Aarau Rohr
Schulkinder müssen im Taxi zum Hort fahren

Jede Schule in Aarau hat ein Betreuungsangebot, nur im Stadtteil Rohr gibt es nichts. Deshalb müssen die dortigen Kinder mit dem Taxi in den Hort ins benachbarte Aarauer Quartier Telli gefahren werden.

Heidi Hess
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Ein Taxi-Chauffeur mit Kindern (Archiv/Symbolbild)

Ein Taxi-Chauffeur mit Kindern (Archiv/Symbolbild)

kus

Kurz vor zwölf Uhr mittags: Auf dem Parkplatz beim Brunnbachschulhaus hinter dem ehemaligen Gemeindehaus Rohr wartet ein Taxi. In wenigen Minuten, wenn die Schulglocke zur Mittagspause läutet, werden die Primarschüler aus dem Schulhaus stürmen – zwei davon Richtung Parkplatz. Der Taxichauffeur wird bereits die Türe geöffnet haben. Regelmässig fährt er sie mit dem Taxi in den Hort im Clubhaus Telli im Stadtteil Aarau. Im Taxi ist die Strecke Schulhaus-Hort kurz. Und doch zu lang und zu gefährlich für Schulkinder, die alleine zu Fuss unterwegs sind.

Bereits Teilangebot wäre schön

Rohr ist das einzige Schulhausquartier auf Aarauer Gemeindegebiet ohne familien- und schulergänzende Tagesstrukturen (FuSTA). Familien, die ein Betreuungsangebot benötigen, müssen in das benachbarte Quartier Telli ausweichen – eine Möglichkeit, die lediglich von zwei Kindern genutzt wird – oder ihre Betreuung privat organisieren. Eine Gruppe von Einwohnerräten aus Rohr möchte das ändern. Sie hat dazu im vergangenen Dezember eine Motion eingereicht, in welcher sie den Stadtrat beauftragt, «im Ortsteil Rohr sobald als möglich familien- und schulergänzende Tagesstrukturen» anzubieten.

Pro-Aarau-Einwohnerrätin und Hauptmotionärin Irene Bugmann Oelhafen sieht zwei mögliche Varianten: Zum einen ein umfassendes Betreuungsangebot mit Krippe, Hort und Mittagstisch, wie es in anderen Aarauer Quartieren bereits existiert. Zufrieden wäre man aber bereits mit einem Teilangebot lediglich für Schulkinder.

Die Frage nach dem Bedarf

«Der Bedarf dafür», sagt Bugmann, «ist vorhanden.» Sie und der mitunterzeichnende SP-Einwohnerrat Thomas Hächler würden immer wieder von Familien auf die fehlenden Tagesstrukturen in Rohr angesprochen. Die Motionäre beziehen sich auch auf die rege Bautätigkeit im Stadtteil Rohr: Neue Gebäude mit insgesamt gegen 300 Wohnungen seien in Rohr in jüngster Zeit gebaut worden oder bald bezugsbereit.

Immerhin wurde im August des letzten Jahres die private Kindertagesstätte Koalabär eröffnet, die von Montag bis Freitag elf Betreuungsplätze für Kinder im Alter von 3 Monaten bis 7 Jahren anbietet. Laut Website gibt es in dieser Krippe noch freie Plätze. In der privat organisierten Betreuungsstätte zahlen alle – ohne Rücksicht auf Einkommensunterschiede – die gleiche Tagespauschale.

Bibiane Saly, verantwortlich bei der Stadt für familienergänzende Tagesstrukturen, erklärt, dass sie immer wieder Anfragen aus Aarau Rohr erhalte. Zahlen könne sie allerdings keine nennen – darüber führe sie nicht Buch. Eltern mit Kleinkindern, die mit ihrer Anfrage an sie gelangten, verweise sie auf die Kindertagesstätte Koalabär in Rohr oder auf die subventionierten Einrichtungen in Aarau. Für die Rohrer Kindergarten- und Schulkinder stünden Plätze im subventionierten Hort im Clubhaus Telli zur Verfügung oder auch Tagesfamilien in Aarau Rohr.

Tatsächlich zu wenig Interesse?

Hansruedi Faes, Gesamtschulleiter der Kreisschule Buchs-Rohr, glaubt, hingegen dass das Interesse für FuSTA in Rohr eher gering sei. FuSTA sei in Rohr schon vor über einem Jahr Thema gewesen. Auf das Schuljahr 2010/11 hin seien Flyer verteilt worden für das Betreuungsangebot im Clubhaus Telli. Gerade mal zwei Rohrer Schulkinder nutzen dieses Angebot. «Es stimmt natürlich», gibt Faes zu bedenken, «eine Betreuungsmöglichkeit vor Ort wäre besser.»

Bibiane Saly sagt, eine Bedarfsabklärung sei nach der Fusion von Aarau mit Rohr im Januar 2010 gemacht worden. Die Ergebnisse würden in die Beantwortung der Motion durch den Stadtrat einfliessen. «Weil der Stadtrat dieses Geschäft noch nicht beschlossen hat», so Saly, «kann ich zur Zeit keine weiteren Angaben machen. Weder zu Kosten noch zu Räumlichkeiten.»

Geeignete Räume allerdings dürften vorhanden sein, meinen zumindest die Motionäre Bugmann Oelhafen und Hächler. Im benachbarten Gemeindehaus sei Platz. Zur Vermietung ausgeschrieben seien auch Räume im nahe gelegenen Quellenpark. Irene Bugmann Oelhafen hofft nun, dass eine Variante FuSTA Rohr nicht an die neue und jüngst hinaus gezögerte Schulorganisation zwischen der Kreisschule Buchs-Rohr und den Schulen Aarau gekoppelt werde. «Denn dann», sagt sie, «können wir warten, bis wir schwarz werden.»