Nichts mit Shuttle auf dem Sozius eines Hexenbesens; man muss schwitzen vom Parkplatz zum Schloss Liebegg hoch, wo das erste internationale Tarot-Fest stattfindet.

Organisiert hat dieses Wicca Meier-Spring, deren Hexenmuseum im Herbst von Auenstein auf die Liebegg umzieht. Eröffnung ist am 25. März 2018. «Ich bin die Schlosshexe, und der gute Schlossgeist ist mein Mann Christoph», lacht Wicca Meier-Spring am Samstag zur Begrüssung auf der Liebegg. Rund drei Dutzend Personen – die Männer sind an einer Hand abzuzählen – lernen hier in Vorträgen und Workshops allerhand über Tarot. Einige Besucher stammen aus England, Australien, den USA und Deutschland.

Wicca Meier-Spring selber bietet einen Workshop an, wo die Teilnehmenden einen «Tarotzauber» basteln. Einst habe man eine Kerze aufgestellt neben die Karte, die Hilfe versprach. «Ein magisches Ritual, weswegen in Venedig viele Frauen hingerichtet wurden», erzählt Wicca.

Heute dient ein Kartonteller als «Magic Circle». Es gilt, sich einen Wunsch zu überlegen. «Seid vorsichtig beim Wünschen», sagt sie augenzwinkernd, «denn er könnte ja in Erfüllung gehen.» Materieller Erfolg? Glück in der Liebe? Gesundheit? Während rund einer Stunde wird ein papierner Talisman mit einer Tarotkarte gebastelt. Der Wunsch wird verbalisiert und personalisiert, Symbole und Glimmer kommen drauf, dazu etwas Persönliches wie ein Haar oder ein Foto. Dann umschliesst eine Folie die Karte. Früher habe man Kraftkarten in Kleider eingenäht.

«Ihr seid gute Hexen», rühmt Wicca und rät, die Karte zu Hause ein oder zwei Tage unter einen Stein zu legen, um dem Zauber ein Fundament zu geben, auf dass er Realität werde. Nachher solle man die magische Karte auf sich tragen. Portemonnaie, Hosensack, BH oder Unterhose. «Oder einfach da, wo der Zauber wirken soll», sagt sie. Sie legt keine Karten und deutet nicht; ihr Interesse gilt vielmehr der Geschichte der Karten, die sie sammelt: «Alte Tarotkarten sind meine Leidenschaft.»

Wacholder und Weihrauch

Am Samstagnachmittag ist der Schlosshof ein kleiner Markt. «Darf man daran riechen?», fragt Monika Tschirren aus Dänikon ZH Marcel Zimmermann aus Boniswil. «Unbedingt!», sagt dieser, und entzündet darauf auf Wunsch Proben von Harzen, Wurzeln, Hölzern und Kräutern. Nicht weniger als 96 grosse Gläser stehen da.

Claudia und Raphael Wildi–Rose aus Gränichen im Mittelalter-Outfit decken sich mit Duftstoffen ein: Moschuskörner, Wacholderspitzen, Tolubalsam, Erdrauch. «Wir machen für Freunde gerne Hausräucherungen», sagt Raphael, und seine Frau ergänzt: «Die Kräutermischungen sind auf die Personen und ihre Themen zugeschnitten.» Konkret: Ein flockig-leichter Duft wirke gegen Schwermut; das Harz der Bergföhre fördere die Verwurzelung. Dem Weihrauch werde desinfizierende Wirkung zugeschrieben, derweil der Wacholder aus dem gleichen Grund auch Pestbaum heisse. Auch die sprichwörtliche «dicke Luft» könne zum Verduften gebracht werden.

Maderanertal und Fernost

Simone Hunziker aus Othmarsingen hat sich für 25 Franken eine astrologische Kurzberatung geleistet. «Das Horoskop hat mich bestätigt», sagt sie. Ihr Thema: die berufliche Zukunft. An ihrem Stand – sie ist erstmals an einem Markt – verkauft sie selbst gemachte Textilien. Daneben bietet Lisetta Loretz Crameri aus Brunegg Harzbalsam aus Tannenharz aus dem Maderanertal an, während Hürbins aus Hütten ZH ihren Silberschmuck mit nordischen Motiven in Asien herstellen lassen.