Aarau

Schon wieder sparen: «Es trifft die Falschen», sagt die Leiterin der Stadtbibliothek

Lilo Moser, Leiterin der Stadtbibliothek, ärgert sich über das Urteil.

Lilo Moser, Leiterin der Stadtbibliothek, ärgert sich über das Urteil.

Bibliotheken sollen künftig zusätzliche Abgaben an die Autoren bezahlen. Das stellt auch die Aarauer Stadtbibliothek vor Probleme. Kurzfristige Sparmassnahmen werden in Betracht gezogen, denn eine langfristige Lösung braucht eine lange Anlaufzeit.

Ein Urteil des eidgenössischen Schiedsgerichts bringt die Schweizer Bibliotheken in Bedrängnis. Künftig müssen diese deutlich höhere Beiträge an die Urheberrechtsgesellschaft Pro Litteris bezahlen. Das bringt auch die Aarauer Stadtbibliothek unter Druck. «Wir haben überhaupt keine Freude an diesem Urteil», sagt Gesamtleiterin Lilo Moser. «Wir stehen immer unter finanziellem Druck, kämpfen um jeden Franken – und jetzt trifft es uns schon wieder.»

Der Betrag, den Autoren künftig für die Ausleihe ihrer Bücher bekommen sollen, ist auf den ersten Blick nicht gross. Neun Prozent der Hälfte der über Kundenbeiträge erwirtschafteten Mittel werden fällig. Das macht pro erwachsenen Bibliotheksnutzer aus Aarau (oder einer der Beitragsgemeinden) mit einem Jahresabo von 40 Franken genau 1.80 Franken. Für Auswärtige mit einer Jahresgebühr von 75 Franken sind es rund 3.38 Franken.

Im Einzelnen Beträge, die nicht schmerzen. In der Summe aber schon. Lilo Moser rechnet bei jährlichen Abo-Einnahmen von rund 250'000 Franken mit rund 11'250 Franken Mehrauslagen. Und das zusätzlich zu den rund 5000 Franken Gebühren, die die Stadtbibliothek heute schon für die Einzelausleihe von DVD und Bestseller (+ 3 Franken pro Titel) an Pro Litteris ausrichtet.

Was das für Folgen haben könnte

Mehrauslagen von gut 11'000 Franken, das verkraftet die Stadtbibliothek nicht einfach so. «Ohne neue Zusatzeinnahmen oder dem Streichen von Angeboten können wir das nicht stemmen», sagt Lilo Moser. Das heisst konkret: Entweder Abo-Preise erhöhen oder weniger neue Medien einkaufen. «Beides kann zur Folge haben, dass wir Kunden verlieren. Das Gefüge einer Bibliothek ist fragil.» Die dritte Variante, die Erhöhung der Beiträge der öffentlichen Hand, ist nicht auf die Schnelle realisierbar. «Bis das in Aarau mit dem Einwohnerrat alle Instanzen genommen hat, dauert es», sagt Moser. Die Einführung der neuen Gebührenregelung von Pro Litteris soll aber schrittweise bereits ab diesem Jahr erfolgen, voll in Kraft wäre sie ab 2021. Es bleibt also nur eine kurzfristige Sparoption – welche es sein wird, weiss Lilo Moser noch nicht.

Die grosse Ungerechtigkeit in den Augen von Lilo Moser: Das neue Urteil trifft vor allem Gemeinde- und Stadtbibliotheken, die schon heute dazu gezwungen werden, mittels Gebühren selber Einnahmen zu generieren. Wissenschaftliche Bibliotheken oder solche, die ihre Bücher kostenlos verleihen, sind von der Regelung nicht betroffen. Das ärgert Moser. «Ausgerechnet die wissenschaftlichen Bibliotheken, die dank der Universitäten im Rücken deutlich weniger finanzielle Sorgen haben, werden davon ausgenommen. Das ist nicht fair.»

Dass Autoren dafür entschädigt werden, dass ihre Bücher gelesen werden, dagegen hat Moser grundsätzlich nichts einzuwenden. «Aber auch hier bezahlen die Falschen», sagt sie. «Bibliotheken tragen ja dazu bei, dass die Bevölkerung mehr liest. Und wer liest, leiht Bücher nicht nur aus, er kauft auch welche. Davon profitieren wieder die Autoren.» 

Meistgesehen

Artboard 1