Küttigen-Fusion
«Schreckgespenst»: SVP-Grossrat Wehrli beleidigt SP-Präsidentin

In einem Leserbrief an die Aargauer Zeitung schreibt SVP-Grossrat Daniel Wehrli über die Küttiger Fusion. Dabei sei das Schreckgespenst nicht nur die Fusion, sondern auch SP-Präsidentin Marianne Schmid. Weil sie gegen einen Entscheid ankämpft.

Hubert Keller
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Knatsch in Küttigen: SVP-Grossrat Daniel Wehrli beleidigt SP-Präsidentin Marianne Schmid

Knatsch in Küttigen: SVP-Grossrat Daniel Wehrli beleidigt SP-Präsidentin Marianne Schmid

AZ

«Das Schreckgespenst ist nicht die Fusion mit Aarau, sondern SP-Präsidentin Marianne Schmid», schreibt SVP-Grossrat Daniel Wehrli in seinem Leserbrief auf diesen Artikel. (Leserbrief in der az vom Samstag, 21.12.).

Dieser persönliche Angriff hat viele Leser-Reaktionen ausgelöst. «Eine Person als Schreckgespenst, ja sogar als Einwohnerin zweiter Klasse, weil nicht Ortsbürgerin, zu titulieren, sollte ein engagierter Grossrat und Bürger der Gemeinde Küttigen unterlassen», schreibt Mathias Schmutz an die az-Leserbriefredaktion.

«An der Gemeindeversammlung vom 4. Dezember ist es mitnichten um einen Fusionsentscheid gegangen, sondern darum, ob die Gemeinde 13 000 Franken in ein Projekt investieren soll, mit dem mögliche Synergien mit Aarau und Nachbargemeinden überprüft werden sollen», schreibt Mathias Schmutz weiter.

Mit 110 gegen 86 Stimmen

Die Vorgeschichte: Am 4. Dezember hatte die Gemeindeversammlung die Teilnahme am Projekt «Zukunftsraum Aarau» mit 110 gegen 86 Stimmen abgelehnt.

In der Start- und Vorbereitungsphase des Projekts war auch Küttigen noch mit von der Partie, während Buchs und Gränichen von Anfang an die Beteiligung verweigerten.

In der nächsten Etappe, wofür Küttigen die erwähnte Kostenbeteiligung sprechen müsste, sollen die Optionen zur Stärkung des funktionalen Raums Aarau geprüft werden: verstärkte Kooperation oder Fusion.

Das Projekt «Zukunftsraum Aarau» lässt grundsätzlich jedes Ergebnis zu. Ganz abgesehen davon, dass am Schluss die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger jeder einzelnen Gemeinde über ihr Schicksal entscheiden.

«Als bald 1000-jähriges Dorf wollen wir eigenständig bleiben», argumentierte Daniel Wehrli in seinem Leserbrief.

Er beruft sich auf die Bürgerinnen und Bürger, die schon 40 bis 80 Jahre in Küttigen wohnten und die an der Gemeindeversammlung entschieden hätten, selbstständig zu bleiben.

«Haben also die alteingesessenen Küttiger mehr Rechte als die zugezogenen?», fragt Leser Stefan Meichssner.

Der seit 17 Jahren in Küttigen wohnhaften SP-Präsidentin spreche Wehrli das Recht ab, sich politisch für das Dorf zu engagieren.

«Nach dieser Logik», schreibt Meichssner, «müsste ich, der ich mit meiner Familie erst fünf Jahre in Rombach wohne, erst recht den Mund halten. Brav die Steuern zahlen, aber ansonsten bitte die tausendjährige Idylle nicht stören.»

«Fairplay auch in der Politik»

Mit der «gehässigen Attacke» gegen die SP-Präsidentin setze sich der Küttiger SVP-Grossrat und seine Partei ins Abseits, schreibt mit Martin Berchtold ein weitere Leser.

Das Referendum gehöre zu den demokratischen Grundrechten. Mit ihrer Unterschrift zum Referendum zeigten die Stimmbürger, dass sie ihre demokratischen Rechte verteidigen wollten.

Auch Katrin Zogg Bircher verurteilt die Wortwahl von Daniel Wehrli «aufs Schärfste». Das gehöre sich nicht, es sei respektlos.

Wie im Sport, gelte Fairplay auch in der Politik. Leserin Graziella Wirth meint: «Ich befürworte die Eigenständigkeit der Gemeinde.

Deshalb finde ich es wichtig, dass wir unsere Meinung zugunsten von Küttigen-Rombach im ‹Zukunftsraum Aarau› einbringen können.» Sie unterzeichne deshalb das Referendum «aus Überzeugung».

«Ich wünsche, dass sich unser schönes Dorf zum Wohle aller weiterentwickelt», schreibt Stefan Meichssner.

Wahrscheinlich werde sich ja zeigen, dass ein Zusammenschluss mit anderen Gemeinden sinnvoll wäre, da Küttigen unter anderem in Bezug auf Steuern, Behörden, Schulen, ausserschulische Kinderbetreuung im regionalen Vergleich gar nicht so gut dastehe.