Schule Entfelden
«Kein Flickwerk mehr»: Die Schule soll endlich ausgebaut werden, dafür setzt sich neu eine IG ein

Im November wird das Volk voraussichtlich über eine Aufstockung des blauen Oberstufenschulhauses in Oberentfelden abstimmen. Für die neu gegründete Gruppierung sei dies «der einzig richtige Weg».

Daniel Vizentini
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Die IG Schulraum Entfelden will eine zentralisierte Schule mit genügend Raum. «Meh Ruum för Schuel» lautet das Motto. Im Bild die IG-Vorsitzende und Lehrerin Brigitte Siegenthaler-Kyburz.

Die IG Schulraum Entfelden will eine zentralisierte Schule mit genügend Raum. «Meh Ruum för Schuel» lautet das Motto. Im Bild die IG-Vorsitzende und Lehrerin Brigitte Siegenthaler-Kyburz.

zvg

Seit Jahren baut die Schule Entfelden ein Schulhausprovisorium nach dem anderen, wirklich gelöst wurde das Problem mit dem fehlenden Schulraum aber nicht. Als erster Schritt für eine echte Verbesserung der Umstände ist nun eine Aufstockung des blauen Oberstufenschulhauses in Oberentfelden geplant.

Den Projektierungskredit dafür hat der Kreisschulrat letztes Jahr bewilligt. Acht bis zehn Millionen Franken könnte der Bau kosten, hiess es damals. Präzisere Angaben dürften nach den Sommerferien bekannt werden.

Das blaue Oberstufenschulhaus in Oberentfelden beherbergt heute die Sek und Real.

Das blaue Oberstufenschulhaus in Oberentfelden beherbergt heute die Sek und Real.

Britta Gut
(27.10.2020)

Sagt der Kreisschulrat im September Ja zu dieser Aufstockung, wird das Volk voraussichtlich im November darüber abstimmen. Und diese Abstimmung gilt es zu gewinnen – das ist das Ziel der neu gegründeten Interessengruppe (IG) Schulraum Entfelden, angeführt von der Lehrerin für Textiles und Technisches Gestalten, Brigitte Siegenthaler-Kyburz. Für sie ist der Fall klar: Provisorien seien keine nachhaltige Lösung, die Schule Entfelden müsse mit dem Flickwerk-Denken aufhören und wieder langfristiger denken.

Schon heute platzt die Schule aus allen Nähten, eine Primarschulklasse musste dieses Schuljahr gar im Foyer der Turnhalle unterrichtet werden. Wird kein neuer Schulraum geschaffen, fehlen in zehn Jahren voraussichtlich rund zehn Klassenzimmer, sagt die IG.

Diese befindet sich aktuell noch in den Startlöchern. «Zuerst sollen viele Gleichgesinnte ins Boot geholt werden. Danach ist es unser Ziel, die Bevölkerung aktiv zu informieren», sagt Brigitte Siegenthaler. «Man darf uns alles fragen. Wer sich engagieren will, darf sich gerne bei mir melden.» Bei der Volksabstimmung «benötigen wir jede Stimme».

Ein Debakel wie 2014, als sich das Volk gegen ein neues Primarschulhaus für 14,5 Millionen Franken aussprach, soll unter allen Umständen verhindert werden. Damals führte die Schule Entfelden 74 Schulklassen. Heute sind es 82, aktuell besuchen 1515 Kinder und Jugendliche die Schule – so viele wie nie zuvor, Tendenz weiter steigend. Diese Zahlen waren schon bei der verlorenen Abstimmung prognostiziert worden. Offenbar hat man diesen Prognosen aber nicht getraut. «Ich will jetzt deshalb vor allem Vertrauen in der Bevölkerung schaffen», sagt Brigitte Siegenthaler.

Bürogebäude von GE/Dreier als Schulraum für sie ein «ein No-Go»

Dass sie sich persönlich für mehr Schulraum einsetzt, hat auch mit ihrer Herkunft zu tun: Als Ur-Oberentfelderin erlebte sie als Schülerin die damalige Gründung der Bezirksschule, ihr Grossvater Gustav Kyburz hatte in den 1950er-Jahren beim Aufbau der Schulgebäude am Erlenweg mitgewirkt. Seit 1993 unterrichtet sie in Entfelden und kennt die Verhältnisse aus nächster Nähe. Aus ihrer Perspektive sind neue Schulbauten «der einzig richtige Weg».

Die vor allem vom Oberentfelder Gemeinderat verfolgte Idee einer Nutzung des leerstehenden Bürogebäudes von GE/Dreier als Schulraum kommt für sie höchstens «als provisorische Übergangslösung» während der Bauarbeiten beim blauen Oberstufenschulhaus in Frage. «Alle Schulhäuser müssen zentral liegen und für die Schülerinnen und Schüler möglichst sicher erreicht werden können», sagt sie.

«Ein Schulhaus in einer stark frequentierten Industriezone ist ein No-Go. Wer will sein Kind schon in einer Industriezone in die Schule schicken?»

Die Schulkinder müssten eine Hauptstrasse, eine Bahnlinie und eine Industriestrasse voller Lastwägen überqueren, um zur Schule zu gelangen. Für den Turnunterricht und andere Fächer müssten sie mit dem Velo schnellstmöglich wieder ins Schulzentrum fahren. Ohne Sicherheitsmassnahmen wäre ein Schulbetrieb dort kaum möglich, sagt Brigitte Siegenthaler. «Und auch diese werden etwas kosten.»

Das leerstehende Bürogebäude der GE, heute Dreier AG, könnte als Schulprovisorium teilvermietet werden.

Das leerstehende Bürogebäude der GE, heute Dreier AG, könnte als Schulprovisorium teilvermietet werden.

Urs Helbling (15.1.2021)

Für die wohlhabenden Steuerzahler, die Oberentfelden in den neuen Überbauungen wie etwa beim Tenniscenter anziehen will, dürfte eine definitive Oberstufe in einem Industriegebiet kaum attraktiv wirken. Für Unterentfelden könnte es zudem ein Argument sein, die noch im Raum stehende mögliche Fusion mit Aarau wohlwollender zu betrachten.