Völlige Finsternis herrscht in der Aula im Schulhaus Dorf in Gränichen. Schwarze Bretter und Blachen hängen vor den Türen und Fenstern, hier sieht man nichts. Dann setzt Musik ein, Schwarzlichtlampen werden eingeschaltet. Mitten auf der Bühne sieht man ein blau-weiss leuchtendes Ei. «Irgendwo in der Wüste liegt ein Entenei», hört man eine Erzählerin. Aus dem Ei schlüpft eine schwarze Ente mit grün leuchtenden Federn. Verzweifelt, alleine in der Wüste, ruft sie nach Hilfe. «Mayday, mayday, Roger, Roger!»

Im Dunkeln werden Handicaps ausgeblendet

Roger Federvieh heisst die Ente, zehn Jugendliche von zwei Oberstufenschulklassen der Heilpädagogischen Schule (HPS) Zetzwil spielen ihre Geschichte. «Es ist eine Liebesgeschichte, die Schüler sind schliesslich alle in der Pubertät», sagt Regisseur Urs Bircher. Über ein Jahr lang haben sie am fast einstündigen Stück gearbeitet. Die Requisiten wurden im Unterricht erstellt. «Die Schüler, die hier spielen, haben ein punktuelles Handicap. Im Theater blenden wir dieses aus und fördern ihre Fähigkeiten und Stärken.» Analog dazu werden in einem Schwarzlichttheater Dinge ausgeblendet oder hervorgehoben. Einzige Lichtquelle im völlig verdunkelten Raum sind Schwarzlichtlampen. Diese bringen weisse und neonfarbene Kleidungsstücke oder Gegenstände auf der Bühne zum Leuchten. «Im Dunkeln haben die Schüler weniger Hemmungen», sagt Bircher. Schwarz gekleidet, mit vereinzelten neonfarbenen Accessoires versehen, bewegen sie sich auf der Bühne. Sie spielen Schnecken, Muscheln, Tausendfüssler, Kakteen oder singende Wattebäusche. In einer Szene taucht die Ente Roger ins Meer und trifft auf eine Qualle. Blau leuchtende Seile werden bewegt, man wähnt sich unter Wasser.

Sprecher lesen Dialoge vor

«Mit behinderten Kindern zu arbeiten ist fantastisch. Am Anfang sind sie verängstigt, mit der Zeit blühen sie richtig auf», sagt Bircher. Vier Sprecher lesen im Stück die Dialoge live vor. Am Schluss endet alles mit Musik – natürlich mit dem Ententanz. Ente gut, alles gut.

Roger Federviehs turbulente Geschichte 30.11. und 7.12., 19 Uhr, Schule Gränichen