Aarau

Seit November in Betrieb: Ein Blick in das grösste Wasserreservoir des Aargaus

Die Einwa hat fast 80 Jahre lang nicht in ihre Reservoirkapazitäten investiert. Dies hat sich nun geändert: Seit November ist das grösste Wasserreservoir im Kanton Aargau in Betrieb. Die Kantonshauptstadt hat jetzt 35 Prozent mehr Speicherkapazität.

Die beiden Kammern aus Beton sind mit einem weissen Schutzanstrich versehen. Wenn sie gefüllt sind, wirkt ihr Inhalt hellblau – wie bei einem Swimmingpool. Wegen der Lichtbrechung im Wasser. Wasser, das etwa 10 Grad kalt ist, aus dem Grundwasserströmen der Suhre und der Aare in den Aarauer Gönhard-Wald hinauf gepumpt wurde und dort seit einigen Wochen in einem XXL-Reservoir für maximal einige Stunden gespeichert wird. Seit dem November ist das grösste Wasserreservoir im Kanton Aargau in Betrieb. Die Eniwa hat, inklusive der Zuleitungen und des Abbruchs der drei alten Reservoire, 8,6 Millionen Franken investiert.

Das Wasser rieselt von der Decke in die Kammer

Die Eniwa ist für die Wasserversorgung der Stadt Aarau zuständig. Sie beliefert auch vier umliegende Gemeinden regelmässig mit Wasser. Fast 80 Jahre lang hat sie nichts mehr in ihre Reservoirkapazitäten investiert. Bis Ende Oktober waren Oberholz I und II (gebaut 1899 und 1916) sowie das alte Gönhard­reservoir (1941) in Betrieb. Diese drei hatten zusammen eine Speicherkapazität von 7000 Kubikmetern. Das genügte nicht mehr, obwohl der tägliche Pro-­Kopf-Wasserverbrauch von 590 (im Jahr 1940) auf 259 Liter (2020) gesunken ist. Der Rückgang ist auf bessere Geräte und das Verschwinden des grössten Teils der produzierenden Industrie zurück zu führen.

Wie Eniwa-CEO Hans-­Kaspar Scherrer erklärt, begannen die Vorarbeiten für das neue Reservoir 2014 mit der Erar­beitung eines «Generellen Wasserversorgungsprojektes». Das neue Reservoir hat nun eine Speicherkapazität von 9500 Kubikmetern (plus 35 Prozent). Davon werden 3500 Kubikmeter für die Stör- und Löschwasserreserve benötigt, der Rest (6000 Kubik) für den täglichen Wasserverbrauch. In normalen Tagen wird das Wasser 1,5-mal umgesetzt, an heissen Sommertagen 2-mal.

Das Wasser stammt grösstenteils von den Pumpwerken Rohr I und Rohr II sowie Brüelmatten (5 Pumpen am Waldrand östlich der Suhrentalstrasse zwischen Unterentfelden und Suhr). Der Transport aus dem Rohrer Schachen erfolgt durch das normale Netz, wie Mario Ptak, Leiter Engineering Gas/Wasser, erklärt. In den Wald hinauf wurden zwei neue Transportleitungen gebaut. Das Wasser fliesst nicht einfach so ins Reservoir, sondern es rieselt von oben hinein. Also eine Art überdimensionale Dusche. Die Entleerung der beiden Kammern erfolgt von unten.

Ein Reservoir hält in der Regel 80 bis 100 Jahre

Der Bau dauerte 28 Monate. Er verlief nicht ganz pannenfrei (die AZ berichtete). Doch jetzt, mit etwas Verspätung, ist es geschafft. «Ein Generationenbauwerk», wie CEO Scherrer sagt. Ein Reservoir hält in der Regel 80 bis 100 Jahre. Diejenigen bei der Echolinde (Oberholz I und II) sind bereits weitgehend rückgebaut. Der Abbruch des alten Reservoirs Gönhard beginnt im Januar so richtig (erste Arbeiten seit Dienstag).

Die Kosten für das Trinkwasser bleiben trotz der Investitionen «extrem tief», wie CEO Scherrer betont. Ein durchschnittlicher Aarauer verbraucht täglich rund 170 Liter Wasser und gibt dafür pro Monat 8 bis 10 Franken aus.

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Autor

Urs Helbling

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