Maienzug

Seit 40 Jahren aktiv: Maya Hauri ist die Grande Dame der Putschibahn

Die Chefin der Firma «Festplatz Hauri» ist auf den Festplätzen der Region verankert wie keine andere Frau. Inzwischen ist Maya Mauri 62 Jahre alt, zweifache Grossmutter und seit 40 Jahren als Schaustellerin unterwegs – und es noch immer nicht müde.

«Überall ist Jugendfest und alle wollen Frau Hauri», sagt Frau Hauri am Telefon, als es darum geht, einen Termin abzumachen. Und das ist keine Koketterie. Maya Hauri ist Chefin der Firma Festplatz Hauri. Auf ihrem Auto steht «Kei Festplatz oni Hauri», und so sieht momentan auch die Realität auf den Schulmatten dieser Region aus. Dieses Jahr feiert die Schaustellerin ihr 40-Jahr-Jubiläum.

Im Winter wohnt Maya Hauri in Aarau. Im Sommer ist sie «of de Reis», dann ist der Wohnwagen ihr Zuhause. Jeweils am Montag kommt die Chefin mit ihren zwei Mitarbeitern am neuen Ort an. Nachdem sie ihre Wohnwagen installiert haben, beginnt der Aufbau, dann startet das Fest, und wenn das Wochenende vorbei ist, beginnt alles von vorne. Maya Hauri geniesst das Leben im Wohnwagen.

Man sieht es ihr an, wenn sie auf der Eckbank sitzt und genüsslich an einer Zigarette zieht. Es ist nicht nur ihre Branche und das Haus auf Rädern. Maya Hauri wirkt wie eine Zirkusdirektorin. Nicht mehr die Jüngste, aber gut erhalten. Sie trägt ein der Sommerhitze angepasstes, locker fallendes Kleid mit Wildkatzen-Print.

Maya Hauri im Kassenhäuschen ihrer Butschibahn. «Das Leben als Schaustellerin ist härter geworden.»

Maya Hauri im Kassenhäuschen ihrer Butschibahn. «Das Leben als Schaustellerin ist härter geworden.»

Ihre Fingernägel sind perfekt maniküriert – rot mit Glitzerpartikeln – die Uhr glänzt in Silber und Gold, gerade genug, um aufzufallen, aber nicht zu protzig. Eine charismatische Frau. Schnell wechselt sie vom freundlichen Plauderton zum Befehl. Zum Beispiel, wenn sie ihr Hündchen anherrscht. Der freche Welpe ist erst vor kurzem im Wohnwagen eingezogen.

Tränen wegen Autoscooter

Aufgewachsen ist die Direktorin in Wangen bei Olten, in Aarau hatte sie im «National» serviert. Dort, neben dem Schachen, kam sie oft in Kontakt mit Schaustellern. Und wusste: Nie würde sie einen Schausteller wollen. Oder einen Metzger.

Dann lernte sie Ruedi Hauri kennen; gelernter Metzger und Schausteller. Sie heirateten, Maya Hauri tauschte den festen Wohnsitz gegen den Wohnwagen, die Beiz gegen die Schiessbude.«Anfangs hatte ich Mühe, mich diesem Leben unterzuordnen», sagt sie. Doch nach einem Jahr ging es.

Heute könnte sie sich kein anderes Leben vorstellen, sagt sie und zündet noch eine Zigarette an. Ruedi und Maya Hauri kauften mehrere Bahnen und einen Confiseriewagen dazu. Ihr Prunkstück: der Autoscooter.

In Italien haben die Hauris die Putschibahn bestellt. «Wir konnten alles nach unserem Geschmack gestalten», sagt Maya Hauri. «Als ich den Autoscooter zum ersten Mal sah, kamen mir die Tränen.» So schön sei er gewesen. Nach dem Tod ihres Mannes vor zehn Jahren dachte sie nicht daran, die Schaustellerei aufzugeben.

«Wenn Frau Hauri etwas sagt, dann ist das so» – wenn der Abend fortschreitet, muss man stark sein

Am Argovia Fäscht 2017: «Wenn Frau Hauri etwas sagt, dann ist das so»

Noch heute entscheide eine Putschibahn über die Stimmung auf dem Festplatz. Keiner zieht die Jugend an wie ein Autoscooter. Die Chips gibt es für wenig Geld, das seit Jahrzehnten bewährte Konzept: fahren und gefahren werden. Hier trifft man sich und hier sitzt Frau Hauri an der Kasse. «Das ist mein Platz.» Wie beim Hündchen ist sie freundlich – bis sich jemand danebenbenimmt. «Notfalls hole ich einen eigenhändig aus dem Auto.»

Einschüchtern lässt sie sich nicht. Als im Luzernischen einmal ein paar Burschen versuchten, ihre Herrschaft über das Dorf auch auf die Putschibahn von Frau Hauri auszudehnen, nahm sie sich den Anführer vor. «Dem hani d’Chottle potzt», sagt sie zufrieden und zieht an der Zigarette. Fortan hatte sie in diesem Dorf eine Leibgarde.

Seit 40 Jahren als Schaustellerin unterwegs, zum 21. Mal am Argovia Fäscht: Maya Hauri im Kassenhäuschen ihres Autoscooters.

Seit 40 Jahren als Schaustellerin unterwegs, zum 21. Mal am Argovia Fäscht: Maya Hauri im Kassenhäuschen ihres Autoscooters.

Und dieses Dorf ist keine Ausnahme. In ihrem Wohnwagen steht ein Foto von ihr, das sie von der Crew des Argovia-Fests erhalten hat. Die Beste sei sie, steht da. Beim Argovia-Fest ist sie seit Anfang an dabei.

Stolz zählt Hauri die Geschäftsführer auf, die sie schon erlebt hat. Sie alle konnten sich darauf verlassen, dass Maya Hauri wusste, wie man diese Riesenparty organisiert. Als Hommage an die Anfänge prangt an ihrem Confiseriewagen immer noch das alte Argovia-Logo; ein pinkfarbener Schriftzug auf gelbem Stern.

Schausteller-Gen weitergegeben

Maya Hauri hat eine Tochter, die als Kind im Wohnwagen neben dem Rösslispiel am besten geschlafen hat. Zur Schule ging das Mädchen ganz normal in Aarau. Maya Hauri hat gleichzeitig ganze Festplätze betrieben und zu Hause für ihre Familie gekocht. Heute ist die Tochter auch Schaustellerin und betreibt mit ihrem Mann ein eigenes Unternehmen. Und die nächste Generation Hauri-Kinder turnt bereits über die Festplätze.

Die zweifache Grossmutter Maya Hauri ist 62 Jahre alt, fühle sich aber überhaupt nicht so. Bis zur Pension mache sie sicher weiter. Sie ist eine der wenigen Frauen in der Schweiz, die Woche für Woche «stellt», wie sie sagt. Und ganze Plätze organisiert. «Aber ich mache es einfach gern.»

Wer Frau Hauri persönlich erleben will, muss am nächsten Jugendfest zur Putschibahn. Denn dort im Kassenhäuschen ist Frau Hauris Platz. Und wenn die Stimmung gut ist und das Lied noch besser, dann fragt Frau Hauri manchmal über die Lautsprecher: «Wänder nomol?»

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