Aarau

Schlechte Noten für die Führung der Schule Aarau

Blick in ein leeres Schulzimmer: «Die obere Führungsstufe ist weiterhin nicht funktionsfähig» (Symbolbild, Archiv)

Blick in ein leeres Schulzimmer: «Die obere Führungsstufe ist weiterhin nicht funktionsfähig» (Symbolbild, Archiv)

Es ist nicht alles im grünen Bereich an der Schule Aarau, im Gegenteil. Schulpflege und Gesamtschulleitung erhalten eine «rote Ampel». Es ist die zweite; das hat es im Aargau noch nicht gegeben.

«Die obere Führungsstufe ist weiterhin nicht funktionsfähig», heisst es in einer Mitteilung der Stadt, welche Bezug nimmt auf den Bericht der Fachstelle Externe Schulevaluation. «Es sei der Schulpflege nicht gelungen, die Funktionsstörung nachhaltig zu beheben.» Positiv wird vermeldet: «Die untere Führungsstufe in den einzelnen Schulhäusern arbeitet gut.» Hier gibt es eine grüne Ampel.

Stadtrat herausgefordert

Mit der zweiten roten Ampel sieht sich nun auch Stadtrat Lukas Pfisterer auf den Plan gerufen. Bislang wollte er sich nicht in die Angelegenheiten der vom Volk gewählten und deshalb souveränen Schulbehörde einmischen. Nun aber sei nicht mehr nur die Schule, sondern die ganze Stadt gefordert, sagt er.

Die erste rote Ampel hatten Schulleitung und Schulpflege im November 2008 kassiert. Seither kam die Schule nicht mehr zur Ruhe. Ende Januar 2011 trennte man sich vom Gesamtschulleiter Res Wirz. Seither ist die Stelle vakant. Im Sommer nahm der Schulleiter des Oberstufenschulhauses den Hut. In der Schulpflege kam es innert kürzester Zeit zu Rücktritten und Wechseln. Das nächste, vielleicht vorläufig letzte Kapitel in dieser Sache: Am 11. März findet die Ersatzwahl für zwei Schulpfleger statt. Seit Ende September 2011 ist Max Becker neuer Schulpflegepräsident.

Pfisterer räumt ein, dass die Wahl des damaligen Gesamtschulleiters möglicherweise nicht die glücklichste gewesen war, er will aber auch prüfen, ob das Scheitern der Gesamtschulleitung nicht auch eine Folge der Strukturen gewesen sein könnte. Die Problemanalyse müsse Systemvarianten einschliessen. Infrage käme nämlich auch ein «Konferenzmodell», wie es jetzt faktisch besteht.

Dieses sieht nur eine Schulleitungsebene mit den einzelnen Schulleitungspersonen vor. Wichtig ist Pfisterer, dass «möglichst rasch Stabilität» einkehrt, damit die Führungsaufgaben wieder optimal wahrgenommen werden können. Er wolle die Lösung der Probleme am runden Tisch mit allen Beteiligten, mit der Fachstelle des Departements Bildung, Kultur, Sport (BKS), den Schulleitungen und der Schulpflege, konsequent angehen.

Es fehlte an Kontinuität

Auch der Evaluationsbericht führt die Probleme im Wesentlichen auf die vielen personellen Wechsel in der Schulpflege und die fehlende Gesamtschulleitung zurück. Jeder Wechsel führe zu einem Verlust an Wissen und Erfahrung. In der Folge habe es an Kontinuität gefehlt, sodass sich «keine gemeinsame Problemsicht und kein gemeinsames Führungsverständnis entwickeln» konnten. Das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit der ganzen Schulführung habe gelitten. Im Bericht wird hervorgehoben, dass «alle Schulhäuser gut geführt werden und dass die Entscheidungsprozesse vor Ort gut gesteuert sind».

Es sei den einzelnen Schulleitungspersonen gelungen, Stabilität und Kontinuität aufzubauen. Die Lehrpersonen identifizierten sich primär mit ihren Schulhäusern. Die Zusammenarbeit mit den Schulsozialarbeitenden funktioniere gut. Das Schulpflegesekretariat und die Schulsekretariate arbeiteten äusserst professionell und würden allseits als kompetent erlebt.
Die Lehrpersonen und danach die Eltern werden an zwei separaten Veranstaltungen über die Ergebnisse und die daraus abgeleiteten Schritte informiert. Die Schulpflege sieht nach der Ersatzwahl vom 11. März die Chance zu einem Neustart.

Das kantonale Inspektorat wird die Schulpflege bei ihrer Arbeit beaufsichtigen. Zudem wird der Schulpflege eine Beratungsperson zur Seite gestellt. Diese wird die Schulpflege im Führungsalltag unterstützen und beraten. Die Massnahme ist bis Ende des Schuljahres 2012/13 befristet.

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