Kurt Hintermanns Hobby ist berufsbedingt. Er ist Polier. Seit 30 Jahren arbeitet er auf dem Bau. «Und auf dem Bau lernt man Bier trinken», sagt er und lacht. Doch Bier ist nicht gleich Bier. Hintermann mag es ausgefallen. «Ich habe immer die Vielfalt gesucht», sagt er. Und weil er die nicht immer fand, stellte er selbst die Spaghettipfanne auf den Herd und braute sich darin sein eigenes Bier.

Über 20 Jahre ist das her. Und jetzt erfüllt sich Kurt Hintermann (49) seinen grossen Traum: Am kommenden Wochenende eröffnet er gemeinsam mit Partnerin Brigitte Gasser (56) an der Mitteldorfstrasse 53 in Buchs (ehemals Pianohaus Wigger) seine eigene Brauerei mitsamt dem Feierabend-Beizli «Brau-Egge».

Damals gab es kaum Kurse

Den Narren am Bierbrauen gefressen hat Hintermann wegen den Australiern. «Da braut fast jeder sein Bier selber, weil die Wege zu den Supermärkten so lang sind.» Also besorgte er sich ein solches Bierbrauer-Kit und probierte es aus, nach einfachster Methode und mit vorproduzierten Zutaten. Das gefiel ihm, aber er wollte mehr. «Ich wollte wissen, wie man richtig Bier braut.»

Seit knapp 20 Jahren vertreibt Hintermann sein Bier unter dem Namen «Buchser-Bier». «Ich habe lange vergeblich am passenden Namen herum studiert», sagt er und winkt ab. Die Idee lieferte ihm schliesslich der Aarauer Künstler Eduard «Düdül» Steiner, ein alter Bekannter aus «Affenkasten»-Zeiten. «Düdül lieferte mir nicht nur die Namensidee, er hat mir auch gleich das Logo gezeichnet», sagt Hintermann nicht ohne Stolz. Das Original hängt heute gerahmt an der Wand im Beizli.

Nichts für Ungeduldige

Bierbrauen ist nichts für Ungeduldige. Acht bis neun Stunden muss der Sud bei verschiedenen Temperaturen köcheln, lange aus den Augen lassen kann man ihn dabei nicht. Nebst seinem 100-Prozent-Job bleibt Hintermann da nicht allzu viel Zeit zum Brauen. Voll auf das Bierbrauen setzen will er trotzdem nicht. «Da muss man unglaubliche Mengen verkaufen», sagt er. Zwar bieten in Aarau zwei Beizen sein Bier an, «Zita’s Weinstube» und das «Bierstübli», bis zur Schliessung Ende Jahr auch der «Frohsinn» in Buchs, das die Eltern von Partnerin Brigitte führten. Unter dem Strich sind es rund 200 Flaschen, die er im Monat verkauft. Zum Überleben reicht das nicht.

Den Verkauf will Hintermann nun mit seinem «Brau-Egge» forcieren. Das Feierabend-Beizli hat er fürs Probieren eingerichtet. «Für echte Bierliebhaber, die lieber zwei, drei Biere weniger trinken, dafür ein richtiges.» Sechs Sorten bietet er im Standard-Sortiment an, dazu kommen mal gewagte Kreationen, beispielsweise mit Himbeergeschmack.

Kurt Hintermann und Brigitte Gasser freuen sich sehr auf die Eröffnung. Und mit ihnen scheinbar auch viele Buchser. «Als ich vor dem Lokal die Parkfelder aufmalen wollte, konnte ich keine zehn Minuten am Stück arbeiten, weil mich ständig jemand auf die Brauerei angesprochen hat», sagt Hintermann. Selbst viele Einheimische hätten erstaunt reagiert. «Sie wussten schlichtweg nicht, dass es seit über 20 Jahren ein Buchser Bier gibt.» Jetzt hoffen die beiden, dass der Gwunder die Bierliebhaber der Region zu ihnen treibt und die Begeisterung anhält. So, dass es irgendwann vielleicht doch zum Leben reichen könnte. Hintermann lacht. «Wenn es auch nicht reicht, dann ist es doch wenigstens dereinst eine gute Aufgabe für nach der Pensionierung.»

Brau-Egge Eröffnung am 3. Februar. Öffnungszeiten: Mittwoch 18 bis 21 Uhr, Freitag 17 bis 21 Uhr, Samstag 9 bis 13 Uhr. Jeden ersten Samstag im Monat Event von 9 bis 24 Uhr.