Gränichen
Schriftstellerin wird vom Verlag über den Tisch gezogen

Für Hobbyschriftstellerin Janine Widmer ging ein Traum in Erfüllung, als sie einen Verlag fand, der ihr Manuskript verlegte. Doch dann wurde daraus ein Albtraum.

Carolin Frei (text und Foto)
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Einen Verlag gefunden – und wieder verloren: Janine Widmer.

Einen Verlag gefunden – und wieder verloren: Janine Widmer.

Carolin Frei

«Anfang Januar ist eine kleine Welt für mich zusammengebrochen», sagt Janine Widmer aus Gränichen. «Mein Verlag in Deutschland hat Insolvenz angemeldet.» Dies wurde der jungen Frau vom Anwalt mitgeteilt, der von Amtes wegen das Insolvenzverfahren durchführt.

Von ihm hat sie erfahren, dass sie ihren Vertrag mit dem Verlag sofort kündigen muss. «Nur so komme ich auf die Liste der geprellten Kunden.» Das hat Janine Widmer nun erledigt. Mehr Zeit und Energie will sie jedoch nicht mehr in diese leidige Sache stecken. Eine Sache, die einst glücklich begann.

Glücklich und stolz habe sie vor zwei Jahren ein Exemplar ihres ersten veröffentlichten Romans in Händen gehalten, erinnert sich Janine Widmer. Doch die Freude hielt nicht allzu lange an. Nach ein paar Monaten fragte die Hobbyschriftstellerin beim deutschen Verlag nach, wie sich der Verkauf ihres Buches entwickle.

«Man vertröstete mich, meinte, die Vermarktung brauche Zeit. Also übte ich mich in Geduld», sagt die 30-Jährige. Und weil Schreiben nun mal ihre grosse Leidenschaft ist, nahm sie ein zweites Buch in Angriff. Nach nur sechs Monaten war auch der zweite Roman geboren, das Manuskript ihrem deutschen Verlag übergeben. «An Vertröstungen seitens des Verlags hatte ich mich inzwischen «gewöhnt».

Herstellung selber berappt

Ich ging wirklich davon aus, dass eine Buchplatzierung ein langwieriger Prozess sei», erinnert sich Widmer. Doch irgendwann platzte ihr der Kragen, sie verlangte vom Verlag, dass man die Verkaufszahlen offen lege und das längst fällige Honorar an sie überweise. «Der Verlag war seinerzeit nur zu gerne bereit, mein Manuskript zu verlegen.»

Allerdings musste die junge Frau die Herstellungskosten von 1500 Franken selber berappen. «Bei erfolgreichen Verkaufszahlen wäre mir dann ein Honorar in dieser Höhe zugestanden», sagt sie. Nur deshalb habe sie sich auf diesen Vertrag eingelassen. Gleich zweimal. Anfang dieses Jahres ging nun ein Einschreiben mit klaren Forderungen an den Verlag. Doch der Brief kam zurück – unzustellbar. Danach kam der Anwalt ins Spiel.

Ein Happy End ist nicht wirklich in Sicht. Doch Janine Widmer lässt sich nicht unterkriegen. «Ich habe immer gerne gelesen und geschrieben, all meine Geschichten aber nie beendet. Als ich 25 Jahre alt war, hat sich dies schlagartig geändert – für meine Kurzgeschichten fand ich nun plötzlich auch ein Ende.»

Das sei der Startschuss für ihren ersten Roman «Eine zweite Chance?» gewesen. Themen rund um die Tierwelt, Natur, den Regenwald und Afrika haben Janine Widmer schon von Kindsbeinen an interessiert.

Kein Wunder, dass sie dies alles in ihr Manuskript packte und Realität und Fiktion miteinander verwob. «Die Menschen bleiben in ihrer kleinen Welt stecken. Die Probleme rundherum, die uns alle angehen, blenden sie einfach aus.»

Auch ihr zweites Buch «Mobbing» basiert auf Erfahrungen aus ihrem Umfeld. Ihre Protagonistin ist ein Mädchen im Teenageralter, das Mobbing am eigenen Leib erfährt. Im Elternhaus wird ihr Problem nicht wirklich ernst genommen, und auch sonst fühlt sie sich allein gelassen. Mit unschönem Ausgang.

Liebesgeschichte in Planung

Ein neues Buch – eine Liebesgeschichte – ist bereits in Planung. Wann immer es die Zeit abends erlaubt, setzt sich die gelernte Gärtnerin an den Computer und lässt den Gedanken freien Lauf. «Ich hatte bei den ersten beiden Büchern sozusagen einen Film im Kopf, den ich nur niederschreiben musste», sagt sie.

An ihr drittes Werk geht sie nun strukturierter heran, wird Notizen zu Hilfe nehmen. Unterstützung, ihre Leidenschaft zu leben, bekommt sie von ihrem Partner Marc, den Eltern und ihrem Freundeskreis. Im Juli gibts etwas zu feiern, das nichts mit Schreiben zu tun hat. «Ich werde auf Schloss Liebegg heiraten.» Deshalb muss das neue Buchprojekt etwas zurückstehen – aber nicht für allzu lange.