Erlinsbach

Schrottreifer Renault auf Privatparkplatz – vom Halter fehlt jede Spur

Seit anderthalb Jahren steht das Auto auf einem Privatgrundstück.  Bruno Kissling

Seit anderthalb Jahren steht das Auto auf einem Privatgrundstück. Bruno Kissling

Seit 1½ Jahren steht ein ausgedientes Fahrzeug auf einem Privatgrundstück – nun wird der Halter gesucht. Wird er nicht gefunden, bleiben diverse Kosten beim Kanton hängen.

«Betreffend widerrechtlich abgestelltes, ausgedientes Fahrzeug hat das Amt für Umwelt des Kantons Solothurn verfügt: Der unbekannte Halter hat den Renault 19 16V Cabriolet bis 13. Januar 2017 zu beseitigen», heisst es im Amtsblatt vom 23. Dezember 2016. Es handelt sich dabei um ein Auto ohne Nummernschild, welches seit rund 1½ Jahren an der Hauptstrasse 60 in Erlinsbach SO steht. Der Halter des Fahrzeugs ist unbekannt.

Normalerweise kann die Polizei in solchen Fällen anhand der Fahrgestellnummer ausfindig machen, wer der letzte Besitzer des Autos gewesen ist. Beim schwarzen Renault in Erlinsbach konnte die Fahrgestellnummer jedoch niemandem zugeordnet werden: «Das könnte darauf hindeuten, dass jemand das Auto aus dem Ausland in die Schweiz gebracht hat und stehen gelassen hat. Bei ausländischen Fahrzeugen kann man den Besitzer nicht einfach zurückverfolgen», erklärt Stefan Gyr, Leiter des Schadendiensts beim kantonalen Amt für Umwelt. Dass ausgediente Fahrzeuge in der Schweiz abgestellt werden, geschehe laut Gyr regelmässig. Meistens liege es daran, dass die Halter der Autos die Kosten für die Entsorgung nicht tragen wollen.

Kanton trägt Kosten

Ebendiese drohen dem Halter jedoch, sollte er oder sie sich nicht fristgerecht um die Beseitigung des Fahrzeugs kümmern. In diesem Fall müsste sich nämlich das Amt für Umwelt um das Auto kümmern, wie Gyr erklärt: «Beseitigen bedeutet für uns: Entsorgen. Wir beauftragen eine Firma, die das Fahrzeug abtransportiert und entsorgt.»

Verwerten oder verkaufen kann das Amt für Umwelt die ausgedienten Fahrzeuge im Normalfall nicht, denn oft sind diese in sehr schlechtem Zustand. Auch in diesem Fall ist ersichtlich, dass das Auto nicht mehr zu brauchen ist: Fehlende Teile, eine verbeulte Carrosserie und rostende Felgen deuten deutlich darauf hin, dass es sich um ein schrottreifes Fahrzeug handelt. Auch das Wetter, welchem das Auto seit 1½ Jahren ausgesetzt ist, hat seine Spuren hinterlassen. Der Renault wird also wohl oder übel in der Schrottpresse landen. Zusätzlich zu den Entsorgungskosten kämen für den Halter die Verfahrenskosten für die Verfügung von 150 Franken hinzu.

Dass der Halter diese Kosten tatsächlich tragen wird, ist jedoch eher unwahrscheinlich. Obwohl relativ viele Ausschreibungen dieser Art im Amtsblatt erscheinen, melde sich laut Gyr kaum jemand auf diese. «Es gibt im Kanton Solothurn jährlich ungefähr 20 widerrechtlich abgestellte Autos, auf deren Ausschreibung im Amtsblatt niemand reagiert. Die Kosten muss jeweils der Kanton tragen», so Gyr. Er habe in seiner Amtszeit selber noch keine Ausschreibung erlebt, bei der die gesuchte Person gefunden wurde.

Auf Privatgrundstück abgestellt

Der Fall Erlinsbach scheint denjenigen anderer ausgedienter und stehengelassener Fahrzeuge also grösstenteils zu ähneln. Ein Unterschied besteht jedoch: Dass das Auto schon über ein Jahr auf dem Parkplatz steht, ist eher ungewöhnlich. Normalerweise dauere es laut
Stefan Gyr ungefähr eine Woche, bis ausgediente Fahrzeuge im Amtsblatt ausgeschrieben werden. Nach der abgelaufenen Frist vergeht erneut eine Woche, bis dann das Auto verschwunden ist.

Der Erlinsbacher Renault wurde jedoch erst nach 1½ Jahren bei der Polizei gemeldet – und das, obwohl er auf dem Parkplatz eines Privatgrundstücks steht. Weshalb der Besitzer des Hauses mit der Meldung so lange gewartet hat, ist unklar. Was hingegen klar ist: Lange muss der Besitzer des Grundstücks nicht mehr mit dem Renault leben, denn spätestens Ende Januar startet dessen letzte Fahrt – zur Schrottpresse.

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