Aarau
Schulleiter: «Habe nichts gegen grosse Kreisschule Aarau-Buchs-Rohr»

Vor 100 Tagen hat Remi Bürgi sein Amt als Geschäftsleiter der Schule Aarau angetreten. Die Schulraumplanung für die Umstellung sehr grossmehrheitlich aufgegleist. Die Schülerzahlen dürften in den nächsten Jahren stark zunehmen.

Katja Schlegel
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«Gefühlsmässig sind es nicht 100 Tage», sagt Remi Bürgi, Geschäftsleiter der Schule Aarau.Annika Bütschi

«Gefühlsmässig sind es nicht 100 Tage», sagt Remi Bürgi, Geschäftsleiter der Schule Aarau.Annika Bütschi

Annika Buetschi / AZ

Herr Bürgi, Sie sind heute seit genau 100 Tagen Geschäftsleiter der Schule Aarau. Fühlt es sich wie 100 Tage an oder doch eher wie Jahre?

Remi Bürgi: Gefühlsmässig sind es nicht 100 Tage. Es fühlt sich an, als wäre es immer so gewesen. Ich fühle mich sehr wohl.

Sind Sie angekommen?

Im Schulleitungsteam, bei der Schulpflege und im Sekretariat bin ich auf eine sehr gute, unterstützende und kooperative Art aufgenommen worden. Ja, auf der persönlichen Ebene bin ich angekommen.

Zur Person

Remi Bürgi, 1960 in Aarau geboren, ist ausgebildeter Primar- und Reallehrer und absolvierte ein Phil.-I-Studium in Basel und Lausanne in den Fächern Deutsch, Französisch und Latein. 1992 kehrte er nach Aarau zurück, wo er bis 2004 als Bezirksschullehrer arbeitete, davon vier Jahre als Rektor. In dieser Zeit liess er sich berufsbegleitend zum Schulleiter ausbilden.

Von 2004 bis 2008 war er Gesamtschulleiter der Schule Möhlin, von 2008 bis 2010 Lehrer und Schulleiter der Oberstufe Schönenwerd und bis 2013 Schulleiter der Sekundarschule Unteres Niederamt. Bürgi ist verheiratet, hat drei Töchter und lebt mit seiner Familie in Aarau. Er ist Mitglied der Heinerich-Wirri-Zunft, schraubt gern an seinem Oldtimer oder werkelt im Garten. (ksc)

Und auf der beruflichen Ebene?

Auf der sachlichen und fachlichen Ebene bin ich noch nicht überall so weit. Das sind so viele verschiedene Projekte, in die ich mich erst einarbeiten muss, beispielsweise die Schulraumplanung und die Umsetzung auf das System 6/3 mit 6 Jahren Primar und 3 Jahren Oberstufe. Auch wenn ich selber in Aarau wohne, gehen für mich immer wieder Türchen auf, von denen ich im Voraus nicht genau weiss, was ich dahinter vorfinde.

Eineinhalb Jahre lang hat man ungeduldig auf einen neuen Geschäftsleiter gewartet. Wie war die Erwartungshaltung Ihnen gegenüber?

Es war nicht so, dass die Stelle des Geschäftsleiters komplett verwaist war. Ich habe zwar von einigen Stellen gehört, dass man mit gewissen Projekten bis zum Zeitpunkt einer Neubesetzung zugewartet hat. Aber dank der Mehrarbeit, die die Schulleiter und Mitglieder der Schulpflege auf sich genommen haben, musste ich nicht in einen Krater springen.

Sie haben keinen Pendenzenberg vorgefunden?

Eigentlich nicht. Die wesentlichen Geschäfte, die damit zu tun haben, was die Schule leisten muss, um zu funktionieren, waren nicht zurückgestellt worden.

Sie konnten Ihre Kollegen aber entlasten?

Ja, natürlich. Die Vakanz war für alle eine Mehrbelastung. Ich höre immer wieder, dass man merke, dass ich hier bin. Darüber bin ich froh (lacht).

Wie leicht ist Ihnen der Wechsel von der kleinen Schule im solothurnischen Schönenwerd an die grosse Schule Aarau gefallen?

Ich merke immer wieder, dass ich fünf Jahre lang im Kanton Solothurn gearbeitet habe. Manchmal habe ich wegen der verschiedenen Bildungssysteme und der dazugehörigen Gesetze «es Gnusch im Fadechörbli».

Und der Grössenunterschied?

