Homosexualität
Schwuler Patient fühlt sich nach Datenaufnahme im Spital diskriminiert

Das Kantonsspital Aarau akzeptierte den Zivilstand «in eingetragener Partnerschaft» eines Patienten nicht, weil er im System nicht ausgewählt werden konnte. Der Patient fühlte sich diskriminiert. Mittlerweile hat das KSA Änderungen vorgenommen.

Christine Fürst
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Christian Zimmermann konnte seine eingetragene Partnerschaft bei der Patientenaufnahme in Aarau nicht angeben.Kenneth Nars

Christian Zimmermann konnte seine eingetragene Partnerschaft bei der Patientenaufnahme in Aarau nicht angeben.Kenneth Nars

Kenneth Nars

Er hatte einen Termin zur Augenkontrolle im Kantonsspital Aarau, doch diese stand bald nicht mehr im Mittelpunkt. Christian Zimmermann musste sich bei der Patientenaufnahme melden, um dort seine bestehenden Daten überprüfen zu lassen. Er wollte dabei den Status «in eingetragener Partnerschaft» erfassen lassen. Denn am 6. März 2007 haben Zimmermann und sein Partner ihre Partnerschaft eintragen lassen.

Doch zum wiederholten Mal kann er den Status nicht eintragen lassen. Dies sei nicht möglich, weil man diesen Status im System nicht erfassen könne, bekam er als Antwort. «Das kann es nicht sein», sagt Zimmermann. Denn seit dem 1. Januar 2007 ist das Gesetz der eingetragenen Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare in Kraft.

«Ich fühle mich erniedrigt und diskriminiert, wenn ein Gesetz, das am 5. Juni 2005 vom Schweizer Stimmvolk angenommen wurde, wofür auch ich gekämpft habe, einfach nach acht Jahren Zeit nicht umgesetzt wird», sagt der 41-Jährige aus Däniken.

Man habe ihm dann vorgeschlagen, unter «Bemerkungen» die eingetragene Partnerschaft zu erwähnen, damit so Besuchs- und Auskunftsrecht geregelt wären. Nach mehrmaligem Hin und Her einigte man sich, den Status «verheiratet» anzugeben, «dies kommt meinem Zivilstand am nächsten», sagt Zimmermann.

KSA bedauert Vorfall

Das Kantonsspital Aarau bedauert diesen Vorfall: «Für uns ist es unerklärbar und heute auch nicht mehr nachvollziehbar, weshalb seinerzeit der Zivilstand ‹eingetragene Partnerschaft› per Gesetzesänderung 2007 nicht ins Patientenadministrations-System implementiert wurde», schreibt Mediensprecherin Andrea Hopmann auf Anfrage der Aargauer Zeitung.

Immerhin habe man unter «Bemerkungen» den Zivilstand richtig erfasst, so seien für den Patienten von der Rechtssituation her keine Nachteile entstanden. Der Zivilstand oder der Angehörigenstatus komme erst zum Tragen, «falls ein Patient urteilsunfähig ist und keine Patientenverfügung existiert».

Pink Cross kennt das Problem

Für Alicia Parel, die Geschäftsleiterin der Schweizerischen Schwulen-organisation Pink Cross, ist es nicht akzeptabel, dass es den Status «eingetragene Partnerschaft» oft nicht gibt. «Das Leben dieses Mannes wird so verneint», sagt sie.

Sie spricht dabei nicht von Diskriminierung, sondern von Hetero-Zentrismus. «Ich glaube, das ist nicht böse gemeint, aber wir leben in einer Welt, die hetero-zentriert ist», sagt sie. Nicht jede Organisation und nicht jeder Kanton habe seine EDV auf das neue Partnerschaftsgesetz angepasst und es komme immer wieder vor, dass Pink Cross deswegen kontaktiert werde. «Die EDV kann jedoch programmiert werden und lässt sich leicht anpassen», sagt Parel weiter.

Zivilstand ist nun im System

Deshalb ist auch für Christian Zimmermann klar: «Das KSA kommt nicht darum herum, eine Änderung vorzunehmen.» Denn er wolle sich in Zukunft nicht mehr diskriminiert fühlen, weil er seinen Zivilstand nicht angeben könne.

Dies ist inzwischen passiert: Nach dem Vorfall habe man das System im Kantonsspital Aarau umgehend angepasst. «Beim Erfassen des Zivilstandes kann nun auch ‹eingetragene Partnerschaft› ausgewählt werden», schreibt Hopmann.

Im Kantonsspital Baden kann man dies bereits seit 2010 angeben. «Bei den Eintrittsformalitäten kann im Kantonsspital Baden der Zivilstand ‹in eingetragener Partnerschaft› angegeben werden», sagt Marco Bellafiore, Mediensprecher des KSB.

Auch in der Steuererklärung des Kantons Aargau besteht seit 2008 die Möglichkeit, dass gleichgeschlechtliche Paare die eingetragene Partnerschaft angeben können.

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