Bevor Gijtipong Thangsubutr mit der Presse reden kann, muss er erst noch einen Cappuccino giessen. Die Kundin hat nach dem Schweizermeister verlangt. Im Februar hat sich «Gap», wie der Barista genannt wird, den Titel errungen: Schweizer Meister in Latte-Art. Vielleicht sogar bald Weltmeister?

Es ist früher Abend in Aarau, Gap hat seine Schicht im Home Barista Shop an der Bahnhofstrasse erst begonnen. Für den Fotografen zaubert er rasch einen Schwan aus Kaffee und Milchschaum - immerhin das inoffizielle Wappentier Aaraus. Den Adler könnte er wahrscheinlich auch. Denn an der WM in Budapest im Juni wird er einen Turul giessen, Ungarns Nationalvogel.

Aargauer ist bester Schweizer Kafi-Künstler

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Beim Verzieren des Kaffees legt der 32-Jährige Gap Wert auf kleinste Details und wurde nun dafür mit dem Schweizermeistertitel in „Latte Art“ belohnt.

Wie entsteht eigentlich die Idee für ein Bild? «Man sucht sich ein Thema und fängt dann einfach mal an loszugiessen», erzählt Gap. «So entstehen neue Techniken und neue Muster. Das Sujet verändert sich während des Trainings. Ziel ist es, seinen Bildern die eigene Handschrift zu geben.»

Die Eltern des 32-Jährigen stammen aus Thailand. Er ist in Baden aufgewachsen, wo er heute noch lebt. Nach der Schule hatte er mit Kaffee noch nichts am Hut. Er absolvierte eine Lehre als Koch im Kantonsspital Baden, nach der Ausbildung zog es ihn nach Thailand. «Ich konnte in einem Fünfsternehotel arbeiten. Da habe ich auch die internationale Küche kennengelernt.»

Die Küchenchefausbildung erhielt er im Schweizer Militär, danach kochte er auf dem Golfplatz Otelfingen und im Manor Baden. Seine Barista-Karriere nahm dort seinen Anfang: «Wir haben im Manor eine neue Kaffeemaschine bekommen, eine Cimbali», erzählt Gap. «Auf dieser wurden wir geschult. Das hat mich neugierig gemacht.»

Eine Barista-Ausbildung schien naheliegend. «Aber ich war mir nicht sicher, ob ich nach zehn Berufsjahren als Koch noch mal von Null anfangen will.» Also entschloss sich Gap zu einem Experiment: Er reiste nach Chiang Mai in Nord-Thailand und arbeitete dort auf einer Kaffee-Plantage. «Das hat mir bestätigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin», erinnert er sich. «Die Bauern dort haben eine riesige Wertschätzung für den Kaffee. Auch mich hat er richtig gepackt: Seine Vielfalt, seine Aromen, sein Charme sind unvergleichlich.»

Noch von Thailand aus suchte Gap einen Job - und fand ihn beim Café Blaser in Bern, «dem Schweizer Kompetenzzentrum für Kaffee». Bald fing er an, sich an Barista- und Latte-Art-Wettbewerben mit anderen zu messen. Die ersten Erfolge stellten sich bald ein. Derzeit ist der junge Badener nicht nur Schweizer Latte-Art-Meister, sondern auch amtierender Tiroler Barista-Meister. Diesen Titel holte er sich während eines einjährigen Aufenthalts in München, wo er beim Röster Supremo eine Weiterbildung absolvierte.

Seit Anfang Jahr ist er zurück. Hier trainierte er auch für die Schweizer Meisterschaft. «Ich habe einen Monat vorher nicht gearbeitet, sondern nur noch trainiert», erzählt Gap. Etwa 400 Liter Milch hat er dafür gebraucht. «Im Prinzip geht es mit jeder Art von Milch, aber ich nehme Vollmilch.» Fürs WM-Training hat er 600 Liter einberechnet. Im Mai reist er zudem ins Tirol, um von einem ehemaligen Weltmeister zu lernen.

«Sie fragen mich jetzt sicher, wie ich meine Chancen an der WM einschätze», sagt Gap lachend. «Mein Ziel ist es, das Halbfinale zu erreichen. Doch das hängt von der Tagesform, der Milch und der Maschine ab.» Sein Chef im Home Barista Shop, Philippe Gacond, sieht ihn ganz weit vorne. Die Konkurrenz, rund drei Dutzend Teilnehmer aus aller Welt, ist stark. «Besonders die Asiaten», sagt Gap.

Im Moment büffelt Gap nicht nur für die Weltmeisterschaften, sondern auch für seine Wirteprüfung, die er demnächst ablegen wird. Denn sein grosser Traum ist ein eigenes Café. Die Region hat er schon festgelegt: Baden-Wettingen. Vielleicht wird es sogar etwas mehr als nur ein Gastrobetrieb - wenn er an den Weltmeisterschaften gut abschneidet, wären die Voraussetzungen ideal, um Schulungen anzubieten.

Bei all seinen Plänen kann Gap auf die Unterstützung seiner Familie zählen. Besonders seine Schwester und sein Schwager sind sein «Backoffice». «Sie glauben an mich und unterstützen mich, wo sie nur können.»