Man könnte meinen, die Kantonspolizei habe die Medienmitteilung aus Versehen doppelt abgeschickt, aber nein: Auf der Staffeleggstrasse ist es gleich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu einem Unfall gekommen, und zwar nur wenige hundert Meter voneinander entfernt, Ausgangs Densbüren.

Am Montagnachmittag kurz nach 16.30 Uhr war ein Mazedonier (26) in seinem «leistungsstarken grauen BMW» – so die Kapo – bergwärts unterwegs, als er die Herrschaft über sein Fahrzeug verlor und von der Strasse abkam.

Und am Mittwoch ereilte einen Deutschen (37) mit seinem VW Polo ein ähnliches Schicksal: Über Mittag fuhr er von der Passhöhe herkommend zu schnell in eine enge Rechtskurve und verlor die Herrschaft über sein Auto. Es prallte zunächst gegen die Steinkörbe am rechten Strassenrand, schleuderte über die Strasse und die Böschung hinab. Nach mehrfachem Überschlagen blieb das Auto 30 Meter unterhalb der Strasse stehen. Beide Male wurden die Fahrzeuge (und die Steinkörbe) beschädigt, die Fahrer blieben unverletzt.

Ein Dutzend Unfälle

Es sind bei weitem nicht die ersten Unfälle, die sich auf der Staffeleggstrasse dieses Jahr ereignen. Die Kantonspolizei führt rund ein Dutzend gemeldeter Unfälle in ihrem Journal (für den gesamten Strassenabschnitt von Densbüren bis zum Horen-Kreisel in Küttigen).

Immerhin gab es heuer – im Gegensatz zu Vorjahren – keine Schwerverletzten oder gar Toten. Handelt es sich bei der Kantonsstrasse um einen Unfallschwerpunkt? Im Vergleich zu anderen Ausserortsstrecken ja, sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau. «Dass es jetzt an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu zwei ähnlichen Unfällen kam, ist zufällig, passt aber ins Bild.»

Der Kapo-Sprecher führt verschiedene Faktoren an, die zu der «doch recht stattlichen Anzahl» an Unfällen auf der Staffeleggstrasse (die im Dorf Densbüren zur «Hauptstrasse» wird) führen. Da sei zunächst das hohe Verkehrsaufkommen, das die Wahrscheinlichkeit von Unfällen grundsätzlich erhöhe. In den Wintermonaten komme es ausserdem zu Schnee- und Glatteis-Unfällen (die Passhöhe liegt auf 620 m ü. M.).

«Die Tatsache, dass es sich um eine Ausserortsstrecke mit höherer Geschwindigkeit handelt, verstärkt die Unfallfolgen», so Graser weiter. Mit Ausnahme der Passhöhe und des Abzweigers Asp, wo maximal 60 gefahren werden darf, liegt die Tempolimite auf der Passstrasse bei 80 km/h. «Obwohl gut ausgebaut, weist die Ausserortsstrecke auf beiden Seiten einige Stellen auf, wo die Geschwindigkeit anzupassen ist», führt Graser weiter aus.

Dazu gehörten die sogenannte Brünneli-Kurve auf der Südseite (Fahrtrichtung Küttigen) sowie die markante Rechtskurve auf der Nordseite (Fahrtrichtung Densbüren). «Da Fahrzeuglenker diese Kurven unterschätzen und daher zu schnell sind, kommt es immer wieder zu Unfällen.»

Ausserdem weise die Strasse auf vielen Abschnitten steil abfallende Böschungen auf – «Kommen Fahrzeuge dort von der Strasse ab, ist ein Überschlag meist vorprogrammiert.» Das ist auch beim Unfall vom Dienstagmittag passiert.

Sportwagenraser auf der Staffeleggstrasse

Sportwagenraser auf der Staffeleggstrasse

13./14. Oktober: Das schöne Wetter vom Wochenende lockte die Temposünder wieder auf die Strassen. Die Kapo Aargau erwischte auf der Staffeleggstrasse mehrere Sportwagenfahrer.

Am 20. März 2018 hatte eine Neulenkerin beim Überholen eines Lastwagens einen Unfall verursacht. Auch das kommt ab und zu vor: «Auf der stellenweise relativ steilen Strecke werden gerade bergwärts fahrende Lastwagen langsamer, was nachfolgende Automobilisten zuweilen zu gewagten Überholmanövern verleitet», sagt Bernhard Graser.

Ausserdem verleite die gut ausgebaute Bergstrecke bestimmte Autofahrer zu einem «sportlichen» Fahrstil, was das Unfallrisiko erhöhe und ebenfalls immer wieder zu Selbstunfällen führe.

Vor anderthalb Monaten erst hatte die Polizei an einem Sonntagnachmittag bei einer Geschwindigkeitskontrolle auf der Staffeleggstrasse vier Auto- und zwei Motorradfahrer mit derart hohen Tempi erwischt, dass ihnen der Führerausweis auf der Stelle abgenommen worden war: 168 km/h betrug der fragwürdige Rekord eines Motorradfahrers.

Braucht es Massnahmen?

Der Kanton plant indes nicht, die Tempolimite zu senken. Aber im Bereich des Unfallortes der letzten Tage prüft man Anpassungen: «Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt klärt momentan ab, ob Massnahmen im Bereich der Kurve Brunnematt umgesetzt werden sollen», sagt Departementssprecherin Simone Britschgi. «In diese Abklärungen fliesst natürlich auch die Auswertung der Unfallursache, die jeweils mit der Kantonspolizei gemacht wird.»

Für den Unfall vom Montag mit dem bergwärtsfahrenden BMW sucht die Polizei noch immer Augenzeugen (Tel. 062 886 88 88). «Es liegen Erkenntnisse vor, dass der junge Automobilist zuvor zwei Autos überholt hat», so Kapo-Sprecher Graser. «Die Ermittlungen sind noch im Gange.»

Die Polizeibilder vom November: