Küttigen

Seit 30 Jahren bringt sie den Duft von Erdnüssen ins Dorf

Sabine Gürber röstet seit bald 30 Jahren Erdnüsse mit ihrer über 100-jährigen Maschine.

Sabine Gürber röstet seit bald 30 Jahren Erdnüsse mit ihrer über 100-jährigen Maschine.

Vor dem Samichlaustag röstet Sabine Gürber mit ihrer Maschine täglich bis zu 160 Kilogramm Erdnüsse. Sie verrät, wie die Kunden die Erdnüsse am liebsten haben.

In Küttigen liegt an diesen Tagen der Duft von Erdnüssen in der Luft. In der Woche vom Samichlaustag hat Sabine Gürber alle Hände voll zu tun: In ihrer Werkstatt an der Hauptstrasse röstet die 55-Jährige von morgens bis abends Erdnüsse.

Bis zu 160 Kilogramm am Tag sind es derzeit, geröstet jeweils in kleinen Portionen. Aus einem Korb kippt sie sieben Kilogramm in ihre über 100-jährige Röstmaschine. Stets in Bewegung bleiben sie dort ­etwas über 20 Minuten lang, werden auf 200 Grad erhitzt.

Leicht goldig sollen sie sein

Auf den genauen Moment kommt es an: Die Erdnüsse dürfen weder zu lange noch zu kurz in der Maschine bleiben. Genau leicht ­goldig sollen sie herauskommen, für den Geschmack der meisten Kunden eher mehr auf der hellen als auf der dunklen Seite.

Frisch: Sabine Grüber röstet in Küttigen Erdnüssli, in der Woche vor dem Samichlaustag hat sie viel zu tun.

Frisch: Sabine Grüber röstet in Küttigen Erdnüssli, in der Woche vor dem Samichlaustag hat sie viel zu tun.

Während die Maschine läuft, bedient Sabine Gürber die Kunden in ihrem kleinen Laden. Sie stellt sich den Wecker jeweils auf 22 Minuten, dann zieht sie den Probekolben aus der Maschine, schaut sich die zwei, drei Erdnüsse, die dort herauskommen, genau an, bricht deren Schale auf. «Sie sind noch etwas hell», sagt sie dieses Mal und lässt die Maschine noch rund zwei Minuten weiterlaufen.

Erdnüsse aus Israel 

Dass Sabine Gürbers Erdnüsse stets nur frisch geröstet verkauft werden, mache bei ihr den Unterschied – nebst der Tatsache, dass sie nur qualitativ gute Erdnüsse importiert. Draussen stehen noch mehrere 20 Kilogramm schwere Jutesäcke voller Erdnüsse, geliefert aus Israel.

Dieses Jahr sind es besonders gute, schöne Nüsse, offenbar mit härteren Schalen als in anderen Jahren. Sie gibt eine rohe Erdnuss zum Probieren, so wie man sie eigentlich nie isst:

Ungeröstet schmeckt sie eher fad und erdig. «Roh merkt man, dass Erdnüsse mit den Erbsen und Bohnen verwandt sind», sagt sie. Frisch geröstet entfalten die Erdnüsse aber ihre ganze Geschmacksvielfalt – und sie werden schön knusprig.

Nach zwei Tagen verlieren sie an Knusprigkeit

Deshalb sollten sie spätestens innert einer Woche, am besten gleich in den ersten zwei Tagen, nach dem Rösten gegessen werden. «Sonst nehmen sie wieder Feuchtigkeit auf, insbesondere wenn sie lange neben den Mandarinen liegen», erklärt Sabine Gürber.

Die Erdnüsse aus Küttigen seien dann nicht mehr gleich knusprig, der Geschmack verändere sich. Bestellungen übers Internet bringe sie deshalb bis Mittag zur Küttiger Post, damit sie sicher am nächsten Morgen beim Kunden ankommen.

Die Frische sei denn auch das Merkmal, mit dem sich ihre Erdnüsse von anderen abheben sollen. Aus diesem Grund vertreibt sie diese nicht in anderen Läden – einzige Ausnahme bildet derzeit das «Kaufhaus zum Glück» in der Aarauer Altstadt. Mit den Betreiberinnen sei aber abgemacht, dass sie die Erdnüsse bis spätestens am Tag darauf verkaufen müssen.

Seit knapp 30 Jahren röstet sie vor Ort

Die Erdnuss-Saison beginnt bei Sabine Gürber jeweils am MAG (Markt Aargauer Gewerbetreibender) am letzten Wochenende im September. Seit bald 30 Jahren röstet sie vor Ort Erdnüsse mit ihrer Maschine.

Von Mitte Oktober bis nach Weihnachten geht es dann weiter in Küttigen in der wohl kleinsten Erdnussrösterei des Landes. Zwei Tonnen Erdnüsse wird sie in der Zeit insgesamt verarbeiten.

Rösten als Nebenberuf

Wenn draussen an der Hauptstrasse das Schild mit Erdnussmännchen «Bibbo» aufgestellt ist, kommen Passanten und Vorbeifahrende in ihren Laden. Auf Bestellung liefert sie in die ganze Schweiz, für den Samichlaustag bezieht eine gegenüberliegende Bank die Erdnüsse bei ihr.

Eine Woche im Jahr herrscht bei Sabine Gürber Hochbetrieb, sonst röstet sie die Erdnüsse bis nach Weihnachten nebenbei zu ihrer Haupttätigkeit: In Handarbeit stellt sie Platten und Kacheln aus Keramik her.

Sie konzentrierte sich auf diesen Bereich, nachdem sie lange für den Vertrieb und die Buchhaltung im Ofenbau-Geschäft ihres Ehemannes Thomas zuständig war. Nach einem Skiunfall vor sechs Jahren musste er das Geschäft abgeben.

Ein Duft, der Rombach oder Küttigen seit Jahren prägt

Heute verkauft sie im kleinen Laden bei ihrer Werkstatt in Küttigen nebst den Erdnüssen und Kacheln auch regionale Produkte wie Honig, Sirup oder Essig, gedörrte Früchte von ihren Luzerner Verwandten sowie handgefertigte Objekte von ihren Schwestern und ihrer Nichte.

Früher hat die gelernte Zeichnerin in einem Landschaftsarchitekturbüro gearbeitet und elf Jahre lang das Gartencenter ihrer Eltern in Rombach geleitet. Nebenbei hat sie schon damals Erdnüsse geröstet. Der Duft aus ihrer geschichtsträchtigen Maschine über den Rombach prägt die Gegend zu dieser Jahreszeit schon seit langem.

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