Gränichen
Seit 1925 sind die Naturfreunde ein reiner Männerverein

100 Bänke, 18 Brunnen, 14 Feuerstellen: Die Naturfreunde Gränichen haben seit ihrer Gründung vor 100 Jahren Grosses geschaffen.

Peter Weingartner
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Der aktuelle Vorstand mit Christof Bächli (Aktuar), Kurt Baumann (Kassier), Hugo Lehner (Vizepräsident) und Ivan Volpi (Präsident) mit dem neuen Brunnen.

Der aktuelle Vorstand mit Christof Bächli (Aktuar), Kurt Baumann (Kassier), Hugo Lehner (Vizepräsident) und Ivan Volpi (Präsident) mit dem neuen Brunnen.

Peter Weingartner

«Wir sind ein reiner Männerverein», sagt Kurt Baumann, Kassier der Naturfreunde Gränichen. Mit der Einweihung ihres 18. Brunnens auf Gemeindegebiet feiert der Verein sein 100-jähriges Bestehen. Rudolf Kaufmann, Emil Widmer, Walter Scheidegger und Jean Stirnemann gründeten im Frühling 1918 den Verein. 45 Mitglieder zählte er 1920. Und bis 1925 konnten auch Frauen mitmachen. Gründe für die Statutenänderung damals? Unbekannt. Heute sind die Frauen natürlich dabei– bei Reisen und Wandertouren.

Handwerker gefragt

Nun zählt der Verein 20 Mitglieder, «arbeits- und naturliebende Männer». «Das reicht; wir brauchen Leute, die mitarbeiten», sagt Vereinspräsident Ivan Volpi. Und er ist froh: «Sämtliche Handwerker, die wir im Verein brauchen, sind vertreten.» Der Kantonale Benevol-Preis für Freiwilligenarbeit, den der Verein 2015 erhalten hat, ist eine Anerkennung. «Die Gemeinde schätzt die Brunnen und Rastplätze sehr», sagt auch Vize-Ammann Hans-Peter Lüem.

Mehr als 100 Bänke, 18 Brunnen mit Trinkwasser, von denen 15 direkt an der Quelle angezapft werden, dazu 14 Feuerstellen mit Tischen wollen nicht nur gebaut, sondern auch gepflegt, repariert und ersetzt werden. «Das Herz im Betonsockel der Bänke ist unser Markenzeichen», sagt Volpi. Der Verein giesst sie selber, stellt auch die Feuerstellen selber her. Er montiert die Latten der Bänke, schleift sie ab, wenn nötig, lasiert sie neu. «Sie sind das ganze Jahr draussen», sagt Kurt Baumann. Da gibts eine natürliche Abnützung.

Einzelarrest für Vandalen

Es gibt aber auch Vandalismus. Mutwillige Zerstörung. «Es ist in den letzten Jahren etwas besser geworden», sagt Ivan Volpi. Aktenkundig ist ein Vorfall aus dem Jahr 1946, der zeigt, dass jugendlicher Leichtsinn offenbar zum Aufwachsen gehört. Da wurden vier Achtklässler mit Jahrgang 1932, die «eine Marmorplatte eines Tisches auf dem Kirchenhübel demoliert haben», polizeilich ermittelt. Die Eltern hatten für den Schaden (70 Franken) aufzukommen, derweil die Schulpflege mit dem Strafvollzug beauftragt wurde: «Einzelarrest, abzusitzen an drei Sonntagnachmittagen zu je 3 Stunden». Bereits 1922 gabs einen Gerichtsfall, den der Verein mangels Beweisen allerdings verlor: Ein Mann soll in einen bei einem Brunnen angebrachten Trinkbecher uriniert haben. Und 1959 wurde ein Mann gebüsst, der beim Sustenbrunnen Ginstersträucher geklaut hatte.

Asche und Flaschen

Die Männer haben zu tun. Jede Woche werden die Rastplätze besucht und gesäubert. Asche und Flaschen entsorgen. Das gibt zu denken: Saufgelage ohne aufzuräumen. Bilder auf der Website zeugen davon. Und seit 2001 einmal jährlich wird das Wyna-Ufer geputzt. Etliche Vereinsmitglieder sind im Rentenalter. Kurt Baumann (80) Initiant der Wynaputzete, ist erst vor 20 Jahren dem Verein beigetreten. «Man hat eine Aufgabe, ist draussen in der Natur», sagt er. Neben Sponsoren und der Gemeinde unterstützt die Bevölkerung den Verein finanziell. «Wir gehen von Haus zu Haus und ziehen den Passiv-Beitrag von 4 Franken ein», sagt der Kassier. Ein Betrag, der oft grosszügig aufgerundet wird.

Vor 50 Jahren feierte man den 50. Geburtstag in der Waldhütte, und das mit dem «Handörgeli-Duo Alfred und Edwin» und einem «Theaterli»: «En ufregendi Testamäntseröffnig». Dann gabs Musik ab Grammo, Lieder wurden gesungen. Zwei Gründungsmitglieder waren noch dabei. Dieses Jahr macht mans einfacher: Es gibt an der Hochspüelstrasse für die Bevölkerung Risotto, Gegrilltes und Getränke. Grosse Reden? Kaum. Dafür Wein, Primitivo «Senza Parole». Das jüngste Werk der Naturfreunde spricht für sich.