Schöftland
Er kümmerte sich fast 50 Jahre lang um den Wald

Martin Leu, Betriebsleiter des Forstbetriebs Oberes Suhrental, führte ein letztes Mal durch sein Revier.

Sibylle Haltiner
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Gemeinderätin Trudy Müller dankt Martin Leu für seinen Einsatz im Schöftler Wald.

Gemeinderätin Trudy Müller dankt Martin Leu für seinen Einsatz im Schöftler Wald.

Sibylle Haltiner

Rund 60 Waldumgänge hat er geleitet und dabei den Menschen die Natur und den Forstbetrieb nähergebracht. Am Wochenende führte Martin Leu in Schöftland zum letzten Mal durch sein Revier. Nach 49 Jahren im Wald wird der Förster als Betriebsleiter des Forstbetriebs Oberes Suhrental Ende Jahr pensioniert.

Das Interesse der Schöftlerinnen und Schöftler war gross: Gegen 80 Personen lauschten Martin Leus Ausführungen zum Thema «Wald heute». «Früher waren wir mit Ausnahme von einigen wenigen Spaziergängern, Pilzlern oder Reitern allein im Wald und konnten in Ruhe unseren Forstarbeiten nachgehen», erzählte der Förster.

«Heute ist der Wald eine durchgehend geöffnete, kostenlos zugängliche Freizeitarena, in der sich viele Naturfreunde, Sportler und Waldästheten aufhalten.»
Viele Leute lauschten den Ausführungen von Martin Leu zum Zustand des Waldes.

Viele Leute lauschten den Ausführungen von Martin Leu zum Zustand des Waldes.

Sibylle Haltiner

Martin Leu freut sich, dass so viele Menschen den Wald besuchen, er warnte aber auch vor den negativen Folgen wie wilden Grillstellen oder illegalen Entsorgungen. Viel Gewicht legte der Förster bei seinem letzten Waldumgang auf die Entwicklung des Waldes und die Änderung im Baumbestand.

«Die Fichte gehört zu den Verlierern», erklärte er. «Sie hätte es lieber kühler, weil sie aus den Alpen stammt, und ist anfällig auf Käferbefall und Sturmschäden. Die Natur hat den von den Forstbetrieben schon lange angestrebten Waldumbau hin zu mehr Laubbäumen in kurzer Zeit fertiggebracht.» Neben der Fichte würden wegen der Trockenheit auch die Buchen längerfristig verschwinden.

Klimatolerantere Arten wie Traubeneiche, Winterlinde oder Edelkastanie könnten in Zukunft mehr Anteil am Baumbestand haben. Auch die Douglasie zählt Leu dazu, die dickste in seinem Revier habe einen Stammdurchmesser von eineinhalb Metern, berichtete er stolz. «Man wird sehen, wer das Rennen machen wird. Es ist und bleibt spannend, aber der Wald selbst wird überleben», erklärte Leu bestimmt.

Ab nächstem Jahr als Jäger und Grossvater im Wald

Trudy Müller, als Gemeinderätin verantwortlich für den Forst, dankte Martin Leu für die vielen Jahre, in denen er den Schöftler Wald betreute. «Ich staune über sein Wissen», sagte sie. Martin Leu trat die Lehre zum Forstwart 1972 in Muhen an. Nach der Försterschule arbeitete er von 1982 bis 1987 im Wallis und anschliessend als Förster von Staffelbach, Attelwil und Wiliberg. 2001 kamen Reitnau und Schöftland hinzu.

Seit 2005 ist Leu Betriebsleiter des Forstbetriebs Oberes Suhrental. «Das Interesse an den Waldumgängen und am Forstbetrieb hat in letzter Zeit wieder zugenommen», erzählte er.

«Die Leute setzen sich intensiver mit dem Wald auseinander, ein Holzschlag wird oft hinterfragt. Die Freizeitnutzung, für die die Menschen die Ruhe im Wald suchen, beisst sich oft mit der Holzwirtschaft, die die freie Bewegung der Leute einschränkt.»

Martin Leu wünscht sich aber, dass das Interesse der Menschen und der hohe Stellenwert des Waldes bestehen bleiben. Im Oktober feiert er seinen 65. Geburtstag, den Forstbetrieb wird er noch bis Ende Jahr führen. Ab 2022 wird sein Revier Teil des neuen Forstbetriebs Suhrental-Ruedertal. Im Wald wird man ihn dennoch häufig antreffen, als Jäger oder mit seinen vier Enkelkindern.

Es wird viel über den Wald geschrieben, sagt Martin Leu, und zeigt eine der unzähligen Publikationen.

Es wird viel über den Wald geschrieben, sagt Martin Leu, und zeigt eine der unzähligen Publikationen.

Sibylle Haltiner

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