Aarau
Schulpflege-Ersatzwahl: Interesse zeigten nur die Insider

Die vier Kandidierenden für die Schulpflege-Ersatzwahl präsentierten sich an einem Podium.

Ueli Wild (Text und Fotos)
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Schulpflege-Kandidatinnen und -Kandidaten: Franziska Zimmerli Huber (SP), Sabine Wyss (parteilos), Nikolaus Wenger (parteilos), Michael Schibli (CVP).

Schulpflege-Kandidatinnen und -Kandidaten: Franziska Zimmerli Huber (SP), Sabine Wyss (parteilos), Nikolaus Wenger (parteilos), Michael Schibli (CVP).

Ueli Wild

Die zahlreichen Wahlplakate in der Stadt verscheuchen jeden Zweifel: Zwei Parteien kämpfen um den vakanten Sitz in der Aarauer Schulpflege. Die CVP möchte den durch den Tod von Emanuela Wertli frei gewordenen Sitz mit Michael Schibli behaupten. Die SP versucht, die Gunst der Stunde zu nutzen und mit Franziska Zimmerli Huber ein Mandat hinzuzugewinnen. Zudem preisen sich mit Sabine Wyss und Nikolaus Senger zwei Parteilose selber als kompetente Neubesetzung an. Eine komfortable Situation für Aarau, wenn man bedenkt, dass man anderswo manchmal froh wäre, wenn sich überhaupt jemand melden würde.

Wer die Wahl hat, hat – gelegentlich zumindest – auch die Qual, sich für jemanden entscheiden zu müssen. Um den Aarauer Stimmberechtigten die Wahl zu erleichtern, luden der Elternbeirat und der Elternverein zu einem Podium mit den vier Kandidierenden. Um es vorwegzunehmen: Die Möglichkeit, sich selber ein Bild zu machen, wurde kaum genutzt. Rund 20 Personen kamen in die Aula des Telli-Schulhauses, doch kaum jemand war dabei ohne Charge im schulischen oder politischen Bereich.

Erfahren hätte die Öffentlichkeit an diesem Abend vor allem, wie die Kandidierenden als Menschen ticken. Das war offensichtlich das Ziel von Moderator Walter Vogt, der seine Gesprächspartner kaum einen Satz beenden liess, ohne ihnen mit einer spontanen Ergänzung ins Wort zu fallen. So erfuhr man etwa, dass Sabine Wyss im Haushalt nie Unordnung aufkommen lässt, dass Franziska Zimmerli weniger Zeit fürs Schwimmen hat, wenn sie gewählt wird, und dass sich Michael Schibli diesbezüglich keine grossen Gedanken macht, weil er als selbstständiger Treuhänder seine Zeit ohnehin frei einteilen kann. Nicht dass sich Franziska Zimmerli wegen des Schwimmens Sorgen machen würde, aber der Gesprächsleiter hatte ja wissen wollen, was unter einer Wahl zu leiden hätte. Was den erwarteten Zeitaufwand angeht, waren sich die vier weitgehend einig: Etwa 10 Prozent, rund einen halben Tag pro Woche, am Anfang vielleicht etwas mehr, sagten sie übereinstimmend, würde sie das Amt wohl beanspruchen.

«Geschlecht spielt eine Rolle»

Natürlich kam die Geschlechterfrage aufs Tapet. Und selbstverständlich sagten beide Frauen, die spiele bei dieser Ersatzwahl schon eine Rolle. Im Moment gehören der Aarauer Schulpflege fünf Männer und eine Frau an. Was sollten da Michael Schibli und Nikolaus Senger antworten? War ihr Kandidieren nicht schon Antwort genug?

Alle vier, sagte Moderator Walter Vogt vorneweg, seien kompetent genug für das Amt. Mit Ausnahme des Treuhänders Michael Schibli (35), der sich aus dem Publikum das Prädikat «fachliches Alien» gefallen lassen musste und darob den Humor nicht verlor, konnten alle auf irgendeine Verbandelung mit dem Bildungswesen verweisen. Franziska Zimmerli (40), ursprünglich Primarlehrerin, studierte Erziehungswissenschaften und ist heute als Projektleiterin Höhere Berufsbildung bei Savoirsocial, der Schweizer Dachorganisation der Arbeitswelt Soziales, tätig. Sabine Wyss (48), über eine kaufmännische Grundausbildung und ein Masterstudium der Soziologie und der Geschlechterforschung zur ausgebildeten Mediatorin geworden, ist Eigentümerin einer Coaching- und Beratungsfirma. Einmal bewog ihre akademische Ausdrucksweise den Moderator zu einer Intervention: «Das tönt kompliziert!» Nikolaus Senger (39), anfänglich Primarlehrer, arbeitet nach einer Ausbildung in sozialer Arbeit als Berufsbeistand.

Aus dem Publikum wurden Franziska Zimmerli und Michael Schibli «als Parteivertreter» auf allfällige politische Karriereabsichten angesprochen. Auf gut Deutsch: Ist das angestrebte Schulpflegeamt nur ein Durchlauferhitzer für höhere politische Weihen? Da gilt es ehrlich und zugleich diplomatisch zu antworten, ohne sich die Zukunft kategorisch zu verbauen. Schibli meinte, die CVP habe jetzt jemanden für die Schulpflege gesucht. Zimmerli sagte, die Schulpflege sei sicher der richtige Ort für sie, sich zu engagieren. Ob es in diesem Fall von Vorteil sei, parteilos zu sein, wollte Walter Vogt von den beiden andern Kandidierenden wissen. Im Wahlkampf sicher nicht, liess Sabine Wyss durchblicken. Als Parteilose existiere sie in den Medien nicht. Nikolaus Senger räumte ein, es sei eher ein Vorteil, wenn man von einer Gruppe, einer Organisation getragen werde.

Die Frage nach der Kreisschule

Konkret wurde es, als Remi Bürgi, Geschäftsleiter der Schule Aarau, nach der Haltung zur geplanten Kreisschule Aarau-Buchs fragte. Klar die Antwort von Franziska Zimmerli: «Ja, die positiven Aspekte überwiegen.» Es sei ihr aber bewusst, dass sich die Schulpflege Aarau negativ geäussert habe. Bei Sabine Wyss erwies sich der langen Rede kurzer Sinn letztlich als ein vorsichtiges Ja. Nikolaus Senger zeigte sich skeptisch und gab zu erkennen, dass er noch keine Meinung habe. Wie Wyss wüsste er gerne, weshalb die Lehrer und die Schulpflege dagegen sind. Die Schulpflege habe ihr Nein klar begründet, stellte Michael Schibli fest. «Eine schwierige Frage» sei das, so Schibli weiter. Im Moment sei er «eher ein wenig dagegen». Allerdings spiele die Haltung zur Kreisschule Aarau-Buchs gar keine Rolle. «Die Schulpflege muss es ohnehin so nehmen, wie es dann kommt.»