Aarau
Seit zehn Jahren finden Franzosen in der «bibliothèque» ein bisschen Heimat

Seit zehn Jahren gibt es die kleine, aber feine «Bibliothèque de langue française en Argovie» im Haus zur Zinne in Aarau. Zum Jubiläum schmieden die Verantwortlichen grosse Pläne.

Laura Rufer
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Das Jazzorchester «Les Jazztronomes» spielte zum Jubiläum auf.

Das Jazzorchester «Les Jazztronomes» spielte zum Jubiläum auf.

Laura Rufer

«Petit, mais sympa.» Mit diesen Worten lässt sich die französische Bibliothek im Haus zu Zinne wohl am besten beschreiben. Das Jubiläumsfest am Samstag erinnerte an ein Familienfest: klein, mit vielen Tischen, einem Buffet mit hausgemachten Köstlichkeiten und einer Bar. Eines unterschied das Fest jedoch von einem Familienfest: die vielen Programmpunkte. Nebst dem Auftritt des Jazzorchesters «Les Jazztronomes» wurden unter anderem auch Filme gezeigt. Besonders grossen Anklang bei den Liebhabern der «langue française» fanden die Vorlesungen.

Besuch von der Vize-Stadtpräsidentin

Die Jubiläumsfeier zog auch bekannte Gäste an. Angelica Cavegn Leitner, Vizepräsidentin der Stadt Aarau, hatte viele «mots gentils» für die Bibliothek parat. Es sei wichtig, dass die französische Sprache gepflegt werde und sie schätze deshalb die Bibliothek sehr, so die Vizepräsidentin. Auch Stadtführerin Karin Gloor fand nur lobende Worte zur Bibliothek: «Die Menschen hier sind sehr freundlich und hilfsbereit. Wenn ich eine Frage zur französischen Sprache habe, kann ich mich jederzeit an sie wenden.»

Unter den Besucher liess sich kaum ein gebürtiger Deutschschweizer finden, die meisten haben ihre Wurzeln in der Romandie oder in Frankreich. Sie verbindet die Liebe zur französischen Sprache und auch zu deren «littérature». Die Immigranten leben gerne hier, doch manchmal werden auch sie von der Sehnsucht nach dem Vaterland geplagt.

Das ist der Moment, in dem sie sich in die Bibliothek begeben. Dort finden sie nicht nur Bücher in ihrer Muttersprache, sondern auch Filme und CDs. Und sie treffen da bestimmt jemanden für einen Plausch «en français»: Die Mitarbeiter der Bibliothek sprechen alle fliessend Französisch und sind grösstenteils selbst Immigranten.

Grösserer Raum gesucht

Zum Jubiläum machen sich die Mitarbeiter vermehrt Gedanken um die Zukunft. Pläne dafür haben sie schon. Ein Ziel ist ein grösserer Raum. Die Bibliothek hat kaum Platz um alle ihrer 4 000 Werke zu zeigen, weshalb sie als Übergangslösung ein Archiv angelegt hat. Der Traum wäre ein preislich attraktiver Raum mit mehr Platz für den Treffpunkt.

Auch mehr zahlende Mitglieder werden gewünscht. Die Ausleihe ist nämlich «gratuit». Einnahmen generiert die Bibliothek vor allem durch die Spenden. Zahlende Mitglieder hat die Institution momentan nur fünf. Aus diesem Grund soll auch mehr Werbung gemacht werden. Ansonsten sind die Mitarbeiter jedoch mit der Entwicklung der Bibliothek zufrieden, meint Michel Hämmerli, ein «secrétaire» und «membre fondateur», ein Gründungsmitglied, der Bibliothek.