Küttigen
Sechs Lehrpersonen haben im Frust gekündigt

Die Stimmung am Oberstufenschulhaus Stock ist schlecht: zu wenig Mitspracherecht, Rückhalt und Anerkennung. Sechs Lehrer haben deshalb auf Ende Schuljahr gekündigt. Die Schulleitung will nach den Sommerferien über die Bücher.

Veronica Schärer und Heidi Hess
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Exodus aus dem Schulhaus: Lehrerinnen und Lehrer bemängeln die schlechte Zusammenarbeit mit Schulleitung und Schulpflege

Exodus aus dem Schulhaus: Lehrerinnen und Lehrer bemängeln die schlechte Zusammenarbeit mit Schulleitung und Schulpflege

Keystone

Sechs Lehrer des Schulhauses Stock haben auf Ende Schuljahr gekündigt. Schnell fanden die Lehrkräfte eine neue Anstellung – schnell waren die Pensen, die es auf Stock zu decken gilt, wieder vergeben. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt trotzdem.

Auch in der jüngeren Vergangenheit wies die Oberstufe in Küttigen beim Lehrpersonal eine hohe Fluktuationsrate auf. Nun verlassen erneut sechs Lehrer das Schulhaus. Unter ihnen Pädagogen mit teilweise über 15 Jahren Unterrichtserfahrung an der Oberstufe Stock.

Die Nachfrage der az Aargauer Zeitung erhellt Hintergründe zur Kündigungswelle am Oberstufenschulhaus. Lehrpersonen werfen Schulleitung und Schulpflege bei folgenden Themen unbefriedigendes Handeln vor: Transparenz und Mitspracherecht, Rückhalt und Unterstützung, Teambildung, Kommunikation und Anerkennung der Arbeit der Lehrer.

Einige Lehrpersonen entschieden sich deshalb nach eingehender Diskussion für den Schritt an die Öffentlichkeit. Die Missstände bei der Zusammenarbeit zwischen Lehrpersonen und Schulleitung müssten bekannt gemacht werden. Die Lehrer, welche die Küttiger Kündigungswelle publik machen, wollen allerdings anonym bleiben.

Falsch verstandene Imagepflege

Den Schulbehörden wird vor allem falsch verstandene Imagepflege der Schule Küttigen vorgeworfen. «Es geht der Schulleitung und der Schulpflege darum, gut dazustehen», sagen die Lehrer. «Die Schule Küttigen ist gleich bei mehreren Reformen (beispielsweise integrative Schulung oder Schülerfeedback) zuvorderst dabei.» Die Behörden würden dies als Werbung für eine engagierte und fortschrittliche Schule nutzen. Gerade in diesem Bereich wären die Lehrer aber gerne in den Entscheidungsprozess eingebunden worden.

Weiter moniert ein Grossteil der Lehrpersonen zu wenig Wertschätzung, mangelndes Einfühlungsvermögen und schwer nachvollziehbare Entscheide der Schulpflege im Bereich Besoldung, etwa unterschiedliche Löhne bei fachlich identischer Qualifikation. «Die Schulpflege nimmt ihre Aufgabe als Anstellungsbehörde zu wenig wahr», sagen sie. Sie sagen auch, mit ihren Anliegen und in problematischen Situationen seien sie bei den Küttiger Schulbehörden auf taube Ohren gestossen. Die Vorwürfe der Lehrer an Schulpflege und Schulleitung sind happig.

Aussprachen brachten wenig

Dennoch ist das Engagement bei Lehrerinnen und Lehrern gross. Das verdeutlicht die externe Schulevaluation aus dem Jahre 2009/2010. Die Schule Küttigen hat in allen Punkten ein sehr gutes Feedback erhalten – ausser beim Betriebsklima.

Die Lehrkräfte betonen, sie hätten sich in Aussprachen lange bemüht, das Arbeitsklima zwischen Lehrern und Schulleitung zu verbessern. Eines der elementarsten Probleme sehen sie rückblickend in der mangelnden Kritikfähigkeit von Schulleitung und Schulpflege. «Wir haben Mühe, wenn die Schulleitung von den Lehrpersonen wertschätzende und unterstützende Arbeit mit Jugendlichen erwartet, sich aber im Umgang mit ihren Angestellten nicht an die eigenen Grundsätze hält.»

Das Schulhaus Stock zu verlassen fiel den Lehrkräften nicht leicht. Eine Lehrperson sagt: «Es bricht mir das Herz, meine jetzige Klasse zurückzulassen.» Perspektiven aber habe sie am Küttiger Oberstufenschulhaus für sich keine mehr gesehen, weder pädagogisch noch menschlich. Die Kündigung war daher die logische Konsequenz.

Schwer verständliche Vorwürfe

Daniela Marti, Schulpflegepräsidentin in Küttigen, spricht für die Schulpflege und die Schulleitung: «Wir bedauern diese Kündigungen (5 Teilzeit- und 1 Vollzeitstelle).» Man habe Verständnis, wenn sich Lehrer auch oder gerade nach einer langjährigen Anstellung neu orientieren wollten. Alle vakanten Stellen für das kommende Schuljahr seien besetzt.

Sie betont, die Vorwürfe und Äusserungen einer Gruppe von anonymen Lehrern seien in dieser Art schwer verständlich. Es bestehe ein Konzept für Gesprächsabläufe an der Schule – auch bei Beschwerden und Kritik. Schulpflege und Schulleitung würden sich in einem Spannungsfeld zwischen den Vorgaben des Gesetzgebers, der Lehrpersonen, der Eltern und der Schüler bewegen.

Allen gerecht zu werden, sei anspruchsvoll, werde aber von den Verantwortlichen gewissenhaft wahrgenommen, erklärt Schulpflegepräsidentin Marti und verspricht: «Die Schulführung wird die Problematik nach den Sommerferien intern angehen und aufarbeiten.»

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