüren mit religiösem Inhalt, die «Bliib gsund» früher an den Ständen aufgelegt hatten, wird es an der Veganmania in Aarau nicht geben.

Dies auch, weil dem Versandhandel an der Herbstmesse Basel 2008 verboten worden war, Propaganda zu betreiben.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1