Bürgermotion
Seilziehen um Aaraus wichtigsten Park: Opponenten wehren sich gegen «Durchgangsort»

Der Bau eines neuen Zugangs zum «Kasino»-Parkhaus soll im letzten Moment verhindert werden. Opponenten befürchten, dass der Kasinopark von einem Ort des Verweilens zu einem Ort des reinen Durchgangs wird.

Urs Helbling
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Kasinopark Aarau

Kasinopark Aarau

Visualisierung durch Bürgermotionäre erstellt
So sieht der Park heute aus.

So sieht der Park heute aus.

Visualisierung durch Bürgermotionäre erstellt

Das «Kasino»-Parkhaus soll für 4,5 Millionen Franken saniert werden und zwischen der Stadtbibliothek und dem Oboussierhaus einen neuen Zugang erhalten. Das Baugesuch lag im Frühling auf. Es gab faktisch nur eine Einsprache (unterzeichnet von vier Personen). Nahezu die gleichen Personen versuchen nun, mittels einer gestern eingereichten Bürgermotion ihrem Anliegen Nachdruck zu verschaffen.

Sie sehen ihre Felle davonschwimmen. Denn: Obwohl von der Bauherrschaft (Parkhausbesitzer) anfänglich eine Einwenderverhandlung ausdrücklich gewollt war, kam es nie dazu. Im Gegenteil, die Opponenten haben den Eindruck, das Projekt solle nun im Eilzugtempo durchgedrückt werden. In der Tat wird erwartet, dass der Stadtrat die Baubewilligung in der zweiten Hälfte August erteilen wird – ohne vorher die Bedenken der Opponenten angehört zu haben.

Gesamtkonzept für Park nötig

Diese befürchten, dass der Kasinopark von einem Ort des Verweilens zu einem Ort des reinen Durchgangs wird. Damit der neue Zugang zum Parkhaus geschaffen werden kann, sollen Bäume gefällt, das Schachbrett und die zugehörigen Sitzgelegenheiten (Sitzstufen) entfernt und neue, intensiv beleuchtete Wege erstellt werden. Gleichzeitig würde das Gelände planiert.

Der moderne, behindertengerechte Zugang, der Parkhauspavillon, wird von den den Bürgermotionären nicht grundsätzlich infrage gestellt. Aber sein Standort zwischen den beiden historisch bedeutungsvollen Gebäuden. Und vor allem das Vorgehen: «Umfassende Änderungen vorzunehmen, ohne ein sorgfältiges, umfassendes Konzept für die zukünftige Entwicklung der Parkanlage erarbeitet zu haben und ohne die Bevölkerung darüber zu informieren, schafft Tatsachen, welche den Park konzeptlos neu definieren», heisst es in der Bürgermotion. Die Motionäre fordern, dass der Einwohnerrat ein «dringend notwendiges Konzept» in Auftrag gibt und ihm dieses später zur Genehmigung vorgelegt wird. 2003 hatte der Einwohnerrat die Entfernung des Bodenschachs mit 30 zu 13 Stimmen abgelehnt.

Dieser Park müsste Aarau mehr wert sein: den Kommentar zum Thema lesen Sie hier.

Bei der Stadt verweist man darauf, dass ein solches Konzept erstellt und von Stadtbild- und der Altstadtkommission abgesegnet worden sei. Eine Verschiebung des Parkhauspavillons weg vom jetzt geplanten Standort hin zum Aufgang Süd zwischen der Stadtbibliothek und dem «Starbucks» sei aus städtebaulicher und denkmalpflegerischer Sicht nicht machbar. Die Stadt selber ist nicht nur Baubewilligungsbehörde, sondern sie besitzt in der «Kasino»-Garage auch Parkplätze. Allerdings nur etwa eine Handvoll.

Die Bürgermotion wurde eingereicht von Marianne Blattner, Simone Silbereisen, Fiz Buck und Thomas Widmer.