Auenstein

Seit drei Jahren angekündigt: Jetzt steigt der Steuerfuss

Blick auf die Kirche von Auenstein

Blick auf die Kirche von Auenstein

«Und wir hatten immer die Philosophie, dass wir nicht mehr beziehen, als wir wirklich brauchen» – trotzdem beantragt der Gemeinderat eine Steuerfusserhöhung um 4 auf 96 Prozent. Dafür soll es aber 2017 keine geben.

Am 20. November hat die Auensteiner Gemeindeversammlung über das Budget 2016 zu befinden. Der Gemeinderat beantragt eine Erhöhung des Steuerfusses von bisher 92 auf neu 96 Prozent. Trotz Steuererhöhung resultiert bei einem Aufwand von rund 6,72 Millionen und einem Ertrag von zirka 6,56 Millionen ein Aufwandüberschuss von etwas mehr als 164 00 Franken. Dieser belastet das Eigenkapitalkonto, das Ende 2014, ohne Reserven, 1,45 Mio. enthielt.

Warum verzichtet Auenstein auf ein ausgeglichenes Budget? Es sei durchaus möglich, dass das Ergebnis auf der Einnahmenseite besser ausfalle als budgetiert, sagt dazu Reto Porta, der für das Ressort Finanzen zuständige Gemeinderat.

«Und wir hatten immer die Philosophie, dass wir nicht mehr beziehen, als wir wirklich brauchen.» Dass 2017 dann die nächste Steuerfusserhöhung folge, sei nicht zu erwarten, stellt Porta klar. Die Steuerfussfrage werde wohl dann wieder auf den Tisch kommen, wenn bekannt sei, wie sich der Neue Finanzausgleich auf Auenstein auswirke.

Bei einem Steuerfuss von 96 Prozent rechnet der Gemeinderat mit Einkommens- und Vermögenssteuern von 4,21 Millionen. Mit dem aktuellen Steuerfuss von 92 Prozent resultierten letztes Jahr Steuereinnahmen von rund 4,26 Mio. Franken. 2015 habe es einen kleinen Einbruch bei den natürlichen Personen gegeben, erklärt Reto Porta. Inzwischen zeichne sich aber eine Erholung ab.

In einer Medienmitteilung begründet der Gemeinderat die Anhebung um 4 Prozent auch mit den allgemeinen Prognosen zur Entwicklung der Steuereinnahmen nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank.

Die Gemeindebehörde beruft sich auf die Prognosen des Kantonalen Steueramtes, das für 2016 mit einem maximalen Wachstum der Steuereinnahmen von rund 1,0 Prozent bei den natürlichen Personen rechnet.

Wegen der Milderung des Gewinnsteuertarifs und der erschwerten wirtschaftlichen Bedingungen geht der Kanton bei den juristischen Personen von einem Rückgang der Steuereinnahmen um 5 bis 10 Prozent aus.

Nach Reto Portas Angaben sind die Aktiensteuern – mit einem Anteil am gesamten Steuerertrag in einstelligem Prozentbereich – für Auenstein nur von geringer Bedeutung. Bei den natürlichen Personen habe die Gemeinde ein bisschen optimistischer kalkuliert als der Kanton.

Höhere Bildungskosten

Der Gemeinderat rechnet mit Mehrausgaben von rund 390 000 Franken oder rund 8 Steuerprozenten. Ins Gewicht fallen insbesondere die schon länger bekannten Kostensteigerungen im Bildungsbereich.

Seit drei Jahren habe er deshalb wiederholt darauf hingewiesen, dass der Steuerfuss gelegentlich erhöht werden müsse, sagt Porta. «Für die Steuerzahler kommt das nicht überraschend.» Punkto Bandbreite habe er stets von 96 bis 98 Prozent gesprochen.

Mehrkosten verursachen nicht zuletzt die Besoldungsanteile der Lehrpersonen und höhere Schulgelder. Die Kostensteigerung ist unter anderem eine Folge der Umstellung auf sechs Primarschuljahre, mit der die Primarschülerzahlen steigen.

In Auenstein muss neuer Schulraum geschaffen werden. Als Kostenfaktoren nennt Porta in diesem Zusammenhang die Abwart-Stelle für das neue Schulhaus und die Energiekosten. Mit der neuen Holzschnitzelfeuerung werden künftig auch die andern Schulhäuser beheizt.

Sozialkosten leicht steigend

Auenstein ist eine der wenigen Gemeinden, die nicht unter hohen Soziallasten ächzt. In der Sozialhilfestatistik 2013 wies Auenstein mit sechs Fällen eine Sozialhilfequote von 0,5 Prozent aus. Zum Vergleich: Im schweizerischen Mittel lag die Sozialhilfequote 2013 bei 3,2 Prozent. Auch in Auenstein, sagt Reto Porta, sei die Tendenz nun steigend, «aber nur leicht, nicht explosiv».

Aufgrund des Rechnungsergebnisses 2014 muss die Gemeinde 115 000 Franken an den ordentlichen Finanzausgleich leisten. Dazu kommen im Jahr 2016 rund 121 000 Franken in den Finanzausgleichsfonds Spitalfinanzierung.

Bei den Eigenwirtschaftsbetrieben wird für das Wasserwerk ein Ertragsüberschuss von rund 80 000 Franken budgetiert, für die Abwasserbeseitigung ein Aufwandüberschuss von nahezu 70 000 Franken. Bei der Abfallbewirtschaftung wird ein Ertragsüberschuss von gut 13 000 Franken veranschlagt.

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