Oberstufe
Schüler sind zu schlau: Verliert Küttigen seinen Oberstufenstandort?

Immer mehr Kinder gehen in die Bezirksschule nach Aarau. Der gemeindeeigenen Sekundar- und Realschule gehen deshalb die Schüler aus.

Nadja Rohner
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Heute hat Küttigen (hier das Schulhaus Stock) eine Primarschule, eine Sek und eine Real.

Heute hat Küttigen (hier das Schulhaus Stock) eine Primarschule, eine Sek und eine Real.

Sandra Ardizzone

Die gute Nachricht: Die Küttiger und Bibersteiner Kinder werden immer schlauer. Die schlechte Nachricht: Das kostet die Gemeinde Küttigen wahrscheinlich ihren Oberstufenstandort.

Doch der Reihe nach. Heute werden die Bezirksschülerinnen und -schüler aus Küttigen und Biberstein in Aarau unterrichtet. Die Sek- und Realschüler beider Gemeinden besuchen die Oberstufe Küttigen. Schon im September 2015 informierte der Kanton die Schulpflege darüber, dass der Oberstufenstandort ab Schuljahr 2017/18 gefährdet sei. Die gesetzlichen Vorgaben – je drei Klassen auf der Real- und Sekundarstufe, also mindestens sechs Abteilungen – liegen zu hoch. An der gestrigen Gemeindeversammlung verkündete der Gemeinderat nun die Hiobsbotschaft: Aufgrund der aktuellen Schülerzahlen und der Prognosen für die kommenden Jahre wird sich die gemeindeeigene Oberstufe tatsächlich nicht halten lassen.

Küttigen hat rund 6100 Einwohner, Biberstein 1500. Gemeinsam haben sie also in etwa die Einwohnerstärke von Buchs, dessen Oberstufenstandort laut dem dortigen Gemeinderat ebenfalls gefährdet ist. «Grundsätzlich wachsen sowohl Bevölkerung als auch Schülerzahlen», sagt Thomas Kaspar, im Küttiger Gemeinderat für die Schule zuständig. Die Schule Küttigen sei nicht klein, aber kurz- bis mittelfristig können die Mindestvorgaben des Kantons an der Oberstufe nicht mehr eingehalten werden. «Dies hat insbesondere auch damit zu tun, dass der Anteil an Real- und Sekundarschülern in Küttigen zurückgeht, der Anteil an Bezirksschülern hingegen wächst.» Tatsächlich zeigt ein Blick in die Statistik: In den letzten 10 Jahren ist der Anteil an Bezirksschülern der beiden Wohngemeinden um etwa 6 Prozent gestiegen. Er lag im September 2008 mit rund 39 Prozent am tiefsten und 2012 mit knapp 50 Prozent am höchsten.

Kreisschule? Lieber nicht

Nun müssen die Gemeinden entscheiden, wie es weitergeht. Schulpflege und Gemeinderat haben verschiedene Optionen geprüft. Die Variante «Selbstständiger Oberstufenstandort» fällt weg. Die «Weiterführung der Oberstufe mit einem besonderen pädagogischen Konzept» wurde ebenfalls geprüft. Damit seien beispielsweise altersdurchmischtes Lernen oder Mehrjahrgangsklassen gemeint, sagt Thomas Kaspar. Aber auch diese Idee musste ver-
worfen werden, «da seitens der kantonalen Behörden signalisiert wurde, dass auch für die Ressourcierung solcher Modelle die gleichen Grundlagen beziehungsweise Mindestschülerzahlen wie für einklassige Abteilungen gelten».

Im Gespräch war auch die Option, sich einer Kreisschule anzuschliessen oder eine solche zu bilden. Infrage gekommen wären eine Kreisschule Aarau-Buchs-Küttigen oder eine gemeinsame Kreisoberstufe mit der Schule Erzbachtal (Erlinsbach AG und SO). Doch der Gemeinderat kam zum Schluss, dass er dies nicht will. Thomas Kaspar erklärt: «Eine Kreisschule mit der Stadt Aarau und der Gemeinde Buchs, wie sie zurzeit geplant ist, würde aus Sicht des Gemeinderates zu einem Verlust von Gemeindeautonomie in einem sehr sensiblen Bereich führen – nämlich bei Primarschule und Kindergarten.» Bei einer Kreisschule müssten die kommunalen Schulbehörden aufgelöst werden, «was mit einem Verlust von Nähe zur Bevölkerung verbunden wäre». Zudem, so der Gemeinderat, «wäre die neu zu gründende Schule eine komplexe Organisation, der sich nicht nur auf strategischer, sondern auch auf operativer Ebene grosse Herausforderungen stellen».

Der Küttiger Gemeinderat hat nun mit den Aarauer Behörden Gespräche aufgenommen. Angestrebt wird von Küttiger Seite eine Vertragslösung, damit die Sek- und Realschüler wie bereits die Bezirksschüler in Aarau zur Schule gehen können.