Suhr
Seit er sechs ist, tanzt er – heute kann ihn beim Steppen nichts stoppen

Mit sechs Jahren begann Edwin Berchtold zu tanzen, mit neun ist er bereits Europameister im Stepptanz und hat sich für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Doch daneben geht er auch noch ganz normal zur Schule.

Janine Gloor
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Beim Tanzen ist Edwin in seinem Element, wie hier bei seiner Choreografie für die Europameisterschaft.

Beim Tanzen ist Edwin in seinem Element, wie hier bei seiner Choreografie für die Europameisterschaft.

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Als kleines Kind bewegte sich Edwin Berchtold zu den Melodien, die sein Bruder auf der Panflöte spielte, doch plötzlich hörte er damit auf. Seine Mutter machte sich Sorgen und fragte nach. Ihm seien die Bewegungen ausgegangen, meinte der damals 6-Jährige, worauf sie ihn zum Ballett anmeldete.

In der Tanzschule wurde der Junge auf die Stepptänzer aufmerksam und war fasziniert. Die Steppschuhe hat er seither praktisch nicht mehr ausgezogen. Heute, mit neun Jahren, ist Edwin Europameister seiner Kategorie (Solo Knaben) im Stepptanz.

Wer sich mit Edwin unterhält, merkt schnell, wie gross seine Faszination für das Tanzen ist. Es fällt ihm nicht leicht, sie in Worte zu fassen, doch der Blick aus seinen grossen braunen Augen spricht für sich. Seine Mutter erinnert sich daran, wie er als 7-Jähriger überglücklich aus einer Vorstellung des Balletts «Schwanensee» nach Hause kam, überzeugt, noch nie so etwas Schönes gesehen zu haben.

«Von nichts kommt nichts»

Tanzen ist harte Arbeit, besser werden auch Talente wie Edwin nur mit diszipliniertem Üben. Im Idealfall tanzt Edwin jeden Tag eine Stunde, vor Auftritten wird es mehr. Seiner Mutter ist wichtig, dass Edwin Freude hat am Tanzen. Dennoch gibt es zwischen den beiden eine Übereinstimmung: «Von nichts kommt nichts.» Edwin hat neben dem Tanzen aber durchaus noch Zeit zum Spielen, und auch ein Musikinstrument gehört zu seinem Repertoire.

Seine Mutter warnt ihn jedoch, dass er mit der steigenden schulischen Belastung das Akkordeon womöglich aufgeben müsse. Daran möchte Edwin jetzt noch nicht denken, er quittiert die mütterliche Besorgnis mit einem schelmischen Lächeln. Für seine Zukunft hat er schon bestimmte Vorstellungen: «Ich möchte Stepper oder Arzt werden». Dieses Mal kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen.

In der Schule hatte es Edwin als tanzender Junge anfangs nicht leicht. Die anderen Knaben haben ihn ausgelacht, Ballett war nicht cool. Doch die Sprüche konnten Edwins Liebe zum Tanz nicht schmälern. «Ich habe einfach nicht hingehört», sagt er und macht eine wegwerfende Handbewegung. Als er nach einem Jahr Ballett mit dem Stepptanz angefangen hat, hat sich die Stimmung in der Schule geändert. Stepptanz finden seine Schulkameraden toll. Doch egal, woher der Wind weht, Hauptsache für Edwin ist, dass er tanzen kann.

Auch seine Mutter musste feststellen, dass Jungen in der Schweiz beim Tanzen in der Unterzahl sind. Wenn Edwin neue Tanzkleider braucht, ist es schwierig, etwas zu finden, das nicht in den klassischen Mädchenfarben gehalten ist. Im Ausland ist es deutlich einfacher, an Jungenkleider heranzukommen.

Zweimal Gold in zwei Wochen

Anfang Juli fand in Prag die Europameisterschaft im Stepptanzen statt. Vor Bühnenauftritten ist Edwin jeweils sehr nervös. Die Szene in der Schweiz ist klein, die Tänzer haben nicht oft Gelegenheit, auf der Bühne zu stehen. Mit der ersten Runde war Edwin nicht ganz zufrieden, Zweifel plagten ihn. Doch bei der zweiten hat alles gestimmt.

Ein grosser Triumph für den 9-Jährigen, der nur zwei Wochen zuvor schon an der Schweizer Meisterschaft Gold geholt hatte und sich so zur Teilnahme an der nächsten Weltmeisterschaft qualifizierte.
Edwin hat in Prag zu Beethovens berühmter 5. Symphonie getanzt, die Musik hat er selbst ausgewählt. In der Halle war es über 30 Grad heiss, Edwin trug ein langärmliges Kostüm. Doch sobald die Musik einsetzt und er seine Choreografie vorführen darf, sind die Nervosität und Hitze vergessen.

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