Aarau

Schwerstarbeit über Aaraus Dächern am Maienzug-Vorabend

Die Altstadt von Aarau vom Oberturm herab fotografiert

Die Altstadt von Aarau vom Oberturm herab fotografiert

Von oben feine Glockentöne aus dem Oberturm, von unten die Märsche der Kadettenmusik, Rock und Kanonenschüsse. Der Auftakt des Maienzug-Vorabends aus der Vogelperspektive.

Dieter Werren langt in die Tasten, dass es nur so scheppert. Mit kurzer Verzögerung schlagen die Glocken, irgendwo hoch oben im Dachstuhl, tanzen an den Drähten. Es ist 18.33 Uhr, Zapfenstreich, der Auftakt zum Aarauer Maienzug.

Oben im Oberturm bearbeitet Werren in einem kleinen Kabäuschen das Glockenspiel, unten marschiert die Kadettenmusik durch die Tore, kleine schwarze Figürchen, der Fahnenträger vorneweg.

Die Trommelwirbel der Tambouren sind wohl zu sehen aus dem kleinen vergitterten Turmfenster, hören tut man sie vom hier oben aber kaum. Nicht zu überhören ist aber die ohrenbetäubende Rockmusik, die ein Barbetreiber laufen lässt – «obwohl bis 19 Uhr eigentlich keine Musik laufen dürfte», wie Werren zwischen zwei Stücken meint.

Wie dem auch sei; aufregenwill sich darüber eigentlich niemand. Schliesslich ist Maienzug-Vorabend, da gelten nun einmal eigene Regeln. Garniert wird dieses musikalische Querbeet von den Kanonenschüssen, die auf der Zinne bei der Stadtkirche abgefeuert werden.


Klavierkenntnisse sind von Vorteil


Seit rund 35 Jahren spielt Werren das Glockenspiel, das so genannte «Carillons». Nervös ist er kaum noch, auch nicht an wichtigen Tagen wie diesem. Dass ihm in diesem Moment eine bereits gut gefüllte Stadt zuhört, schreckt ihn nicht.

«Man darf sich das einfach nicht vorstellen, wie viele Leute einem zuhören.»Elf Glocken hat Werren zur Verfügung. Das ist nicht viel, das lässt wenig Spielraum. Improvisieren lautet das Motto, je nach Tonlage muss Werren Töne umschiffen.

«Wenn man Klavierspielen kann, dann ist das nicht so schwierig», sagt er. Ausserdem dürfe man nicht zu schnell spielen und zu viele Tasten auf einmal drücken.

Vor Werren steht deshalb ein dickes Buch mit Kinderliedern; die sind mit so wenig Tönen einfach zu spielen.Nach einer Viertelstunde ist es vorbei, schweissgebadet klappt Werren sein Notenbuch zu.

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