Bis gestern sind beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt sechs Einsprachen gegen den Brückenneubau «Pont neuf» eingegangen. Das bestätigt Projektleiter Roberto Scappaticci.

Einer der Einsprecher ist FDP-Einwohnerrat Markus Meier, der sich schon vor der «Pont Neuf»-Abstimmung im Nein-Komitee engagiert hatte. Er wohnt an der Schiffländestrasse und ist deshalb einspracheberechtigt.

Meier bemängelt mehrere Punkte. Erstens fehlten bei der Projektauflage für die Baubewilligungen wichtige Dokumente, sagt er. «Zum Beispiel ein Bericht der Denkmalpflege, worin festgehalten ist, wie sich das Projekt auf das Ortsbild auswirkt.»

Aarau wurde ins Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgenommen; auch von dieser Seite fehle ein Gutachten, sagt Meier. Als Anwohner wolle er auch wissen, wie sich die breiteren Brückenpfeiler auf ein Hochwasser auswirken würden.

«Es braucht zudem aus meiner Sicht ein Umweltverträglichkeitsgutachten», sagt er. Und nicht zuletzt geht es ums Geld: Die Stadt müsste gut 10 Mio. Franken an das 30-Mio.-Projekt zahlen.

Der Kanton hatte beim Bund einen Zuschuss von insgesamt 10 Millionen aus dem Agglomerationsprogramm «AareLand» gefordert. Dieser lehnte ab, weil die Massnahmen für den Fuss- und Veloverkehr zu teuer seien im Bezug auf den Nutzen.

«Ich will wissen, wer nun für diesen fehlenden Betrag aufkommt», sagt Meier. Projektleiter Roberto Scappaticci sagt dazu, man habe den Bundesbeitrag gar nie fix einberechnet. «Hätten wir ihn erhalten, wäre die neue Brücke für Stadt und Kanton billiger geworden.»

In einem Interview mit Radio SRF sagte Markus Meier, mit gewissen Projektverbesserungen hätte man durchaus Chancen, doch noch Geld vom Bund zu bekommen. Dem hält Scappaticci entgegen: «Bundesgelder erhält man für die Aufwertung des Langsamverkehrs. Diesbezüglich haben wir gemacht, was machbar war.» So habe man unter anderem die Strassenfläche zugunsten der Langsamverkehrs-Fläche verkleinert.

Auch mit der Organisation Pro Velo Aarau stehen die Projektverantwortlichen in Kontakt, deren Verbesserungsvorschläge würden teilweise noch geprüft. Dennoch bleibe eine Brücke eine Brücke, sagt Scappaticci: Weitere Möglichkeiten für substanzielle Verbesserungen gebe es nicht.

Überhaupt sei es nicht oberstes Ziel des Projekts, Bundesgelder abzuschöpfen: «In erster Linie soll das Beste aus der bestehenden Situation herausgeholt werden. Das haben wir gemacht. Wenn es dazu noch Geld gegeben hätte, wäre das umso besser gewesen.»

Zweiter «Fall Stadion»?

Punkto Ortsbild sagt Scappaticci, die Denkmalpflege sei beim gesamten Planungsprozess dabei gewesen und habe ihre Anliegen durchgesetzt. Die Bausubstanz der alten Brücke selber sei nicht im Bundesinventar vermerkt und deshalb auch nicht geschützt.

Lediglich die Lage der Brücke ist im Inventar der historischen Verkehrswege festgelegt. Entsprechende Berichte lägen vor. Zudem sei auch ein hydraulisches Gutachten gemacht worden: Selbst ein hundertjährliches Hochwasser könnte die Brücke verkraften.

Eine Umweltverträglichkeitsprüfung brauche es per Gesetz nicht, auch wenn die Ufer an den Brückenköpfen stark verändert werden – weil es sich beim «Pont Neuf» um einen Ersatzbau handle, der keinen Mehrverkehr bringe.

Markus Meier verlangt indes ein Gutachten der eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission, «darauf haben sowohl die Befürworter als auch die Gegner des Projekts Anspruch».

Werden allfällig darin geforderte Massnahmen umgesetzt, verzichtet Meier auf einen Weiterzug der Beschwerde. Er will nicht wie der Stadiongegner als Verhinderer eines vom Volk genehmigten Projekts in die Aarauer Geschichte eingehen.