Kein Kind ist wie das andere, das zeigt sich spätestens in der Schule: Das eine hat Mühe in Französisch, ein anderes ist musisch sehr begabt, ein drittes spricht kein Deutsch und das vierte braucht pädagogische Unterstützung. Um sie alle optimal fördern zu können, sollen Volksschulen ab 2020 ihre Ressourcen (das heisst: ihre Lektionen) individuell einteilen und auf die Bedürfnisse der einzelnen Klassen abstimmen können (az berichtete).

Dreissig Volksschulen haben sich beworben, um das neue System zu testen. Elf davon wurden ausgewählt. Darunter sind auch drei Schulen aus der Region: Hirschthal, Reinach und Rupperswil. Genauso unterschiedlich wie die drei Schulen sind auch die Gründe, weshalb sie sich freiwillig für das Projekt gemeldet haben.

«Wir sind gerne Teil dieser Pionierarbeit», sagt Martin Bolli, Schulleiter in Rupperswil. Er erhoffe sich durch das Projekt mehr Spielraum. Auch Christina Schwob, Schulleiterin der Schule Reinach, sieht dem Projekt positiv entgegen. «Wir hoffen, dadurch flexibler planen zu können.» Heute sei es nämlich ziemlich aufwändig, unterstützende Massnahmen zu bekommen. «Wenn ein Schüler spezielle Unterstützung braucht, geht das über den schulpsychologischen Dienst.

Es gibt einen runden Tisch, ein Antrag wird gestellt, Protokolle müssen geschrieben werden, und schliesslich entscheidet der Kanton, ob und wie viele Zusatzlektionen genehmigt werden.» Ausserdem müssten DaZ-Stunden (Deutsch als Zweitsprache) immer wieder neu bewilligt werden.

Unterschiedliche Beweggründe

Ab dem kommenden Schuljahr ist dies für die elf Versuchsschulen nicht mehr nötig. Für die Schule Reinach ein Gewinn. «Sehr viele unserer Schülerinnen und Schüler sind fremdsprachig und haben Probleme mit Deutsch», sagt Schulleiterin Christina Schwob. Deshalb seien die DaZ-Stunden sehr wichtig. «Wenn wir Handlungsbedarf sehen, können wir jetzt beispielsweise sagen, wir setzen mehr DaZ-Stunden ein und dafür weniger Heilpädagogikstunden. Oder wenn eine Klasse schwierig zu führen ist, können wir Stunden für Teamteaching einsetzen.»
Mehr DaZ-Stunden werden in Hirschthal (Ausländeranteil: 11 Prozent) wahrscheinlich nicht nötig sein.

Trotzdem hat die Schule grosses Interesse daran, die Lektionen selbst einteilen zu können. «Wir sind eine sehr kleine Schule mit schwankenden Schülerzahlen», sagt Schulleiterin Christine Fricker. Mit dem Globalbudget an Stunden sei man freier, die Lektionen den jeweiligen Klassen zuzuteilen. Ausserdem bringe die Methode noch einen weiteren wichtigen Vorteil. «Die Mindestgrösse für Schulklassen sind 15 Schüler. Wenn wir vorübergehend nur 14 Schüler in einem Jahrgang hatten, mussten wir bis jetzt eine Spezialbewilligung beim Kanton einholen.» Nun könne man selbst darüber entscheiden, ob diese Klassen weitergeführt werden.

An der Schule Rupperswil hat man sich zum Ziel gesetzt, im Rahmen des Projekts das Kind noch stärker ins Zentrum zu rücken. Die Schule Rupperswil ist eine IS-Schule. IS steht für integrative Schulung, was bedeutet, dass Schüler mit Lernschwächen oder sonstigen Schwierigkeiten sowie Hochbegabte integrativ mit ihren Gspänli unterrichtet werden. Deshalb spielen Heilpädagogiklektionen eine grosse Rolle.

Wie viele solcher Lektionen es geben wird, kann Schulleiter Martin Bolli noch nicht sagen. «Wir haben bereits heute Probleme, die Stellen mit Profis zu besetzen» Bei den Logopädie- und DaZ-Lektionen sei es nicht anders.
Auch in Reinach könnten gewisse Anlaufschwierigkeiten bei der Umsetzung des Projekts auftauchen. «Jeder Lehrer hat in seiner Klasse Schwierigkeiten», sagt Schulleiterin Christina Schwob. Wo genau mehr Stunden benötigt werden, sei deshalb nicht immer klar. Man werde mehr Gespräche führen müssen. Das bedeutet gerade für die Schulleitung einen grösseren Aufwand. Christina Schwob: «Trotz erwartetem Mehraufwand haben wir Ja gesagt. Das Projekt ist eine grosse Chance.»