Es geht rasch bei Silvan Kaufmann (32). Erst seit vier Jahren mischt der SP-Einwohnerrat in der Dorfpolitik mit. Und gestern Abend wurde er bei der konstituierenden Sitzung des Einwohnerrats zum höchsten Buchser gewählt – fast einstimmig. Die AZ besuchte ihn letzte Woche zu Hause am Postweg.

Hier haben er und seine Frau ein älteres Einfamilienhaus gekauft, das sie eigenhändig renovieren. Der grosse Garten lässt den Söhnen Fridolin und Leopold (3,5 und 1,5 jährig) viel Platz für Erkundungstouren und verrät, dass hier Leute leben, die sich etwas aus der Natur machen. Direkt daneben rauscht die WSB vorbei. «Wir hören es schon gar nicht mehr», sagt der neue Einwohnerratspräsident lachend.

Er kommt vom Lauerzersee

In den Augen der alteingesessenen Buchser mag Kaufmann noch als Neuzuzüger gelten. Erst vor sieben Jahren kam er in den Aargau. Aufgewachsen ist er in Steinen. Das Dorf im Kanton Schwyz liegt idyllisch am Lauerzersee, hat etwa dreieinhalbtausend Einwohner, «und ist ziemlich konservativ geprägt». Das Politisieren hat Kaufmann von seinem engsten Umfeld: Sein Vater sitzt in Steinen im Gemeinderat – ebenfalls für die SP. Sein Bruder war für die Juso aktiv, sein bester Kumpel wurde schon als junger Mann Gemeinderat im Nachbardorf.

Nach Buchs kamen Silvan Kaufmann und seine heutige Frau aus Pragmatismus: Das Dorf lag in der Mitte zwischen zwei Arbeitsstellen. Die ersten Jahre habe er sich noch gar nicht für Dorfpolitik interessiert, sagt Kaufmann: «Ich wusste nicht, ob ich wirklich hier sesshaft werde.» Doch als klar wurde, das Buchs für längere Zeit das Zuhause bleibt, meldete er sich bei der SP – und landete schnell auf der Liste für den Einwohnerrat. Gleich im ersten Anlauf wurde er per 2014 gewählt, zwei Jahre später wurde er Vizepräsident des Einwohnerrats.

Dass Silvan Kaufmann seit gestern offiziell höchster Buchser ist, sieht er gelassen: «Ich freue mich über das Vertrauen, das in mich gesteckt wird – aber letztlich bin ich nicht viel mehr als der Sitzungsleiter.» Und der Dirigent: In seiner Antrittsrede verglich er den Einwohnerrat mit einem Orchester, bei dem viele Musikanten mit unterschiedlichen Instrumenten spielen und gut aufeinander hören müssen, um ein harmonisches Stück erklingen zu lassen.

Lieber Natur als zubetoniertes Dorf

Kaufmann ist studierter Umweltingenieur, hat im Bereich Naturschutz mit Zivildienstleistenden gearbeitet. Heute ist er Projekt- und Bauleiter Tiefbau beim Büro KIP Ingenieure und Planer in Wohlen. Sein beruflicher Background prägt denn auch seine Politik: «Ich setze mich ein für Natur- und Umweltschutz in der Raumplanung. Ich will, dass die Natur im Dorf einen hohen Stellenwert hat und nicht alles zubetoniert und grau ist.»

Er gehört der Umwelt- und Heimatschutzkommission vom Buchs an und sitzt im Vorstand des Buchser Natur- und Vogelschutzvereins. Auf einer Schul-Notenskala würde er Buchs in diesem Bereich «nicht ganz eine Fünf» geben: «Beim Unterhalt der öffentlichen Grünflächen könnten wir uns in Suhr einiges abschauen, dort machen sie es naturverträglicher. Anstatt die öffentlichen Grünflächen nur als kurz geschnittenen Rasen zu halten, könnte man da und dort eine Blumenwiese anlegen – das gäbe erst noch weniger Arbeit.»

Auf weiteres Verbesserungspotenzial in Buchs angesprochen, kommt Kaufmann die Mitteldorfstrasse in Sinn. «Da stehen im Moment Gemeindeliegenschaften, in die man eigentlich investieren müsste, um langfristig den ganzen Raum aufzuwerten», sagt er. Generell vermisst er beim Gemeinderat etwas Innovationsgeist: «Aus meiner Sicht wird zu viel verwaltet und zu wenig gestaltet.»

Umso mehr freut er sich darüber, dass Initiativen von Privaten Buchs in den letzten Monaten neuen «Drive» verliehen hätten: «Ich denke da an den neugegründeten Elternverein, die geplante Brauerei, eine gemeinschaftliche Solaranlage oder die IG Bärenplatz für alle.» Auch lobt er das Angebot der Kinderbetreung in seiner Gemeinde mit dem Kindernetzwerk und der Villa Blau: «Dies hat viele Familien dazu bewogen nach Buchs zu ziehen und sollte auch in Zukunft weiter durch die Gemeinde gefördert werden.»

Apropos Kinderbetreuung: Kaufmann weiss eines ganz sicher – dass er in vier Jahren nicht zu den Gemeinderatswahlen antreten wird. Auch nicht in acht. «Frühestens, wenn meine Kinder aus der Schule raus sind.»