Es ist eine Frage der Organisation. Natürlich war die Schule in Schönenwerd kleiner. Aber in Aarau sind wir dank der Schulleistungspensen und der Situation, dass der Stadtrat Aarau die Finanzierung meine Stelle übernommen hat, in einer komfortablen Situation. Die Leute, die
die Schulhäuser vor Ort führen, haben anständige Ressourcen, diese zu leiten. Das entlastet mich von den Alltagsgeschäften in den Schulhäusern.

Welches sind Ihre Aufgaben?

Auf der Schulführungsebene, also zusammen mit der Schulpflege, haben wir uns sehr intensiv mit den Sparmassnahmen auseinandergesetzt. Ausserdem bin ich im Projektteam für die Schulorganisation Aarau und Buchs-Rohr. Meine Arbeit braucht es auch im personellen Bereich wegen der Umstellung auf 6/3.

Mit der Umstellung 6/3 und der Schulorganisation sprechen Sie zwei brennende Themen an. Sind Sie gewappnet für die Systemumstellung?

Das sind Projekte, in die ich jetzt reingerutscht bin. Aber die Vorarbeiten sind so geleistet worden, dass ich nicht im Dunklen tappe. Da sind wir auf gutem Weg. Es gilt noch ein paar Personalentscheide zu fällen, bei denen man schauen muss, was man mit den Pensen macht, die wegen der Reduktion der Oberstufenjahre nicht mehr zur Verfügung stehen.

Und die Schulraumplanung?

Die Schulraumplanung für die Umstellung ist grossmehrheitlich aufgegleist. Aber die Schulraumplanung wird uns weiterhin beschäftigen. Wir gehen davon aus, dass die Schülerzahlen in den nächsten Jahren stark zunehmen werden.

Stichwort Schülerzahlen: Wie steht es um den möglichen Zusammenschluss der Schulen Aarau und Buchs-Rohr?

Der Entscheid liegt nun auf der politischen Ebene und sollte demnächst fallen. Ein Projektteam hat die drei Varianten den politischen Behörden vorgelegt. Der Aarauer Stadtrat hat bereits darüber diskutiert. Das Resultat kenne ich aber nicht.

Wann rechnen Sie mit einem Entscheid? Immerhin wird seit Sommer 2011 darüber gerätselt.

Im politischen Fahrplan sind die Volksabstimmungen in Aarau und Buchs auf September 2014 terminiert. Dann wissen wir Näheres.

Welche Variante wäre Ihnen am liebsten?

Das Kernstück sind die Rohrer Kinder. Rohr gehört zu Aarau und wir brauchen eine Lösung, in dem die Rohrer Kinder in ein System eingebaut werden, in dem die Bedingungen und Voraussetzungen für sie erfüllt sind.

Das heisst im Klartext?

Ich hätte nichts dagegen, wenn wir eine grosse Kreisschule Aarau-Buchs-Rohr bilden würden.

Was würde das für Sie bedeuten?

Das kann ich heute noch nicht abschätzen. Der Zusammenschluss der Schulen ist das eine, eine schlanke und effiziente Organisation das andere. Das ist eine riesige Knacknuss.

Haben Sie langfristige Projekte?

Ich will ein paar Projekte aufgleisen, die nicht heute und morgen realisiert werden. Ich muss die Schärfe entwickeln, wo man Neues hineinbringen respektive Bestehendes weiterentwickeln könnte, beispielsweise betreffend Qualitätsmanagement. Und es gibt gewisse Bereiche, in denen wir gegen Aussen noch mehr als Einheit «Schule Aarau» auftreten müssen.

Nach der hohen Personalfluktuation im Herbst 2011 und während der Vakanz Ihrer Stelle war von verschiedenen Seiten zu hören, die Schule müsse endlich zur Ruhe kommen. Was heisst das?

Eine Schule kommt dann zur Ruhe, wenn die Strukturen, in denen sie sich bewegt, klar sind. Man muss dabei im Fall von Aarau zwischen dem Bereich der Schulhäuser als Einheit und den Bereich von Schulpflege und Schulleitung unterscheiden. Im Bereich der Schulhäuser war diese Frage nicht so delikat. Im Bereich Schulpflege und Schulleitung wurde die Unruhe durch die hohe Personalfluktuation auf Ebene Schulpflege und Schulleitung hervorgerufen.

Hat sich diese Nervosität gelegt?

Ja. Nervosität habe ich keine gespürt. Ich weiss auch nicht, ob es Nervosität war. Wenn eine Stelle nicht besetzt ist, die besetzt sein sollte, entsteht eine Unruhe. Irgendwo und von irgendwem müssen diese Arbeiten ja gemacht werden.