Gränichen

Schwank mutiert halbwegs zum Krimi

In der Bredouille: Anton Schmid (Roli Marti) kann sich unter den Tisch retten. Peter Weingartner

In der Bredouille: Anton Schmid (Roli Marti) kann sich unter den Tisch retten. Peter Weingartner

Dicht, spannend, witzig – das Theater Improvisorisch hält das Tempo hoch und begeistert sein Publikum.

«Megalustig! Genial!», sagt der 11-jährige Benjamin Eberle aus Rombach. Er ist mit seiner ganzen Familie in Gränichen am Theater. Das Theater Improvisorisch spielt «Liebesgrüsse aus Nippes», einen Schwank in drei Akten. Am Freitag war Premiere. Und Benjamin blieb mit seiner Meinung nicht allein.

Mit der Einspielung schmissiger Musik gehts los. Und dieser Einstieg verspricht nicht zu viel. Das Ensemble hält das Tempo hoch und damit den Unterhaltungswert. «Das zu erreichen, war eine der grössten Herausforderungen», sagt Co-Regisseurin Susanna Nyfeler nach der Premiere, sichtlich erleichtert und zufrieden. Längen gibts nicht; Schlag auf Schlag agieren und reagieren die sechs Schauspielenden, punktgenau erfolgen die Auftritte und die Ton-Einspielungen.

Worum gehts denn? Der Beamte Anton Schmid (Roli Marti) möchte sein Weekendhüsli am Türlersee renovieren; allein, es fehlt am nötigen Kleingeld. Also eröffnet er eine Firma für «diskrete Ermittlungen aller Art». Der erste Auftrag freilich bringt ihn bereits bös in die Bredouille, denn sein Freund Harry Schell (Marc Ribolla), Autor von unverlegten Thrillern, ist als Assistent nicht immer der Geschickteste. Immerhin, eins muss man ihm bescheinigen: Fantasie hat er. Und seine aus der Not geborenen Geschichten treiben wildeste Blüten, aber auch die Handlung voran. Und wie Lügengeschichten es so an sich haben: Ist man mal drin, wuchern sie weiter.

Komplikationen wie Eifersucht

Dass die erste Kundin der Detektei just die Frau des Verlegers Bert Widmer (Dirk Scharrenbach) ist, dem Harry sein neustes Werk, «Liebesgrüsse aus Nippes», unter dem Pseudonym Anton Schmid zugestellt hat, verkompliziert die Sache. Zumal Widmers Gattin (Theres Hediger) eine kurze gemeinsame Vergangenheit mit Oberdetektiv Anton Schmid hat und mit Eifersucht geschlagen ist, was auch auf Schmids Gattin (Eva Tschanz) zutrifft, die es mehr nach Spanien als an den Türlersee zieht.

Kommt dazu, dass Steffi Schmid (Morena Kleeb), Schmids Tochter, ohne Wissen ihrer Eltern Tanzkurse anbietet, für die sich der Verleger interessiert, weil er seiner Frau eine Geburtstagsüberraschung machen will. Bahnt sich da etwas an? Dabei hat doch Harry ein Auge auf Steffi geworfen. Das alles sind die Ingredienzien für eine Geschichte voller Turbulenzen und Missverständnisse.

Der Dreiakter von Peter Millowitsch und Barbara Schöller kennt auch den Wortwitz und die Situationskomik, und zusammen mit dem gekonnten Spiel, auch was Mimik und Gestik angeht, holt sich die Gruppe Spontanlacher, ja Gröler zu Hauf. Da sind Typen am Werk, die ihre komödiantischen Talente ausleben. Für Überraschungen ist gesorgt, denn was die Männer können, können auch die Frauen. Mit der letzten Pointe freilich hat niemand gerechnet.

Freude hat auch Gränichens Gemeindeammann Rolf Arber: «Sie machen das gut. Etwas Lustiges, das befreit.» Er geniesst das Spiel, das anders als im Fernsehen für Live-Stimmung sorgt. «Klein, aber herzig», sagt er. «Uns gefällt es, und es ist erstaunlich, was die Laien auf die Beine stellen. Da steckt viel Arbeit dahinter», sagt Karl-Heinz Eberle, Benjamins Vater. Auch Gattin Claudia, Florian (9) und Caroline (16) sind dieser Meinung. Sie sind zum zweiten Mal hier, auch weil sie zwei Schauspieler kennen. Und Benjamin möchte mal auf der Bühne stehen.

Seit 1981 haben die Gränicher Theaterleute 34 Stücke auf die Bühne gebracht. Im Mai gehe es bereits wieder los mit der Planung der nächsten Saison, sagt Susanna Nyfeler: «Was wollen wir spielen?» Die Idee: Alle, die mitspielen wollen, sollten die Möglichkeit dazu erhalten. Zuerst aber sind noch drei Vorstellungen von «Liebesgrüsse aus Nippes» zu sehen: am Freitag, 29. und Samstag, 30. April, jeweils um 20 Uhr und am Sonntag, 1. Mai um 14 Uhr in der Aula der Primarschule Gränichen. Reservationen: 079 650 02 48 oder www.improvisorisch.ch.

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