Herr Christen, haben Sie Verständnis, dass Ihre Mitarbeiter gegen die Streichung des Abendzuschlages protestieren?

Hans-Ruedi Christen: Ich habe Verständnis für den Unmut, aber man muss die Sparmassnahme im dreijährigen Prozess sehen. Der Schritt wurde im November als eine der letzten Massnahmen beschlossen und wird erst auf den 1. Juli umgesetzt. Damit zeigen wir soziale Verantwortung.

Bei Neueinstellungen gilt die Regelung seit 1. Januar.

Stimmt. – Wir nehmen unsere soziale Verantwortung auch in weiteren Bereichen wahr. Unser Gesamtarbeitsvertrag (GAV) steht im Quervergleich mit jenem der Chocosuisse besser da. Wir kennen den Mindestlohn, zahlen weiterhin höhere Schichtzulagen, bieten mehr Ferien und weitere Sozialleistungen.

Dennoch: Die Kürzungen treffen die Schichtarbeiter und nicht das Büropersonal mit den geregelten Arbeitszeiten und flexiblen Ferien.

Im Kostenoptimierungsprozess wurden alle Bereiche durchleuchtet. Auch im administrativen Bereich mussten Einsparungen gemacht werden, um unsere Wettbewerbsfähigkeit und den Standort Schweiz zu erhalten, auch längerfristig garantieren zu können. Die heutige Aktion fand nicht starken Zuspruch.

Es waren immerhin rund 70 Arbeiterinnen und Arbeiter da.

Das können wir so nicht stehen lassen, nach unseren Zählungen waren es maximal 50 bis 60 und eine zweistellig Zahl Unia-Vertreter. Dies in Relation zu den 450 betroffenen Mitarbeitenden. Ich habe kein Verständnis für die Unia, sie versucht bloss Druck auszuüben.

Die Unia hat die Protestaktion durchgeführt, weil Sie ein Gespräch immer abgelehnt haben.

Sie ist nicht unser Sozialpartner, das haben wir mehrmals betont. Unser erster Ansprechpartner ist die Personalkommission Peko. In zweiter Linie ist es die Landeskommission, welche sich paritätisch aus Vertretern der Migros-Firmen zusammensetzt.

Diese Vertreter erhalten ihren Lohn alle von der Migros, da können sie als Sozialpartner doch gar nicht unabhängig sein.

Die Peko wird von den Angestellten gewählt. Im Unterschied zur Unia können die Vertreter die Entscheide besser deuten. Sie sind natürlich daran interessiert, den Arbeitsstandort Buchs zu erhalten. Die Peko wurde im Rahmen des Kostenoptimierungsprozesses laufend informiert und hat im GAV verankerte Mitbestimmungsrechte. Sie ist auch im Bild über die erschwerten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit den sinkenden Preisen in der Schweiz, den steigenden Rohstoffpreisen und dem starken Franken für den Export – wir exportieren ein Drittel unserer Produkte.