Gestern Abend meldeten sich mehrere beunruhigte Eltern bei der az, nachdem sie offenbar von der Schule Aarau ein Schreiben erhalten haben. Der Brief, der das Logo der Schule und die Unterschrift des Geschäftsleiters trägt, wurde auch auf Facebook rege verbreitet.

Laut dem Schreiben hat am Montag ein Unbekannter beim Herzogplatz (Gönhard) einem Primarschulkind angeboten, es mit dem Auto nach Hause zu fahren. Der Mann habe dem Kind gesagt, er wisse, wo es wohne. «Das Kind reagierte richtig und rannte schreiend davon», heisst es in der Mitteilung der Schule. Sie beschreibt den Mann folgendermassen: Glatze mit blondem Haarkranz, ca. 40 Jahre Alt, blaue Jacke mit der Aufschrift «London», T-Shirt mit der Aufschrift «England».

Er soll in einem dunkelgrauen Peugeot unterwegs gewesen sein.
Die Schule ruft die Eltern dazu auf, mit den Kindern das Verhalten in solchen Fällen zu besprechen:«Die Kinder sollen schreiend wegrennen. Zudem empfiehlt es sich, dass die Kinder zu zweit oder in Gruppen unterwegs sind.»

In diesem Brief warnt die Schule Aarau Eltern vor einem Unbekannten.

In diesem Brief warnt die Schule Aarau Eltern vor einem Unbekannten.

Der Geschäftsführer der Schule Aarau, Remi Bürgi, war gestern Abend telefonisch nicht erreichbar. Auf Anfrage bestätigt die Kantonspolizei jedoch den Vorfall. «Bei unserem Posten in Aarau ging gestern am frühen Abend tatsächlich die Meldung einer Mutter ein, wonach ihr 7-jähriges Kind erzählt habe, von einem Mann angesprochen worden zu sein», sagt Mediensprecher Bernhard Graser. «Dies soll etwa um 12 Uhr beim Lebensmittelgeschäft an der Herzogstrasse passiert sein. Aufgrund der späten Meldung erübrigte sich eine Fahndung.»

Bloss keine Hysterie

Graser weist darauf hin, dass es für die Polizei schwierig sei, solche Aussagen von Kindern und deren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Dies nicht zuletzt daher, weil zunächst meist die Beobachtung und Aussage eines einzelnen Kindes im Raum stehe. «Allgemein sind solche Meldungen eher selten», sagt Graser weiter.

Noch seltener seien Fälle, in denen ein entsprechender Vorfall auch tatsächlich bestätigt und ein Täter überführt werden konnte. «Wir machen jedoch seit Jahren die Erfahrung, dass Medienberichte, Elternbriefe und reger Austausch in sozialen Medien dazu führen, dass sich ähnliche Meldungen sprunghaft zu häufen beginnen», so der Polizeisprecher. «Plötzlich sind überall Kinder, die von Unbekannten angesprochen worden sein wollen. Mehrfach entbrannte daraus die Jagd nach einem Phantom, welches vermutlich gar nie existierte.»

Die Schule solle zwar verständigt, Elternbriefe aber nur nach Rücksprache mit der Polizei verbreitet werden. «Wir warnen hingegen davor, Hysterie zu verbreiten, wie dies leider immer wieder vorkommt», sagt der Polizeisprecher. «Facebook-Posts mit dem Titel ‹Vorsicht Kinderschänder!‹ oder dergleichen nützen nichts, sondern steigern bloss die Verunsicherung aller Beteiligter.» Die Polizei gehe sämtlichen Meldungen soweit möglich nach. «Wir raten Eltern, ihren Kindern die Verhaltensregeln im Kontakt mit Unbekannten immer wieder einzuschärfen. Das Kind wird sich so in allen Situationen instinktiv richtig verhalten», sagt Graser.