In der Aarauer Telli, nur rund einen Kilometer voneinander entfernt, liegen die Berufsschule Aarau (BSA) und die Schule für Gestaltung. Sie sind in ganz unterschiedlichem Ausmass vom regierungsrätlichen Entscheid betroffen. Gemeinsam ist ihnen, dass der Kanton sie zu vermehrter Zusammenarbeit drängt – oder gar zu einer Fusion.

Für Paul Knoblauch, Rektor der BSA, ist das regierungsrätliche Standortkonzept für die Berufsfachschulen eine «Light-Version». Es sei zwar grundsätzlich besser, eine politisch durchsetzbare Variante zu präsentieren. «Aber ich stelle fest, dass regionalpolitische Belange teils höher gewichtet werden als die Qualität der Berufsbildung». Knoblauch plädiert schon länger dafür, die Berufsbildungskompetenzen eher zu zentralisieren als zu «pulverisieren», gerade im Bereich der Berufsmatura: «Das ist auch für die Lehrkräfte interessanter.»

Für die BSA habe der Entscheid des Regierungsrats «keine dramatischen Konsequenzen», so Knoblauch weiter. Die BSA verliert zwar schon auf den kommenden Sommer hin die Mediamatiker, sie gehen künftig nach Baden. «Das ist schon länger so beschlossen und wurde auch vom Berufsverband gefordert. Wir hätten die Mediamatiker zwar gern behalten, aber es macht grundsätzlich Sinn, die ICT-Berufe an einem Ort zu konzentrieren.»

Unter dem Strich hat die BSA künftig kaum weniger Schüler, denn aus Wohlen kommen die Bäcker (2-jährige Attestlehre und 3-jährige normale Lehre) und aus Rheinfelden die Montageelektriker. Letztere machen die 3-jährige Lehre, die als niederschwelligere Variante der vier Jahre dauernden Elektroinstallateur-Lehre. «Das erhöht die Durchlässigkeit an unserem Standort», hält Rektor Paul Knoblauch fest.

Auswirkungen, vor allem planerischer Natur, könnte ein anderer Entscheid des Regierungsrats haben: Die Schule für Gestaltung bleibt vorerst weiter bestehen, «erhält jedoch den Auftrag zur Zusammenarbeit mit der BSA mit dem mittelfristigen Ziel einer Fusion», wie sich der Regierungsrat in seiner Medienmitteilung ausdrückt. Bei der BSA nimmt man das vorderhand einfach zur Kenntnis. Rektor Paul Knoblauch betont, dass die beiden Schulen bereits heute gut zusammenarbeite, etwa im Bereich des Sportunterrichts. «Ob es künftig eine engere Zusammenarbeit oder eine Fusion gibt, wird sich zeigen. Wir sind für beides offen. Der Ball liegt nun beim Kanton und bei der Schule für Gestaltung.»

Angst vor Profil-Verlust

Bei letzterer besteht jedoch bereits eine dezidierte Haltung zu allfälligen Fusionsplänen mit der BSA: «Zusammenarbeiten und weitere Synergien nutzen? Ja. Fusionieren? Sicher nicht.» Das bestätigt die Präsidentin des Schulvorstandes, Gabriele Stemmer Obrist. Man sei zwar erleichtert, dass die Schule nicht per sofort fusioniert werden soll – der Kanton möchte das «mittelfristig» –, aber sie «wüsste nicht, was das der gestalterischen Bildung im Kanton Aargau bringen soll», so Stemmer.

In der Schule für Gestaltung, kurz «SfGA», werden bislang – auf Stufe Grundbildung – die Berufe Polygraf, Drucktechnologe, Verpackungstechnologe und Printmedienpraktiker unterrichtet. Die Schule werde heute als Kompetenzzentrum für Designberufe wahrgenommen, mit eigener Kultur und hervorragender Ausbildung, betont Gabriele Stemmer. «Als Teil einer grossen Berufsschule würde die SfGA ihr Profil verlieren.» Im Schuljahr 2017/2018 gingen bei der SfGA 206 Berufslernende ein und aus, bei der BSA waren es 2701. «Es macht keinen Sinn, dass der Kanton bei anderen Berufsfeldern Kompetenzzentren bilden will, und gleichzeitig die Schule für Gestaltung als bereits bestehendes Kompetenzzentrum in ein grösseres Gebilde integriert werden soll.» Sie sehe auch nicht, wo für den Kanton der Vorteil liegen würde: «Die massgeblichen Kosten entstehen durch die Lehrkräfte, und die bestehenden Lernenden müssen so oder so unterrichtet werden.»

Sehr erfreut zeigt sich Gabriele Stemmer aber darüber, dass der SfGA neu die Bekleidungsgestalter und -gestalterinnen zugewiesen werden.