Maienzug
Seitenblick auf den Maienzug

Ob Maienzug oder Freischarenmanöver, Philipp Künzli und Oliver Lang verweigern sich klischierter Schönfärberei und zeigen im Forum Schlossplatz Aarau die oft skurrilen Nebenschauplätze der Bräuche.

Hubert Keller
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20 Bilder
Bilder der Morgenfeier des Maienzugs

Annika Bütschi

Für die Ausstellung nahmen die beiden Fotografen Philipp Künzli (SO) und Oliver Lang (AG) bekannte und weniger bekannte Traditionen aus den Kantonen Aargau und Solothurn vor die Linse. Ob der Maienzug Aarau, die Bastianfeier in Olten, das Freischarenmanöver in Lenzburg, das Wittnauer Fasnachtsfeuer oder die Küttiger Rüeblifrauen, die beiden Fotografen finden den anderen Blickwinkel auf die Bräuche und Traditionen.

Sie schauten mit ihren Objektiven hinter die Kulisse. Ihre Fotografien dokumentieren nicht und kommen gänzlich ohne Inszenierung aus. Für den Werbeprospekt sind sie nicht geeignet. Und so zeigt Philipp Künzli ein weiss gekleidetes Mädchen, das, völlig durchnässt mit klatschnassen Haaren, durch den Telliring stapft, wo es wahrscheinlich gerade vor mit Regenschirmen ausgerüstetem Publikum einen Reigen getanzt hat.

Auf dem Goffersberg in Lenzburg hat er einen Buben fotografiert, der sich ob des Lärms der Freischaren die Ohren zuhält. «Dem klassischen Bild bin ich aus dem Weg gegangen», sagt Philipp Künzli. Er, der vom Film kommt, interessiert mehr die Geschichte im Bild.

Er habe die wenigsten Bräuche und Traditionen gekannt, sagt der Fotograf. Er habe sich ihnen mit Neugier und Offenheit angenähert. «Ich liess mich aufs Thema ein und die vorgefasste Meinung beiseite», sagt Künzli. Und war erstaunt ob der Begeisterung und der Passion, mit der Traditionen gepflegt werden. «Unabhängig, ob sie einen ansprechen oder nicht, sie verdienen Respekt.

Im Jahr 2008 wurde in der Schweiz mit der Ratifizierung der Unesco-Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes eine angeregte Diskussion rund um die Aufgabe und die Bedeutung von Brauchtum und Tradition angestossen. Die unter der Leitung des Bundesamtes für Kultur erstellte «Liste der lebendigen Traditionen» macht deutlich, dass neben althergebrachten Bräuchen auch Traditionen wie die San-Giuseppe-Feier, die von sizilianischen Migranten nach Laufenburg gebracht wurde, dem immateriellen Kulturerbe der Schweiz zugerechnet werden müssen.

Der Kanton Aargau erstellte mit seinen Gemeinden nicht nur die Liste, sondern gibt auch ein Buch heraus mit Fotografien, bei denen sich das Forum Schlossplatz für die Ausstellung bedient hat. Traditionen, über Generationen weitergegeben, haben verbindenden Charakter. Sie sind für den Zusammenhalt einer Gruppe wichtig, prägen aber auch das Bild und die Identität von Orten und Regionen. Die Tradition bleibt nur so lange Tradition, wie sich Menschen für sie mit Enthusiasmus einsetzen. Philipp Künzli und Oliver Lang zeigen die Akteure, vor oder neben dem Schauplatz. In Ergänzung zu den Fotografien präsentiert Pino Dietiker ein Audio-Feature mit Akteuren.

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