Suhr
Schöftler Grossrat: "Die Umfahrung Suhr verlagert das Problem nur"

Severin Lüscher sitzt für die Grünen im Grossen Rat. Der Schöftler Arzt ist einer der wenigen, der das 100-Mio-Projekt "Ostumfahrung Suhr" kritisiert. Er glaubt nicht daran, dass sie die Verkehrsprobleme löst.

Urs Helbling
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Besonders anspruchsvoll wird die Anbindung der Ostumfahrung Suhr an die Strasse ins Wynental im Bereich des AEW-Unterwerks.

Besonders anspruchsvoll wird die Anbindung der Ostumfahrung Suhr an die Strasse ins Wynental im Bereich des AEW-Unterwerks.

Urs Helbling

Lieber schon morgen als erst übermorgen möchte die Interessengemeinschaft Ostumfahrung Suhr mit der Realisierung des 100-Mio-Projektes beginnen. Doch der Bau wird kaum vor 2022 gestartet werden können. Und auch dieser Termin ist alles andere als sicher: Denn es droht Opposition, wie die Stellungnahme von Grossrat Severin Lüscher (Grüne, Schöftland) zeigt. Der Arzt sagt: «Bei allem Verständnis für das Stauproblem in Suhr bin ich doch sehr skeptisch, ob mit dieser Umfahrung das Verkehrsproblem in Suhr überhaupt gelöst werden kann, und ich schätze, dass es sich einfach nach Osten in den Raum Buchs-Hunzenschwil verlagert.»

Severin Lüscher, Grossrat (Grüne), Schöftland

Severin Lüscher, Grossrat (Grüne), Schöftland

ZVG

Die Umweltverbände sind bis jetzt noch nicht in die Planung einbezogen worden. Aber das soll nachgeholt werden, sobald die Vorbereitungsarbeiten ein gewisses Stadium erreicht haben, versicherte Kantonsingenieur Rolf H. Meier letzte Woche an einer Versammlung. Er will den Planungsprozess «mit aller Sorgfalt» vorantreiben, damit es später möglichst wenige Einsprachen gibt oder es nicht zu Verzögerungen wegen einer Volksabstimmung kommt.

Güterzüge abgeschafft

Ein Referendum könnte aus den Kreisen kommen, denen Severin Lüscher angehört: Der Grüne sagt: «Jeder Ausbau der Strassen zur Beseitigung von Flaschenhälsen führt früher oder später dazu, dass die Kapazität an einem nachgelagerten Ort wieder zu knapp wird.» Und: «Man will ja auch die A1 im Aargau auf sechs Spuren ausbauen und wird sich dann wundern, dass die Staus rund um die Ausfahrten zunehmen – was dann gleichzeitig das Argument ist, in Suhr keinen (Halb-)Anschluss zu bauen. Das beisst sich doch!» Severin Lüscher weist darauf hin, dass im Wynental vor wenigen Jahren der Gütertransport auf der Schiene ganz eingestellt worden ist. «Man setzt also voll auf Lastwagen», erklärt Lüscher. Die Betriebe im Oberen Wynental würden deshalb auch oft via Seetal, Böhlerpass oder Sursee-Beromünster angefahren. Der Knoten Suhr sei folglich «nur» für die Industrie im unteren Wynental eine passage obligée, der Grossteil sei Personen- bzw. Pendlerverkehr.

Severin Lüscher meint: «Wir tun so, als ob unser Verkehrsproblem mit mehr Infrastruktur und Ausweitung des Angebotes gelöst würde – das Gegenteil wird der Fall sein, es wird so nur schlimmer und teurer.»

Wie geht es mit dem Umfahrungsprojekt jetzt weiter? Als nächstes gibts ein Gespräch zwischen Gemeindevertretern und Baudirektor Stephan Attiger. Noch im Oktober werden erste Entscheide zur Linienführung der Ostumfahrung und zum Start des Richtplanverfahrens für die Südumfahrung gefällt.