Aarau
Sein Arbeitsplatz ist die Fussgängerzone

Kaspar Tribelhorn aus Aarau hat sich seinen Bubentraum erfüllt: Der 30-Jährige ist Jongleur und Strassenkünstler von Beruf und zaubert den Passanten regelmässig ein Lächeln ins Gesicht. Jetzt wurde er sogar für den Swiss Comedy Award nominiert.

Andrea Weibel
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Kaspar Tribelhorn spaltet auch mal ein Rüebli mit einer Axt, die er vorher auf dem Kopf balanciert hat. Weibel

Kaspar Tribelhorn spaltet auch mal ein Rüebli mit einer Axt, die er vorher auf dem Kopf balanciert hat. Weibel

Es ist gar nicht so leicht, Passanten dazu zu bringen, stehen zu bleiben und eine Show in der Fussgängerzone zu verfolgen. Damit das klappt, die Menschen die Show bis zum Schluss ansehen und dann auch noch Geld in den Hut werfen, ist viel Vorbereitung nötig.

Doch Kaspar Tribelhorn (30) aus Aarau hat den Dreh raus. Er trainiert täglich mehrere Stunden in einer Sporthalle im Movimenti in der Nähe des Aarauer Bahnhofs, lebt in einer WG und finanziert sich seinen Lebensunterhalt durch seine Strassenkunst plus verschiedene Shows.

Auf der Bühne: Kaspar Tribelhorn in Aktion.

Sein Geheimnis: Er verbindet ein sehr hohes Niveau der Jonglage mit Feuerkunst und Komik. So konnte sich der «Starjongleur», wie er sich nennt, nicht nur seinen Bubentraum erfüllen, sondern bekommt Angebote von Festivals, Firmen und Privaten und wurde jetzt sogar als einer der acht Finalisten für den Swiss Comedy Award nominiert.

Ein Bubentraum

Kaspar Tribelhorn war schon als kleiner Bub fasziniert von der Idee, sich sein Geld als Strassenkünstler zu verdienen. Dieser Traum wurde vorübergehend hintenan gestellt.

Doch weil er schon als 16-Jähriger während seiner Ausbildung zum Elektroniker und dem anschliessenden Studium der Elektrotechnik sehr viel Zeit in sein Hobby, die Jonglage, investierte, holte ihn sein Traum wieder ein.

Dabei begann alles sehr einfach: «Ein Freund von mir jonglierte schon länger, von ihm lieh ich mir Keulen aus und versuchte, seine Tricks nachzumachen», erinnert sich Tribelhorn.

«Was ich damals noch nicht wusste, war, dass dieser Freund bereits ein sehr hohes Niveau hatte.» So dachte er beispielsweise, das Jonglieren hinter dem Rücken gehöre zum Basisrepertoire und übte Monate lang, bis er es schaffte. An seinem erste Jonglagetreffen merkte er aber schnell, dass der Trick schon zur Hohen Schule gehört.

Seine ersten Gehversuche als Strassenkünstler unternahm der Jongleur in Deutschland. Nach seinem Job als Ingenieur war er zwei Jahre lang mit dem Theaterzirkus Wunderplunder durch die Schweiz getourt, dann wollte er es als Solokünstler probieren.

Zuerst wollte er nach Hamburg. Weil es dort aber zu windig zum Jonglieren war, mietete er sich im Sommer 2013 ein halbes Jahr lang eine Wohnung in Köln.

«Von anderen Strassenkünstlern wusste ich, dass die ersten paar Shows vermutlich in die Hose gehen würden, das ist normal. Die Leute auf der Strasse zum Publikum zu machen, ist viel schwieriger, als im Theatersaal, wo sie schon als Publikum hereinkommen.» Also setzte sich Tribelhorn ein Ziel: 100 Auftritte, erst dann wird Bilanz gezogen.

Krönung für den Gaukler

Seither hat er in verschiedensten europäischen Städten gespielt, darunter Dublin und Amsterdam, meist auf Deutsch, manchmal auch auf Englisch. «In der Schweiz ist es viel schwieriger, denn hier sind die Gesetze, was Strassenkunst anbelangt, viel strikter als im Ausland.»

Darum ist er hier eher auf private Shows konzentriert. Neben dem Feuerschlucken jongliert er dabei mit Messern, Bällen und Keulen. Sein spezielles Kunststück: Er bringt es fertig, mit einer herunterfallenden Axt, die er zuvor auf dem Kopf balanciert hat, ein Aargauer Rüebli zu halbieren.

Besonders stolz ist er bei seiner Show darauf, dass er vom Schreiben der Nummern bis zum Booking und Management alles selber macht. Und vielleicht wird Kaspar Tribelhorn bald schweizweit bekannt sein, denn er will sich am Freitag, 14. November, in der Maag Music Hall in Zürich den Swiss Comedy Award sichern.

Das wäre die Krönung für den jungen Gaukler. «Wie lange ich das noch machen will, weiss ich nicht. Aber obwohl sehr viel Arbeit und so mancher Tiefschlag dahinter stecken, könnte ich mir momentan nichts Schöneres vorstellen.»

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